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4. August 2005, 11:48 Uhr

Leichenschmaus mit "blutigem Fuß"

Heavy Metal ist ein Lebensgefühl. Bei echten Fans kommen nur Leckereien wie "Krötenrotze" und Currywurst à la "blutiger Finger" auf den Tisch. Zum Nachkochen gibt es jetzt ein Kochbuch.

Auch Altmeister Alice Cooper würde sich über passende Bewirtung freuen© Manuel Ruiz Toribio/EPA

Heavy Metal ist nicht nur Musik "louder than hell" - Heavy Metal ist ein Lebensgefühl. Dazu gehört für die meist schwarz geschminkten und gekleideten Hardrockfans und Metal-Musiker auch das "richtige" Essen. Sheree Hesse, Organisatorin des Heavy-Metal- Festivals "Wacken Open Air" in Schleswig-Holstein (das an diesem Wochenende wieder Tausende anzieht) hat aufgeschrieben, was sie beim letzten "W.O.A." in den Kochtöpfen fand. Heraus kam ein Kochbuch mit internationalen Rezepten: Eine bunte Mischung von einfach bis raffiniert, aber zum Teil auch makaber und ekelig.

Denn nicht alle Metal-Köche lieben "Westfälische Wirsingroulade Jägerart", "Limetten-Kokos-Hühnchen auf Basmatireis" oder die preiswerten "Rühreier für arme Musiker" (ist billig und macht satt für den ganzen Tag).

Stattdessen verarbeiten sie profane Zutaten zu horrormäßig dekorierten Gerichten. Bei ihnen landen gegrillte Würstchen nicht einfach mit einem Klecks Ketchup auf dem Teller, sondern werden mit viel Liebe zum Detail als "abgehackte Finger" serviert: Kleine Einkerbungen in der Pelle simulieren die Gelenke, und Mandelscheiben sind Ersatz für die bleichen Fingernägel, dazu gibt es viel Blut in Form von Ketchup.

Dekor-Horror für Einsteiger

Beliebt ist auch der "blutige Fuß" - Ein Kilo rohes Schweinemett zu einem menschlichen Fuß geformt: "Je nach Geschicklichkeit kann man die Zehen sehr detailliert mit allen Falten und Poren ausformen", heißt es in dem Rezept: An der Stelle, wo der Fuß abgetrennt und der Knochen zu sehen sein soll, kommt ein Stück Zwiebel auf den Stumpf. "Dann kann der Leichenschmaus beginnen."

Zutaten-Horror für Fortgeschrittene

Doch manche Metal-Gerichte sind nicht nur makaber dekoriert. Bei ihnen sind schon die Zutaten stark gewöhnungsbedürftig: Zum Beispiel beim "gebratenen Kuheuter" (hauchdünn geschnitten und in der Pfanne lichtbraun gebraten, serviert mit einer Sardellensauce) oder den "Prärie-Austern": Das sind panierte und frittierte Lammhoden (Tipp für Metal-Köche: Aufpassen, dass der Schlachter statt der zarten Lammhoden nicht die zähen Hammelhoden einpackt).

Als Getränk reicht der Metal-Koch zum Beispiel einen Becher "Krötenrotze" (Eine Mischung aus Waldmeister-Brausepulver, Crush-Eis, Wasser, Sahne und weißem Rum, garniert mit grünen Gummifröschen), ein Glas "Puddinglikör" (Pudding mit dem Mixer aufschlagen und Korn darunter mischen) oder "Gummibärchenbowle" (Gummibärchen über Nacht in Wodka einlegen, dann mit Bitter Lemon auffüllen): "Cool sind auch Gummibärchen in Eiswürfel eingefroren dazu", heißt es in dem Rezept.

Wolfgang Runge/DPA

Buch-Tipp "Lecker, lecker Metalküche"
112 Seiten mit CD
Oidium Verlags GmbH
ISBN 3-9809697-4-6

 
 
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