Auch Pflanzen sind der Mode unterworfen, der Mangold etwa - einst wuchs er in allen Gärten, bis wir dem zarteren Spinat den Vorzug gaben. Das hat sich nun geändert. Mangold ist heute Dernier cri, was bei seinem schicken Outfit kein Wunder ist. Schlanke, rosarote Stiele, Blattwerk wie vom Designer und ein Geschmack erst… Vorhang auf!

Mode aus Fischhaut gibt es schon - sollte man je Mangoldblätter gerben können, es wird auch Mangoldmode geben, hier die neuesten Modelle aus Italien© Hans Hansen
Auch Pflanzen sind der Mode unterworfen, der Mangold etwa - einst wuchs er in allen Gärten, bis wir dem zarteren Spinat den Vorzug gaben. Das hat sich nun geändert. Mangold ist heute Dernier cri, was bei seinem schicken Outfit kein Wunder ist. Schlanke, rosarote Stiele, Blattwerk wie vom Designer und ein Geschmack erst… Vorhang auf!
Zwei Artikel zum Preis von einem?! Gewöhnlich zieht das Angebot. Aber nicht beim Mangold. Oder besser - okay, es zieht, aber nur langsam. Mangold ist ein superbequemes Gemüse: Es hat keine Schalen (wie Schwarzwurzeln), keine Kerne (wie Kürbis), keine holzigen Stellen (wie Kohlrabi), keine Strünke (wie Brokkoli) und keine nur mit Nackenkrampf abzulösenden Außenblätter (wie Rosenkohl). Nur gründlich waschen muss man ihn, wie einen Kopf Salat.
Trotzdem steht der Kunde meist ratlos vorm Gemüseregal und greift doch lieber zum Spinat. Gründe? 1) Obwohl ein altes Kulturgemüse, ist der Mangold bei uns neu. Erst seit wenigen Jahren wird er wieder angeboten, dann meist aus italienischem Bio-Anbau. Das heißt, dass er im Supermarkt kaum zu finden ist. 2) Seine Doppelte-Lottchen-Natur: Mangold hat fleischige Stiele und wolkiges Blattwerk. Die Stiele garen langsamer, die Blätter schneller. Also werden sie meist separat gegart, um dann wieder zusammen serviert zu werden. Allerdings nicht in jedem Fall,weil… Wenn das nicht verwirrend ist.
Halt, stopp, es ist nicht so schlimm. Tatsächlich ist ja alles nur eine Sache von Minuten. Die Blätter von den Stielen schneiden, Stiele zerschnippeln und ein paar Minuten vorgaren, dann die Blätter dazutun. Manchmal lohnt es, beide vorher zu blanchieren. Das gart später präziser, und die Farbe bleibt hübsch. Was ist kompliziert daran? Wer sich bei Ebay zurechtfuchst, kann auch Mangold garen. Und kommt in den Genuss des doppelten Mundgefühls - bissfest knackig die Stiele, salatig-zart die Blätter. Mangold ist recht winterhart, man bekommt ihn frisch vom Feld, zumindest aus Italien, wenn vieles andere Gemüse bereits den Geist aufgegeben hat. Die größeren Außenblätter eignen sich als Hülle für Rouladen, die Stiele dienen dabei als Füllung - gemischt mit Rosinen und gehackten Nüssen ist das eine wunderbare, aufs Mittelalter zurückgehende Zubereitung.
Bert Gamerschlag