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22. März 2004, 10:52 Uhr

Butter bei die Fische

Bei Johannes B. Kerner rühren und schnibbeln fünf Köche ohne Netz und doppelten Boden. Wer patzt, blamiert sich, denn das Publikum isst mit. Übrigens - ganz freiwillig kam Kerner nicht zu seiner Küchenshow.

Bei Johannes B. Kerner treffen sich prominente Profi- und Hobbyköche© Klaus Franke/DPA

Absagen können auch zusagen. Hinterher. Als George Clooney Johannes B. Kerner versetzen musste (Bandscheibenvorfall), traf den ZDF-Talker der Schlag. So oft kriegt man einen Clooney nicht. Das Talkshow-Publikum ist zu 60 Prozent weiblich, die wollen was geboten kriegen. Der Filmstar war ein Angebot, ein Superangebot. Und hätte zudem den Freitagabend gerettet, Kerners schwerste Stunde. Am Ende einer harten Woche, spät um 23 Uhr und im Anschluss an "aspekte" liegt der Zuschauer im Wachkoma. Wenn er nicht längst im Bett ist. Kerner hatte gerade fünf Köche zu Gast, als Clooneys Nachricht kam. Tim Mälzer, Sarah Wiener, Johann Lafer, Ralf Zacherl und Rainer Sass sollten erklären, warum es immer mehr bunte Kochsendungen gibt, die Leute aber Fertigpizza mampfen und die Metzger Pleite gehen.

Die Sendung war lebhaft, das Gespräch kontrovers. Warum nicht, statt zu labern, Butter bei die Fische und spontan im Studio kochen, schlug Kerner vor in seiner Not. Alle wollten. Nur - ohne Küche? Binnen Stunden wurde das Studio ab- und eine Küche aufgebaut, mit vier Herden und einem Backofen. Zufällig hieß Kerners Regisseur an jenem Tag Volker Weicker. Der Grimme-Preisträger gilt als Deutschlands bester Live-Regisseur - mit einem Professorentitel der Kunsthochschule Köln.

So einer ordnet das Chaos. Die Köche kochen gleichzeitig und balgen sich um den knappen Platz. Kerner rennt umher und hebt sämtliche Deckel. Mancher schneidet sich und schreit nach Pflaster. Wer fertig ist, lässt die anderen kosten. Lob ist dabei nicht garantiert. Die Köche tragen ihr Zeug ins Publikum. Die Leute probieren und sagen, ob's schmeckt oder ob nicht. Was hinfällt, fällt, was versalzen ist, bleibt versalzen - alles läuft in Echtzeit. Keine Schnitte oder Neuschüsse.

Einschaltquote - mit 1,4 Millionen so gut, dass Kerner eine zweite Kochshow ansetzte, mit noch mehr Erfolg. Am 18. März sendete er die neunte. Dass dabei dieselben Köche mitmachten wie beim ersten Mal, ist Zufall. Denn Kerner kocht mit wechselnden Köchen - nur Routinier Lafer ist stets dabei. Ferner auch, wann immer es geht, ein prominenter Hobby-Koch. Bislang war's mal Ralph Morgenstern ("Blond am Freitag") und mal Renate Künast (als Freitagsblondine). Noch immer ist nicht klar, warum die Leute lieber beim Kochen zugucken, als selbst zu kochen. Doch für Kerners 100. Kochsendung ist eines sicher: Falls es sie dereinst geben wird, soll der Stargast Clooney heißen.

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 12/2005

Bert Gamerschlag
 
 
 
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