. .
Lifestyle - Lebensart
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Oktober 2009, 16:31 Uhr

Das schönste Fett Italiens

Es ist Fett, das reine Fett. Na und? Denn erstens isst man es nicht jeden Tag. Und zweitens ist sensationell, was sie in der Toskana aus Speck zu machen wissen. Lardo di Colonnata schmeckt ganz einfach himmlisch.

Colonnata, Italien, speck, italienischer

Nicht Schnee, Steinstaub ist es, der die Berge bei Colonnata so puderig weißt© Monika Bender

In Colonnata hört die Welt auf. Nur ein krummes Bergsträßchen kriecht von Carrara herauf in diesen Winkel der Apuaner Alpen. Links und rechts des engen Tals öffnen sich Einblicke in gigantische Marmorsteinbrüche, die sich wie weiß blutende Wunden in die Berge gefressen haben. Für seinen makellosen Marmor ist die Gegend weltberühmt: Schon vor 500 Jahren ließ sich Michelangelo hier oben den blendend weißen "marmo statuario" für seinen "David" aus dem Fels schneiden.
Das Sträßchen endet jäh auf der Piazza Palestro, mitten im Dorf. Colonnata, keine 300 Einwohner, klammert sich trutzig auf einen Felsvorsprung, ein verwaistes Schulhaus, enge Gässchen, vor der Dorfkirche ein sperriges Marmor-Monument zu Ehren der "cavatori", den bei ihrer gefährlichen Schufterei umgekommenen Bergarbeitern.

Schutzpraton der feinsten Delikatessen

Von der harten Arbeit des Marmorabbaus lebten sie einst alle hier. Heute ernährt der Marmor viele Colonnatesi auf ganz andere Weise: In den kühlen Felsenkellern ihrer Häuser haben sie alle noch mindestens eine "conca" (sprich: konka) stehen: eine schmale Truhe aus feinstkörnigem Marmor - einen Meter hoch, einen Meter breit, eineinhalb Meter lang. In diesen zierlichen Sarkophagen ruht gut sechs Monate lang, was Gourmets in aller Welt reflexartig den Mund wässrig macht: zartester, schneeweißer, in, unter und zwischen Meersalz, Kräutern und Gewürzen gereifter Schweinespeck - der "Lardo di Colonnata".

Da macht es Sinn, dass sich das nordtoskanische Dorf schon länger vom Schutzheiligen der Bergwerker ab- und demjenigen der Metzger zugewandt hat. Sankt Bartholomäus jedenfalls sei Dank - und Fausto Guadagni! Denn ob es nun die Himmelsmacht des Santo war oder die zornige Zähigkeit des bekanntesten "lardaiolo" am Ort: Die beiden Herren haben für Schutz und Erhalt einer der feinsten Delikatessen Italiens gesorgt, der um ein Haar der Garaus gemacht worden wäre - durch den Irrsinn weltfremder EU-Hygienerichtlinien ebenso wie durch dreiste Plagiate aus industrieller Massenfertigung.

Gewürzbasar und Kräutergarten

Guadagni, 50, durchfurcht sich heute noch die früh ergrauten Haare, wenn er an jenen Überfall der Carabinieri an einem Herbsttag 1996 denkt: "Sie hielten mir die Brüsseler Beschlüsse vor die Nase: Weil wir keine gefliesten Räume und keine Toilette in unserem Keller hatten, haben sie uns den Laden dichtgemacht." Dabei hatte Guadagni gerade erst begonnen mit der gewerbsmäßigen Produktion einer Spezialität, die bis dato eher Privatsache war in Colonnata. Die Kalorienbomben aus dem im Herbst gemetzgerten Hausschwein, die da in der familieneigenen "conca" übers Jahr reiften, waren die traditionelle Kraftnahrung der Männer bei ihrer körperlichen Schwerstarbeit im Steinbruch: Zu Mittag säbelten sie sich dicke Speckscheiben aufs Brot, kauten lange, spülten mit einem Schluck Rotwein nach und kletterten dann gestärkt zurück in den Fels.

Guadagni, Sohn alteingesessener Wirtsleute, hatte das kulinarische Potenzial des Lardo als einer der Ersten erkannt - mitsamt der Verantwortung, die Handvoll Geheimnisse zu wahren, die seine Güte garantieren. Deshalb beugte er sich zähneknirschend den EU-Schikanen, und als Kacheln und WC ordnungsgemäß installiert waren, legte er 1997 so richtig los im kargen Nachkriegsbau an der Via Comunale. Schon draußen vor der Tür steigt einem dieser eigenwillige Duft nach Wurstküche, nach orientalischem Gewürzbasar und mediterranem Kräutergarten in die Nase. Er wabert in den Gassen Colonnatas, als wären die Hausmauern damit imprägniert. Produziert wird in der Schlachtzeit, von Oktober bis April. Dann fährt Fausto Guadagni mit dem Lieferwagen einmal die Woche in sein bevorzugtes Schlachthaus im vier Autostunden entfernten Mantua, wo er sich mit dem Rückenspeck der mächtigen Hybridschweine des Typs "Large White" eindeckt, immerhin aus lokaler Freilandaufzucht. Dort sucht er sich seine "spallotti" - so heißen die Rückenhälften von der Unterkante der Schulter bis zur Oberkante des Schweinepopos - direkt am Fließband aus und lässt sie noch vor Ort zerlegen: 30 mal 40 Zentimeter groß und gut 5 Zentimeter hoch müssen die Stücke sein. Bis auf einen millimeterdünnen, zartrosafarbenen Streifen der Schulter wird alles Fleisch und das wabbelige Innenfett abgeschält, die Schwarte mit Spezialfeilen gesäubert.

Seite 1: Das schönste Fett Italiens
Seite 2: Spannung, als öffnete er ein Pharaonengrab
Seite 3: Gefragt wie weißer Alba-Trüffel
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Korsika Auf die sinnliche Tour

Für die Mittelmeerinsel gibt es einen verlässlichen Reiseführer: immer der Nase nach. Schinken von wilden Schweinen, Öl aus den Kräutern der Insel, frisch gebrautes Kastanien-Bier und süßes Nougat. Nur vom Casjiu Merzzu, dem verdorbenen Käse, sollte man Abstand nehmen. Maden spielen bei seiner Herstellung eine entscheidende Rolle. mehr...

Käseherstellung Licht und Luft gibt Saft und Kraft

Alpkäse schmeckt besser, ist gesünder und macht Mensch und Tier glücklich; denn Bergkäse von Kühen, die frei auf Hochalpen grasen, enthält zweimal so viel Omega-3-Fettsäure wie Käse von Tieren aus dem Stall. In Gstaad hat man dem Alpkäse eine Kathedrale gebaut. mehr...

Wissenstest Getränke Was wissen Sie über Sekt und Selters?

Wer trinkt am meisten Kaffee? Vermutlich die Italiener. Oder doch die Deutschen? Wieviel Alkohol darf ein Malzbier enthalten? Und wie wird eigentlich Roséwein hergestellt? Testen Sie Ihr Wissen über Getränke! mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (8/2012)
Whitney Houston