Caipirinha! Der Drink hat sie berühmt gemacht, aber inzwischen steht er der Limette bis Oberkante Unterlippe. Denn diese Frucht kann mehr. Ihre Haut ist Parfüm, ihr Saft ist Frische. Und selbst trockene Exemplare bringen noch verdammt viel Spaß in den Topf Von Stephan Draf

Wie bei den meisten Südfrüchten liegt das Geheimnis der Limette in der Schale - ihr Geschmack ist besonders. Den Saft benutzen Südamerikaner auch zum "Garen" von Fisch© Hans Hansen
Orte, an denen die Limette nichts verloren hat: im Bier zum Beispiel. Es mag cool aussehen, Limettenschnitzel in Mexiko-Bierflaschen zu stopfen, doch in Acapulco säubert man damit nur den Flaschenhals. Und schmeißt dann die Frucht weg. Das weiß in Berlin allerdings kein Gastronom. "In den so genannten Szene-Kneipen", erregt sich ein Trinker im Internet, "bekomme ich mit 99-prozentiger Sicherheit ein Kristallweizen mit einer Limette! Ja, wo sind wir denn? In der Karibik?"
Irgendwie schon. Vor allem in Mittel- und Südamerika wird sie ja angebaut, die grüne Würzfrucht, und zwar in der Variante "Persische Limette": grün, dass das Auge schmerzt, dünnschalig, doppelt so saftig wie Zitronen und dreimal so fetzig - so schwärmen die Limetten-Verkäufer. Wir haken ein: Meist sind Limetten saftiger, aber bis man die trockeneren, leichteren Früchte im Laden am Gewicht erkennt, muss man verdammt viele gekauft haben. Die größte kulinarische Potenz der Limette steckt in ihrer hocharomatischen Schale - schrubben Sie sie bitte unter heißem Wasser, wegen der künstlichen Wachsschicht, die die Früchte vorm Schrumpeln schützt.
Die Limette könnte in Deutschlands Küche Spielgestalter sein, fiele uns denn mehr ein, als sie mit Zucker und Chachaça zum "Caipi" zu mixen. Der Rest der Welt hat schon längst erkannt, was in der Limette steckt: Im Iran kommt kaum ein Schmorgericht ohne getrocknete Limetten aus (sie sind dann federleicht); in Florida weist der "Key Lime Pie" darauf hin, dass dort eine besonders aromatische Variante gezüchtet wurde, aus der man einen prima Kuchen machen kann. In Asien nimmt man die Kaffir-Limette (schrumpelig, mehr Kerne als sonst was, aber noch mehr Geschmack) und wirft ihre Schale in scharfe Suppen, was diese unglaublich aufpeppt. Und in Südamerika heißt die Zubereitung der Wahl "Ceviche": rohen Fisch dünn aufschneiden und in Limette marinieren, mit Koriander und Chili würzen - ausgezeichnet. Und ist spannender Chemieunterricht: Weil sich die Fisch-Proteine in der Limettensäure ähnlich verändern wie beim heißen Garen, darf man den marinierten Fisch durchaus als "gekocht" bezeichnen.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 34/2006