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19. April 2009, 16:05 Uhr

Wie ein Dreier mit zwei hässlichen Mädchen

Man nehme einen Double-Cheesburger und einen McChicken - fertig ist er: Der McGangbang ist eine Erfindung von Fastfood-Junkies. Die Fans des Burgers wollen ihre Kreation aus Rinder- und Hühnchenburger bei McDonald's etablieren. Von Anja Rünzel

McGangbang, McDonald's

Ein McGangbang-Fan lässt sich seinen Burger schmecken© FTD

Entschuldigung: Um die Sinneseindrücke beim Verzehr eines McGangbang möglichst plastisch wiederzugeben, muss man kurzzeitig ein wenig ins Schlüpfrige abgleiten. "Es ist wie ein Dreier mit zwei hässlichen Mädchen", sinniert ein Blogger über sein jüngstes McGangbang-Mahl. "Während des Vollzugs denkt man sich, super, ein Dreier! Aber wenn es vorbei ist, dämmert einem ganz langsam, was man da eben getan hat."

Seit einigen Wochen stolpert man in Blogs und Internetforen häufig über McGangbang-Beschreibungen und Verzehrsberichte. Wer die dort beschriebene Empfindung nachspüren möchte, muss zunächst ein wenig basteln, denn der Burger gehört nicht zum Sortiment von McDonald's. Um ihn zuzubereiten, ordert man einen Double-Cheeseburger sowie einen McChicken, klappt den Cheeseburger an der Stelle auseinander, an der sich die beiden Fleischpatties treffen. Hier appliziert man den McChicken, klappt alles wieder zusammen - fertig. Und fettig.

Die Genese des Burgers ist erstaunlich gut dokumentiert - angefangen mit seinem ersten Youtube-Auftritt im Oktober 2008. Raphael Brion ist sein Chronist, quasi der Schriftführer des Burgerbegehrens. Auf seiner Seite Eatmedaily.com sammelt er McGangbang-Fotos, die er aus der Fotocommunity Flickr fischt, Twitter-Botschaften, McGangbang-Fanseiten auf MySpace und Facebook und wackelig mit dem Handy mitgefilmte Bestellversuche im McDonald's-Restaurant.

McGangbang, McDonald's

So sieht er aus, der fertige McGangbang© FTD

McGangbang-Bestellungen ist man bei McDonald's gewohnt

Denn die Freunde des McGangbang wollen sich nicht damit begnügen, ihren Burger aus separat bestellten Einzelteilen selbstständig zusammenzusetzen. Sie sähen ihn gern im regulären Sortiment der Burgerbraterei und sammeln Informationen darüber, in welchen McDonald's-Filialen die Angestellten nicht mit der Wimper zucken, wenn man an der Theke nonchalant einen McGangbang bestellt - und sofort wissen, was gewünscht wird.

Seinen Namen leiht der McGangbang von einer besonderen Form des Gruppensex mit einer deutlichen Überzahl männlicher Teilnehmer - auch der Burger fügt Elemente zusammen, die ursprünglich nicht für diese Konstellation vorgesehen waren: Rind und Huhn innig vereint. "Für manche Leute ist schon der Bestellvorgang ein subversiver Akt", schreibt Brion. Obendrein sei der Burger ein echtes Schnäppchen: Die Grundbestandteile Doppel-Cheeseburger und McChicken sind in den amerikanischen McDonald's-Restaurants günstig zu haben, und ein mächtiger Kombiburger kommt so auf einen Gesamtpreis von nur 2,16 Dollar.

Wer bereit ist, die Umschichtung fettiger Hackklopse als Statement mündiger Konsumenten zu deuten, kann den McGangbang als Beispiel für Brandhacking sehen. Das Markenlexikon versteht darunter die "spielerische Exploration von Markenprodukten durch Lead User beziehungsweise Extremnutzer in Form von Umcodierungen oder Zweckentfremdungen". Vereinfacht gesagt: Der Konsument kratzt an der Markenmacht, indem er Produkte auseinandernimmt und verändert wieder zusammenbaut. Ganz praktisch kann das bedeuten: Wer seinen Ikea-Schrank zu einem Gästebett umdesignt, macht ein Massenprodukt zu einem Unikat - und schlägt der Markenmacht ein Schnippchen.

Kreative Kunden nicht immer erwünscht

Nicht immer freuen sich die Unternehmen, wenn ihre Kunden selbst kreativ werden: Als ein deutscher Blogger nach dem Vorbild der malaysischen Seite "Ikea-Hacker" seine Möbelbasteleien im Internet präsentierte, wurde er vom Konzern prompt verwarnt. Auf den McGangbang reagiert McDonald's noch mit freundlicher Zurückhaltung. Man freue sich darüber, wenn die geschätzten Gäste das bestehende Speisenangebot nach eigenem Geschmack variieren, egal wie ausgefallen das Endergebnis sei, schreibt ein Firmensprecher auf Brions Seite.

Die Angestellten in den Restaurants reagierten dagegen mitunter durchaus ungehalten, berichten McGangbang-Veteranen. "Die Dame am Verkaufstresen wurde ziemlich wütend, als mein Freund einen McGangbang bestellte", schreibt Drew Scott in der Facebook-Gruppe "The McGangbang Lovers". "Allerdings dachte sie, er hätte einen ,McGagbag‘ geordert", einen McWürgetüte also. Auch Brandhacking hat seine Grenzen.

Von Anja Rünzel
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Nil.Jang (20.04.2009, 18:31 Uhr)
Sternengala
Schon seit Jahren kaufe ich den Stern und die Gala, klappe den Stern in der Mitte auseinander und drücke die Gala rein. Die lese ich dann, während es von außen aussieht, ich läse den Stern.
Das Ganze nennt sich "Sternengala". Findest du bei Youtube unter diesem Begriff. Alle mal reinschauen. Is'n cooler Trend.
mighty_bender (20.04.2009, 16:39 Uhr)
Ähem, Brezel...
...schon mal die Energiebilanz Deiner Posts überschlagen?
Cantaloupe_Island (20.04.2009, 14:21 Uhr)
Drollig
... wie ein so harmloser Artikel gleich zu mopsigen Kommentaren führen kann...
Selbst, wenn man das Zeug nicht essen möchte, weil einem bei der Vorstellung bereits übel wird, kann man doch ein gewisses Interesse daran haben, darüber zu lesen. Es ist ein Trend, ein "gesellschaftliches Phänomen" im Kleinen, wenn man so will. Wenn in 30 Jahren jemand eine Dokumentation über Trends und Lebensgewohnheiten dieses Jahrzehnts machen sollte, werden es solche Kleinigkeiten sein, die dann als Randbemerkung mit einfließen werden. Es gibt ja schließlich weitaus mehr als die WM und Mario Barth, wenngleich das wohl eher den Geschmack der Personen trifft, die sich über Banalitäten wie exotische Burgereigenbaus aufregen...
rued (20.04.2009, 13:03 Uhr)
langweilige Leute?
Ich finde die Kommentare hier schon richtiggehend unverschämt.
Was ich wann esse, ist jawohl immernoch mir selbst überlassen.
Ich koche zwar auch gerne selber und nehme dafür teilweise sogar !selbst im Garten angebauten Salat! und dennoch esse ich schonmal gerne bei McDonalds.
Zwar wenns hochkommt nur 1 mal im Monat, aber dann schon gut und gerne.
Ich finde so einen Cheeseburger zwischendurch eigentlich schonmal wirklich lecker.
Wenn der eine oder andere hier lieber zitternd und sich vor den fiesen Burgern fürchtend im Wohnzimmer hinter der Couch Schutz sucht, so kann er das gerne machen.
Ich persönlich fühle mich dadurch nicht gestört und werde das auch keinem zum Vorwurf machen.
Ich werde dann jetzt einfach mal mein Leben so weiterleben wie bisher und hoffe durch meinen Burgerkonsum niemanden mehr vor den Kopf zu stossen.
powdercat (20.04.2009, 13:00 Uhr)
In den 80er Jahren bestellte man...
... Harrisburger bei Burger King. Die damals noch meist US-Amerikanischen Angestellten hinterm Tresen fanden das gar nicht lustig.
Lou123 (20.04.2009, 12:07 Uhr)
@MisterBrezeldent
*Klatsch*
@Doc_D: Wenn ich mir jetzt noch anstatt der zweiten Hamburgerscheibe n Fischmac draufpack, hab ich dann den Zenit der Kreativität erreicht? Nächste Mal bin ich dann so richtig künstlerisch tätig und lass einfach die Brötchen weg. Wow...
Countryjoe (20.04.2009, 11:19 Uhr)
@Doc_D
So etwas als kreativ zu bezeichen ist ein Armutszeugnis sondergleichen.
MisterBrezeldent (20.04.2009, 11:07 Uhr)
Stimmt, @ToNovl...
... and here it comes - mein Mittelschweres Defizit: Ich kenne nur zu gut den Respekt, der aus tatsächlich "gewachsenen" Pflanzen für meine Ernährung und auch der Aufzucht und Tötung von Lebewesen für gleichen Zweck herrührt. Bei letzterem sind solche Begrifflichkeiten wie der einer "Artgerechten Haltung" leider zu Marketinginstrumenten einer sehr hilflosen Konsumgesellschaft verkommen, denen eben ein solcher Respekt vor dem Leben - ja, auch Pflanzen gegenüber - leider abhanden gekommen ist. Es besteht aber auch gar kein Interesse mehr, diesen in irgendeiner Form auch nur ansatzweise wiederzuerlangen. Statt dessen verlässt sich der - auch so ein toller Begriff - "Verbraucher" auf "Gütesiegel", "Zertifizierungen" und sonstigen Hokuspokus von irgendwelchen Lobbyisten der Industrie. Kennen Sie dazu vielleicht den Spruch: "Sag mir was Du isst und ich sag Dir wer Du bist"? Kennen Sie nicht? Hmmmm... Sagen wir mal so, lieber ToNovl - Wer diesen Respekt verloren hat und seine bewusste Ernährung samt dem Wissen um Herkunft der Dinge sowie deren Zubereitung aus seinem Bewusstsein "Outgesourct" hat, der ist eben ein Verbraucher. Der frisst Junk-Food, lebt ein "Secound-Life" in einer virtuellen Welt, und - verliert last not least, da er/sie auch schon den Respekt vor sich selbst verloren hat - den Respekt vor anderem Leben seiner eigenen Art. Und wenn es ein "Mittelschweres Defizit" ist, diesen Umstand nach der Erkenntnis desselben eben nicht klaglos und in fragwürdiger Toleranz unangemahnt hinnehmen zu können, dann lieber ToNovl, dann habe ich dies. Und ich stehe dazu!
manndernichtdaist (20.04.2009, 10:29 Uhr)
@Doc_D
ja, 3 Hamburger zu einem zusammenzulegen ist sowas von kreativ, da möchten sich am liebsten die Gebrüder Wright noch eine Scheibe Cheddar davon abschneiden.
Ich bin auch mal kreativ:
Whopper, kombiniert mit BigMac und obendrauf einen McRib.
Bin ich jetzt dein Held, Doc_D?
ToNovl (20.04.2009, 10:26 Uhr)
@ MisterBrezeldent
Wow beeidruckend, dass es tatsächlich "Menschen" gibt, die hier einen Bezug zu Killerspielen herstellen.
Die fehlende Lebensfreude kann ich nur bei Ihnen erkennen, denn wer andere ohne Grund nicht so leben lassen möchte wie es ihnen gefällt, muss doch ein mindestens mittelschweres Defizit auf irgendeiner Ebene haben!
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