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22. September 2010, 14:20 Uhr

Raucher, schleicht's euch!

"Klappt", sagen die Wiesenwirte, doch Raucher sehen das ganz anders: Das Rauchverbot auf dem Oktoberfest sorgt nach wie vor für Diskussionen. Während die einen sich über frischen Atem beim Busserln freuen, fühlen sich die anderen unterdrückt. Ein Stimmungsbericht aus den fast rauchfreien Bierzelten. Von Jens Maier

Oktoberfest, Wiesn, Rauchen, Rauchverbot, Nichtraucher, Qualm

Zwei Oktoberfestbesucher mit Zigarillo: Geraucht werden darf nur noch vor den Festzelten© Tobias Hase/DPA

Sascha ist stinksauer. So hatte er sich seinen Wiesn-Start nicht vorgestellt. Wütend redet der 27-Jährige auf die Ordner vor dem "Winzerer Fähndl"-Festzelt ein, das am Sonntagmorgen schon früh wegen Überfüllung geschlossen ist. "Aber ich war doch schon drin, ihr habt mich doch rauskommen sehn", ruft er mit erhobener Stimme. Doch die drei Sicherheitskräfte, die sich vor ihm postiert haben, wollen sich auf keine Diskussion einlassen. "Schleich di", bekommt Sascha zu hören. Er darf nicht wieder ins Zelt. Und das, obwohl er sich nur an das neue Rauchverbot auf dem Oktoberfest halten wollte.

Wer vor dem Festzelt eine Zigarette schmöken will, kann auf dem Rückweg eine böse Überraschung erleben. Vor allem am Wochenende, wenn die Festzelte schon früh am Morgen wegen Überfüllung abgeriegelt werden. Der Grund: Die Ordnungskräfte haben keine einheitliche Anweisung dafür, wie sie mit denjenigen umgehen sollen, die das Zelt nur für eine kurze Rauchpause verlassen wollen. Normalerweise gilt: Wer das Zelt verlässt, der muss sich am Haupteingang wieder anstellen. Aber sollte für Raucher nicht eine Ausnahme gemacht werden?

Rauchverbot gilt, wird aber kaum geahndet

Zum ersten Mal gilt in diesem Jahr in den Festzelten auf dem Oktoberfest ein generelles Rauchverbot. Die Mehrheit der bayrischen Bevölkerung hatte sich in einem Volksentscheid für ein strenges Nichtraucherschutzgesetz ausgesprochen, das Gaststätten, Bars und Festzelte einschließt. Zwar hätte es 2010 letztmalig eine Ausnahmeregelung für die Wiesn geben können, doch die Oktoberfestwirte einigten sich darauf, das Rauchverbot freiwillig umzusetzen.

Vor allem am späten Nachmittag, wenn der Drang nach einer Zigarette immer größer wird, zieht trotzdem Dunst durch die Festzelte. Obwohl niemand beim Rauchen zu sehen ist, kann man die Raucher an ihrer Haltung erkennen. Fast konspirativ wirkt es, wie die Nikotinliebhaber krampfhaft eine Hand unter den Biertisch halten, während der Kopf alle paar Sekunden nach unten geht, um am so versteckten Glimmstängel zu ziehen. Wer erwischt wird, bekommt von der Bedienung eine Ermahnung und im schlimmsten Fall kein Bier mehr. Harte Sanktionen wie einen Rauswurf haben Nichtraucher-Brecher nur selten zu befürchten.

Wirte-Sprecher Toni Roiderer ist trotzdem generell mit der Umsetzung des Rauchverbots zufrieden. "Natürlich gibt es ein paar schwarze Schafe unter den Gästen. Aber man darf nicht vergessen, dass es für uns das erste Mal ist. Und wir üben ja eigentlich nur, weil es für heuer ja sogar noch eine Ausnahmegenehmigung gegeben hätte. Da kann man nicht am ersten Tag nach vier Stunden Bilanz ziehen", sagt der Hackerzelt-Festwirt. Die neue Regelung müsse sich erst noch einspielen, im Grunde sei aber alles im "grünen Bereich".

Atemfrisches Bussi statt Aschenbecher

So sehen das offenbar auch die meisten Besucher. "Endlich stinken die Klamotten nicht mehr bestialisch nach Rauch", sagt Matthias, der es sich im Bräurosl-Festzelt gemütlich gemacht hat. "Und beim Busserln ist's auch von Vorteil. Wer will schon einen Aschenbecher küssen?", meint er. Und obwohl auch die Bräurosl an diesem Morgen hoffnungslos überfüllt ist, scheint es hier keine Probleme beim Wiedereinlass durch die Ordner zu geben. "Man muss halt nur vorher vernünftig mit denen reden", sagt einer der Raucher vor der Tür.

Sascha will lieber kein Risiko mehr eingehen. "Ich habe Verständnis für das Rauchverbot", sagt er, "aber dass ich am Ende dafür bestraft werde, wenn ich zum Rauchen nach draußen gehe, finde ich unverschämt." Es gebe nun mal im Zelt keine Möglichkeit zu rauchen, anders als an Flughäfen oder in Bahnhöfen, wo Raucherbereiche zur Verfügung stünden. Deshalb will er für die restliche Zeit seines Oktoberfestbesuchs heimlich auf der Toilette oder unter dem Tisch rauchen. "Ich bin nikotinsüchtig. Das ist nichts, was ich abstellen kann."

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Das müssen Sie übers Rauchverbot in der Schweiz wissen"

Von Jens Maier
 
 
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