Seine Schützlinge haben ihn fast zur Verzweiflung gebracht, doch heute Abend feiert TV-Koch Christian Rach in der letzten Folge seiner "Restaurantschule" die Eröffnung des Slowman. stern.de hat das Restaurant bereits getestet. Von Jens Maier

Den kenn' ich doch aus dem Fernsehen: Marco aus Berlin hat einen der Ausbildungsplätze im Slowman ergattert© Knud Eggers
Es scheint, als wären die Kameras gerade erst ausgegangen. Angelika stellt frische Speisen in den Kühltresen im Eingangsbereich, Nourddine plaudert im ersten Stock locker mit den Gästen, und Marco nimmt etwas verschüchtert eine Bestellung am Nebentisch auf. Alle drei sind Protagonisten der RTL-Fernsehshow "Rachs Restaurantschule". Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Meister selbst. Doch Christian Rach schaut nur noch ab und zu vorbei. Denn obwohl in seiner Sendung erst am Montagabend Eröffnung gefeiert wird, ist seine Arbeit längst getan.
Die Dreharbeiten zu der achtteiligen Doku-Soap, in der zwölf Kandidaten um einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag kämpfen, wurden im Sommer abgeschlossen. Bereits vor der Ausstrahlung der ersten Sendung am 30. August öffnete das Slowman, wie das neue Restaurant hinter der geschwungenen Backsteinfassade des Hamburger Chilehauses heißt, seine Pforten. Und obwohl auf der Mattscheibe noch gezimmert und geübt wird, scheint sich die klammheimliche Eröffnung in der Hansestadt rasend schnell herumgesprochen zu haben.
"Montag und Mittwoch geht nicht", sagt eine freundliche Stimme am Telefon. Am Freitag und Samstag sähe es noch schlechter aus. Nur Dienstag, da wäre noch was frei. Einen Tisch zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Fans und Neugierige pilgern in Scharen in die zweigeschossige Gaststube. Natürlich kommen sie, weil sie Hunger haben. Entweder um die Mittagsmenüs wie Schnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat für nur 5,60 Euro zu kosten, oder sich am Abend eines der kreativen Drei-Gänge-Menüs für 25 Euro schmecken zu lassen. Aber vor allem, um ihre Lieblinge aus dem Fernsehen wiederzusehen.
Den kenne ich, die auch, und huch, der kommt mir auch bekannt vor! Ein Besuch im Slowman ist so spannend wie ein Klassentreffen. Wen erkennt man wieder? Von wem wird man bedient? Und überhaupt, wer ist noch übrig von der Truppe aus zwölf Arbeitssuchenden zwischen 17 und 44, deren Kochbemühungen jeden Montagabend über den Bildschirm flimmerten? Die Augen der Gäste scannen jedes Gesicht. Erst dann wandern sie auf das Namensschild am Revers, das die meisten fragenden Blicke bestätigt: Wusst ich's doch, das Gesicht kam mir gleich bekannt vor.
Nach der Musterung folgt die Fragerunde. "War das alles echt in der Sendung oder inszeniert? Bist du jetzt fest angestellt? Wo ist Christian Rach?" Mehr als 15 Mal am Abend werde er auf die Sendung angesprochen, verrät Nourddine. Doch dem 17-Jährigen macht die ständige Fragerei nichts aus. Geduldig und mit einem verschmitzten Lächeln beantwortet er alle Fragen: "Nein, da war nix inszeniert, auch wenn ich's früher selbst kaum glauben wollte. Ja, ich bin jetzt fest angestellt. Und Rach schaut ab und zu mal rein und fragt nach, ansonsten hat er nichts mehr mit dem Restaurant zu tun."
Rachs Job war mit dem Ende der Sendung erledigt. Er ist weder Eigentümer noch Geschäftsführer noch Koch im Slowman. Und wer steht dann am Herd? Die Küchenchefs Frank Bertram und Hanno Hansch, die ebenfalls schon an der Fernsehshow mitgewirkt haben. An diesem Dienstagabend wäre Perfektionist Rach mit den beiden allerdings nicht zufrieden gewesen. Die Paprikasuppe aus dem Drei-Gänge-Menü "Aus'er Luft" war fast kalt, die als "kross gebraten" gepriesene Ente leider ziemlich zäh. Nur das Dessert "Schwarzwälder-Kirsch-Luft" schmeckte genau so, wie es der schöne Name vermuten ließ: himmlisch.
Die Küche könnte also noch ein paar Nachhilfestunden vertragen. Eines hat der Meister seinen Schützlingen aber offenbar eingebläut: Es sei wichtig, dass man seinen Job gerne mache, hatte er wieder und wieder gesagt. Den Menschen im Slowman merkt man an, dass sie das tun. Ob Nourddine, Marco oder Angelika, sie alle haben Spaß an ihrer Arbeit. Das spüren auch die Gäste - und hoffentlich bald auch der Gaumen.