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17. August 2008, 08:47 Uhr
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Schicke, grüne Dinger

Die New Yorker Promis haben ihren neuen Super-Snack: Edamame sind unreife Sojabohnen, knackig und kerngesund - und jetzt auch bei uns zu haben. Von Ulrike von Bülow und Klaudia Thal

Die Sojabohnen werden kurz gekocht und mit Meersalz serviert. Routiniers drücken die Bohnen mit den Zähnen aus der Hülse in den Mund© Hans Hansen

Ein japanisches Restaurant in SoHo, New York City, klein und dezent. Viel dunkles Holz gibt es hier und Lampenschirme aus zerknittertem Papier. Operndiva Cecilia Bartoli speist an einem Tisch, ihre glockige Stimme erhellt den Laden, während etwas weiter hinten der Starfotograf Mario Testino sitzt, der gern mit meist jungen und niemals hässlichen Männlein vorbeischaut. Während Richard Gere an diesem Abend leider nicht da ist. Es heißt, das Restaurant sei sein Lieblingsjapaner, aber man sollte den Namen nicht unbedingt nennen, denn die Schönen und Berühmten kommen her, weil sie hier ihre Ruhe haben. Weil draußen keine Paparazzi warten und sich drinnen kein Mensch dafür interessiert, wie sie auf diesen kleinen, grünen Dingern herumlutschen, die hier ein jeder ordert: Edamame. Oder, wie Amerikaner sagen: "Iiidähmäähhmie".

Edamame sind noch unreife Sojabohnen, die mitsamt Hülse fünf bis zehn Minuten in Salzwasser gekocht und dann, mit grobem Meersalz bestreut, verzehrt werden - man drückt dabei die Böhnchen mit den Zähnen aus der Hülle in den Mund. Geschmacklich sind Edamame der grünen Bohne nicht unähnlich, sie sind allerdings weicher, zarter und leisten keinerlei Widerstand beim Kauen. Und Amerikaner kauen die feinen Böhnchen neuerdings sehr, sehr gern. In New Yorker Restaurants gelten Edamame längst als hipper Naschkram der "very adorable people" mit Kleidergröße 34. Diese Frauen können sich an Edamame stundenlang festknabbern, ohne die Strichlinie zu gefährden. 100 Gramm haben gerade mal 125 Kaloriechen.

Cheng Nung, chinesischer Kaiser und Agrarfreund, wusste schon vor 5000 Jahren: Diese Bohne ist die Krönung - er sprach sie heilig. Seither sind Edamame ein Grundpfeiler der asiatischen Küche; in chinesischen Speiselokalen findet man sie in Gemüsegerichten, Suppen und Salaten, in japanischen Bars werden sie als Snack gereicht und mit Bier hinuntergespült - das gesunde Äquivalent zu Kartoffelchips.

Kostspielige Ernte

Ihr Proteingehalt entspricht dem von Fleisch und Eiern: Sie sind reich an Vitamin A und E, Calcium und Eisen, alles gut, um den Blutzucker- und Cholesterinspiegel zu senken. Und sie enthalten mächtig viel Isoflavon, ein östrogenähnliches Pflanzenhormon, das vor Osteoporose und bestimmten Krebsarten schützen soll. Von einem "wonder veggie", einem Wundergemüse, sprechen nun ehrfürchtig die Amerikaner, die ja so langsam von Burgerfrittenmilkshake- Junkies zu Healthfood-Jüngern mutieren - und konsequenterweise nun Edamame für sich entdecken.

Lange Zeit waren die Bohnen in den USA höchstens ein paar Freaks in Kalifornien bekannt. 1994 wurden sie von Tak Kimura, einem Lebensmittelhändler aus Kalifornien, erstmals in einem Ökoladen in Berkeley verkauft: fix und fertig gepalt, gekocht, in Beutelchen verpackt und tiefgekühlt. Drei Jahre später wurde in Huntington Beach die Firma "Seapoint Farms" gegründet, heute der größte Importeur gefrorener Edamame in den USA, der nun einen Bohnenboom erlebt. "Wir beliefern seit zehn Jahren Reformhäuser", sagt Laura Cross, Sprecherin der Firma, "doch seit eineinhalb Jahren explodieren unsere Verkaufszahlen." Auch in Deutschland und Österreich ist die Bohne bereits gelandet: Der Gefrierkost- Riese Iglo führt Edamame seit Januar im Programm.

Die Ernte allerdings gestaltet sich schwierig und kostspielig, denn Edamame wachsen an Büschen. Sie müssen per Hand und zwischen 99 und 120 Tagen nach ihrer Aussaat gepflückt werden. Entscheidend für den perfekten Geschmack ist der Zeitpunkt: Die Hülsen dürfen nicht ganz ausgereift, müssen geschlossen und von grüner Farbe sein, mit einem Flaum weißer bis hellbrauner Härchen. Die Früchte im Inneren dagegen sollen schon vollständig ausgebildet sein. Edamame verderben leicht, sie müssen schnellstmöglich bei null Grad gelagert werden und sind frisch nur fünf bis sieben Tage genießbar.

In New York kommt man an ihnen kaum noch vorbei. Man findet sie an den Ständen in Chinatown, büschelweise samt Stängel und Stiel in Zehn-Kilo-Kisten. Oder in den Kühlregalen der Supermärkte, hülsenfrei und "prewashed" im Ein-Pfund- Beutel zu drei Dollar. Und an der Madison Avenue hat das "Edamame Maternity Spa" eröffnet, eine Wellness-Oase für Schwangere. Die Botschaft: Auch das übergewichtige Muttertier soll sich wie ein "wonder veggie" fühlen - innen unreife Bohne, doch außen knackig und zart.

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Ausgabe 33/2008

Von Ulrike von Bülow und Klaudia Thal
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Freyja79 (17.08.2008, 13:38 Uhr)
@EricC.
Ich glaube, Sie vergessen die klitzekleine Kleinigkeit, dass ein Großteil des Sojas für Tierfutter angebaut wird und nicht etwa für die "bösen Sojafresser".
EricC. (17.08.2008, 05:59 Uhr)
mal abgesehen davon..
..das eine auf soja ausgelegte ernährung total ungesud ist, unterstützt jeder soja-fresser die ausbeutung der 3ten welt und die zerstörung des regenwaldes
läder wie die schweiz nötigen die indischen bauern soja für die zu ziehen.. während die eigene bevölkreug verhungert..
der regenwald wird abgeholtzt um riesige soja.plantagen zu errichten wobei der boden für zig andere produkte geeiget wäre nur für soja nicht..
ABER .. da der westmarkt es so will.. wird das dreckige spiel fröhlich weiterbetrieben..
Freyja79 (16.08.2008, 12:00 Uhr)
Gar nicht dumm....
Da ist Soja erst verschrien als uncooles Öko-Sandalettenträgerinnen-Futter, doch kaum erhöht man den Preis auf vermutlich das 100fache, ist es eine total hippe Mahlzeit für total hippe Menschen.
Ob das auch mit Rosenkohl funktioniert?
lazarus06 (16.08.2008, 11:05 Uhr)
Schikimicki,
für gelangweilte Besseresser.Die Dummheit stirbt nicht aus.Wie währ's mit gedämpftem Uhu im Schlafrock ;-)
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