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Was macht eigentlich ...
... Heike Drechsler?
© Berthold Steinhilber
Heike Drechsler, 43, im Stuttgarter Schlosspark
Die Ausnahmeathletin aus Thüringen - schon in der DDR ein
Star - gewann vor allem in den 90er Jahren so gut wie jeden
Weitsprungwettbewerb. Den deutschen Rekord hält sie noch.
Frau Drechsler, Sie ans Telefon zu
bekommen ist nicht leicht. Typisch
Rentnerin: nie Zeit …
Stimmt. Aber ich bin ja nicht wirklich
Rentnerin, sondern habe nur meine Karriere
als Leistungssportlerin beendet. Ich
arbeite jetzt für eine Krankenkasse im Präventionsbereich,
halte Vorträge zum Thema
Sport und Gesundheit. Außerdem betreue
ich die Aktion "Deutschland bewegt
sich" und leite an den Wochenenden oft
Nordic-Walking-Kurse. Und dann fördere
ich auch noch Schulprojekte. In Thüringen
gibt es zum Beispiel zwei Grundschulsportfeste,
die meinen Namen tragen.
Sitzen Sie auch einfach mal auf dem Sofa
und machen nichts?
Selten. Ich habe Hummeln im Hintern.
Auch jetzt habe ich schon wieder das Gefühl,
viel zu lange im Büro zu sitzen. Dann
denke ich immer, ich roste ein, und mir tut
plötzlich alles weh.
Zur Person
Heike Drechsler wurde am 16. Dezember 1964 in Gera geboren.
Nach dem Abitur machte sie eine Lehre als Feinmechanikerin,
studierte Pädagogik. Bereits mit 18 wurde sie Weitsprungweltmeisterin
- noch unter ihrem Mädchennamen Daute. Von 1986
bis 1998 holte sie bei jeder EM die Goldmedaille im Weitsprung,
bei Olympischen Spielen gewann sie zweimal Gold. Hocherfolgreich
war sie auch im Siebenkampf und über 200 Meter. 2004
beendete sie nach einem Wettkampf auf Tahiti ihre Laufbahn.
Drechsler ist geschieden, hat einen Sohn und lebt in Aachen.
Und was machen Sie dagegen?
Ich laufe. Inzwischen bin ich auf die Langstrecke
gewechselt. Ich renne etwa eine
Stunde, in einem recht flotten Tempo.
Und Ihre alte Paradedisziplin Weitsprung?
Hüpfen Sie noch ab und zu in die Sandgrube?
Manchmal. Wenn ich an Schulen bin, wollen
die Kinder mich springen sehen.
Wie weit kommen Sie noch?
Um die fünf Meter. Ich staune, dass es
noch so gut geht. Aber die Technik verlernt
man nicht. Doch die Weite ist egal. Ich will
Kindern den Spaß am Sport vermitteln.
Werden Sie sich
die Olympischen Spiele
anschauen?
Klar. Ich bin sogar in Peking
und unterstütze als
Mentorin die Beachvolleyballerinnen
Okka Rau
und Stephie Pohl sowie
die Rollstuhl-Tennisspielerin
Katharina Krüger.
Was ist die Aufgabe einer
Mentorin?
Ich stehe den Athleten beratend zur Seite,
im Umgang mit den Medien zum Beispiel,
gebe aber auch ganz persönliche Tipps.
Nach der Wende standen Sie unter Dopingverdacht
- und haben heftig dementiert.
Mein Leben wurde wesentlich vom politischen
System der DDR geprägt. Mit allen
guten, aber auch den schlechten Seiten. Ich
kann nur sagen, dass ich nie wissentlich
gedopt habe. Aber nach den Unterlagen
kann ich heute leider nicht mehr ausschließen,
dass ich von den Ärzten ohne mein
Zutun und Wissen mit illegalen Mitteln
behandelt wurde.
Was Sie lange ausgeschlossen haben.
Das war ein Fehler. Ich war damals überfordert.
Ich wusste nicht, was mit mir passierte,
weil ich selber viel zu tief in dem
ganzen System steckte. Ich habe daraus
gelernt und versuche heute aufzuklären.
Zudem habe ich meine Olympiasiege 1992
und 2000 ja unter den neuen Bedingungen
des Kontrollsystems und für die Bundesrepublik
Deutschland errungen.
Der Boxer Henry Maske hat es vorgemacht.
Schon mal an ein Comeback gedacht?
Meine Zeit ist vorbei. Ich hatte viele
schöne Momente und habe meine Karriere
ausgeschöpft. Jetzt ist es ein neues Leben,
und ich freue mich über die Dinge, die
passieren.
Da gibt es einiges. Sie haben sich vor Kurzem
von ihrem Lebensgefährten, dem früheren
Zehnkämpfer Alain Blondel, getrennt.
Ja. Man verändert sich eben. Irgendwann
haben wir gemerkt, dass wir nicht mehr
denselben Weg haben. Dann ist es besser,
sich zu trennen. Das ist auch im Guten erfolgt.
Jetzt kann jeder seine Ziele verfolgen.
Klar, das ist im ersten Moment schmerzlich,
aber mir geht es gut. Auch privat.
Heißt das, es gibt einen neuen Mann?
So ist es. Er kommt nicht aus dem Sport,
und das ist auch gut. So bekommt man
einen anderen Blickwinkel und ganz neue
Impulse für das Leben.
Interview: Andrea Kraft
stern-Artikel aus Heft 32/2008
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