Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Das Hermansdenkmal

Steile Thesen und alte Hüte vereinte Eva Herman in ihrem Buch "Das Eva-Prinzip". Mit der Forderung "Frauen zurück an den Herd" strebte die Ex-Tagesschausprecherin von der Mattscheibe in die Bücherregale.

Von Ulrike Posche

Manche kommen schon auf die Idee, es könnte etwas in den Tapeten des NDR sein. PVC, Asbest, Prozac, irgendwas. Denn nach Dagmar Berghoff (Marlene-Fotos), nach Susan Stahnke (Straps-Fotos) und nach Jens Riewa (Sex-Beichte) strebte auch die Tagesschausprecherin Eva Herman nach Höherem. Nach mehr als einem Hochseilakt auf dem Motorrad bei "Stars in der Manege". Denn das hatte sie schon.

Mit einem Sachbuch ("Das Eva-Prinzip - für eine neue Weiblichkeit"), das alte Hüte und steile Thesen vereint, versucht sich die blonde Ostfriesin nun als Gesellschafts-Theoretikerin, Teilzeit-Soziologin und Verhaltens-Forscherin. Frank Schirrmacher war gestern. Nun soll an Evas Wesen ganz Deutschland genesen.

Evas Vorbilder

Von Konrad Lorenz und seinen Graugänsen über Karl Marx und seinem Irrglauben bis zum Dalai Lama verwurstet sie, was man in solchen Büchern gut verwursten kann. Dazu ein bisschen Provokation, ein paar Alltagsbeobachtungen aus dem Freundeskreis, ein Schlag gegen den Mainstream. So machen es die amerikanischen Bestsellerautoren, so macht es jeder, der sich mit Marketing und PR auskennt.

Vor allem die New Yorker Journalistin Caitlin Flanagan hat es so in einem Artikel gemacht, der vor drei Jahren in "Atlantic Monthly" erschien, und im Frühjahr zu einem Buch ("To Hell with all That") verarbeitet wurde. Die Frau habe viel verloren, sagt Flanagan, "der Kern war, dass es wertvoller ist, ein Heim für einen Mann zu schaffen und seine Kinder aufzuziehen, als im Beruf Erfolg zu haben." What a coincidence! Die Frau habe viel verloren, schreibt ganz ähnlich auch Frau Herman, denn sie sei viel mehr "dafür bestimmt, Schutzräume zu entwickeln, ein Zuhause zu schaffen, das Heimat bietet, Zuflucht und Frieden."

Werden wir aussterben?

Harald Schmidt meint: "Für mich ist Eva Herman jemand, die schreibt, wie Simone de Beauvoir geschrieben hätte, wenn sie nicht unter den negativen Einfluss von Sartre geraten wäre." Bei Herman, die laut Schmidt über "rasierklingenscharfe Intelligenz" verfüge, mag das auch daran liegen, dass ihr die Cicero-Redakteurin und Honorarprofessorin Christine Eichel beim Schreiben half. Eichel führte zuvor übrigens dem Star-Frisör Gerhard Meir beim Verfertigen seiner Romane die Feder.

Im "Eva-Prinzip" hat sich die Autorin mit den Theorien anderer und eigenen Folgerungen die Lufthoheit über den Küchentischen erobert: "Werden wir aussterben, wird unser Land in wenigen hundert Jahren brachliegen?", fragt Frau Eva und hat die Antwort gleich parat. Ja, weil "die Frauen vergessen haben, welches Glück und welche Befriedigung es bedeutet, Kinder zu haben." Ach ja?

Micro-Mini statt Nadelstreifen

Die Menschen im Osten sind beziehungsgestört? Kein Wunder, die sind ja auch in Krippen aufgewachsen. Männer und Frauen sind unterschiedlich? Kein Wunder: "Der Bereich von Schläfen und Stirnlappen, ist bei beiden Geschlechtern unterschiedlich organisiert." Wir haben unsere Weiblichkeit verloren? Kein Wunder: "Wir marschieren im Nadelstreifen durch eine kühle Männerwelt und unterdrücken unsere Gefühle." Wir???

Vor Monaten saß Eva Herman einmal am Kölner Flughafen und wartete auf die Abendmaschine nach Hamburg. In pinkfarbenem Micro-Mini und Stiefeln, die bis übers Knie gingen. Das war alles andere als Nadelstreifen. Manche Männer nutzten gleich die Gelegenheit, um sich Autogramme geben zu lassen, oder sie fotografierten das Endvierziger-Girlie heimlich mit dem Handy.

Klingt, wie Arno Breker bildhauert

Eva Herman hat ein Buch geschrieben. "Soll sie doch!" könnte man sagen. Doch das, was sie schreibt, bringt viele auf die Palme. Sogar manche ihrer eigenen Kolleginnen fühlen sich beleidigt. Dass es in Deutschland bis heute schwer ist, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen – und zwar so, dass weder Kinder, noch Beruf leiden, ist eine Tatsache. Dass manche Karrieren immer noch beendet sind, wenn das Kind kommt, ist ebenso wahr. Und dass viele glückliche Top-Jobberinnen deshalb keine Kinder haben, weil sie ihn sonst los wären – unbestritten. Ausgerechnet die ehrgeizige Frau Herman aber zieht nun daraus den Schluss: Das mit der Karriere ist gar nicht so doll. Ein Irrtum der Geschichte, bleibt lieber Zuhause. Ja, mei. Was für ein Kappes! In Frankreich nimmt die Zahl der berufstätigen Mütter zu. Und die der Kinder auch.

Aber es ist ja oft so, dass Menschen im Alter radikaler werden, auch konservativer. Zuhause meistens, im kleinen Kreis. Medienprofi Herman indes lässt uns alle daran teilhaben, wie sie mit ihren "schönen Lebenslügen" aufräumt: "Wir verbrachten Jahrzehnte damit, den leeren Versprechungen der Emanzipation hinterherzulaufen", lautete ihre Kernthese, "wir waren der irrigen Ansicht, dass wir unsere Würde verlieren, wenn wir Kinder bekommen und uns selbst um sie kümmern. Und wir sahen im Mann, den die Schöpfung als natürliche Ergänzung, als Bereicherung und Stärkung der Frau vorsah, nur noch den Feind, der uns versklaven will." Das klingt manchmal so, wie Arno Breker bildhauert.

Im Liebeskarussell

Eva Feldker wird am deutschesten aller Schicksalstage in Emden geboren, am 9. November 1958. Die Eltern betreiben ein Hotel im Harz. Als sie sechs ist, stirbt der Vater. Sie und ihre Geschwister müssen mithelfen. Disco ist nicht. Nach der Mittleren Reife macht sie eine Lehre als Hotelkauffrau, dann zieht es sie nach München, wo sie in Kneipen jobbt und den Autohändler Werner Herrmann heiratet. Aber eigentlich will sie Fernsehansagerin werden. Und das wird sie dann auch, mit blonder Hartnäckigkeit und dem mokanten Kräuseln auf der Oberlippe, mit dem sie später zur beliebtesten Tagesschausprecherin wird.

Inzwischen nämlich hat sie Herrn Herrmann, ein "r" und auch ein "n" abgelegt und den NDR-Talkshow-Mann Horst Wolfgang Bremke geheiratet. Mit dem bringt sie es allerdings nur auf 15 Monate Ehe. Danach ist Herman NDR-Star. Eva, die "Motobiene", hat sich nun in den Hörfunk-Kollegen und HSV-Stadionsprecher Uwe Bahn verliebt. Nach vier Jahren: wieder Sense. Jetzt aber, habe sie den Richtigen geheiratet, jubelt sie kurz darauf: Tom Ockers, einen Kollegen, die Nummer drei. Als sie 38 ist, kommt das gemeinsame Kind auf die Welt. Eva fährt Porsche und Käfer-Cabrio, er läuft Marathon in Sibirien. Kurz drauf zieht er aus und sie schreibt einen autobiografischen Roman über ihr Trennungsleid: "Und dann kamst Du".

Anders als die anderen Sprecherinnen

Schon damals hätte sie mancher NDR-Obere am liebsten "abgeschossen" - zu viele Details aus ARD-aktuell seien darin verballert. Allein ihre Beliebtheit rettete sie damals angeblich vor dem Rausschmiss. Evi sieht nun mal ein bisschen sexier, ironischer, besser aus, als die anderen - auch wenn sie pinkfarbene Jäckchen für guten Geschmack hält.

Typisch Eva. Als sie wieder einmal einen "Richtigen" kennenlernt, den Hotelbesitzer Michael Bischoff, posiert sie mit ihm als Jeansmädchen in einem People-Magazin. Kurz darauf lernt sie "übers Stillen" – wie es heißt – den angeblichen Millionär Ernst Langner kennen und posiert wieder. Diesmal auf dem Flugfeld mit Jack Russell Terrier an der Leine, diesmal mit Privatflieger und Kostüm. Diesmal ist es Liebe! Vier Monate lang. Im Dezember 2005 heiratet sie dann doch lieber Michael Bischoff. Hermans Sohn ist jetzt fast zehn. Und endlich ist Mama Eva auf etwas gekommen: Wir brauchen "eine neue gesellschaftliche Aufbruchstimmung, mit der die Familie wieder einen zentralen Platz erhält."

Ein Denkmal auf Papier

Die Fernsehmoderatorin Eva Herman wollte eine Art Hermansdenkmal zu Papier bringen, mit Schläfen- und Stirnlappen. Das ist ihr gelungen. Schwamm drüber.

Man kann dennoch froh sein, dass sie sich nicht das große Feld der Außenpolitik ausgesucht hat - wir wären wahrscheinlich mitten im Krieg. Aber möglicherweise arbeitet sie mit Christine Eichel längst am Nachfolgewerk: "Das Herman-Prinzip - was wir tun können, wenn die anderen frech werden". Und womöglich wird sie dann Ehrendoktor der Uni Princeton. EhrendoktorIn natürlich. Man ist ja Weib!

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools