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"Ich habe Bushido als intelligent wahrgenommen"

Der CDU-Bundestagabgeordnete Christian von Stetten erklärt im Interview mit stern.de, weshalb er Bushido als Praktikanten einstellte und was die CDU von dem vorbestraften Rapper lernen kann.

  Bushido (r.) kehrte dem Rapperdasein eine Woche den Rücken und hospitierte bei Christian von Stetten im Deutschen Bundestag

Bushido (r.) kehrte dem Rapperdasein eine Woche den Rücken und hospitierte bei Christian von Stetten im Deutschen Bundestag

Herr von Stetten, Sie als erfolgreicher Unternehmer, Schlossbesitzer und CDU-Abgeordneter stellen einen vorbestraften Rapper, der frauen- und schwulenfeindliche Gewaltlieder veröffentlicht hat, als Praktikanten ein. Wie haben Sie zu Bushido und Bushido zu Ihnen gefunden?

Wir haben uns durch einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt und uns da über Politik unterhalten. Er hat sich dabei sehr interessiert gezeigt und mehrfach gesagt, er wolle in die Kommunalpolitik gehen. Darum ich habe ihm angeboten, bei mir ein Praktikum zu machen. Er hat mir im Gegenzug einen guten Einblick in die deutsche Rapper- und Jugendszene gegeben, die ich als Hohenloher Abgeordneter bisher nicht kannte. Wenn wir als Politiker es wirklich ernst damit meinen, dass wir keinen Jugendlichen verloren geben dürfen, dann müssen wir auch in einen Dialog mit Idolen dieser Szene treten.

Der Mann singt nicht eben für die CDU. Kostprobe: "Das ist nicht Weihnachten, wir werden jetzt eure Häuser verbrennen." Was löst das in Ihnen aus?

Der Mann ist ein Rapper mit einem bestimmten kulturellen Hintergrund, der in seiner Karriere auch durch provokante Texte aufgefallen ist. Mir ist klar, dass während einer Woche Praktikum in meinem Abgeordnetenbüro aus einem Rapper kein Klosterschüler wird. Das war auch nicht beabsichtigt. Bushido soll ein Rapper bleiben. Wichtig ist, dass wir den Dialog aufgenommen haben und uns auch weiterhin über Probleme der Musik- und Jugendszene austauschen.

Vor seinem Antritt als Praktikant, hat Bushido in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, dass er gerne mal mit der Kanzlerin schlafen würde. Haben Sie darüber mal mit ihm gesprochen?

Ich habe das Interview in der FAS nicht gelesen. Aber auch wenn er solche Dinge sagt, darf man das nicht für bare Münzen nehmen. Ich habe den Künstler als intelligent wahrgenommen. Und er steht mit beiden Beinen im Leben, hat kürzlich geheiratet, ist bürgerlicher geworden und wird bald Vater.

Was war Ihr Eindruck: Kann der Mann Kaffee kochen? Fotokopieren? Mehrheiten organisieren?

Bushido war ein Praktikant wie jeder andere auch: Er war für vorbereitende Arbeiten im Büro zuständig, konnte an Ausschusssitzungen und Hintergrundgesprächen mit Politikern verschiedener Fraktionen teilnehmen und war bei der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin dabei. Er zeigte sich sehr interessiert, den Alltag eines Politikers während einer Woche zu erleben. Interessant waren vor allem die Gespräche mit dem Künstler über Themen wie Urheberrecht, Gema und Künstlersozialversicherungen.

Bushido will regieren wie "Der Pate" und eine eigene Partei gründen. Auch weil er Parteipolitiker so hässlich findet. Fühlen Sie sich als ehemaliger "Mister Bundestag" geschmeichelt, weil Sie seinen ästhetischen Vorstellungen entsprechen?

Ich wusste nicht, dass er das gesagt hat - er hat mir gegenüber auch nichts dergleichen erwähnt. Aber wichtig ist doch, dass sich junge Menschen für Politik interessieren und dieses Interesse auch weitergeben. Ich bin mir sicher, das Praktikum hat sich gelohnt. Bushido hat von uns einen Einblick in die Arbeit des Deutschen Bundestages und wir haben von ihm wichtige Anregungen für zukünftige politische Entscheidungen erhalten.

Nach Bushido - was und vor allem: wer kann jetzt noch kommen?

Jedes Jahr gebe ich 50 bis 60 Praktikanten im Jahr die Möglichkeit, die Arbeit im Bundestag etwas näher kennen zu lernen. Da begleiten mich neben Schülern und Studenten immer auch wieder Unternehmer und Künstler. Meist laufen die Vorbereitungen auf das Praktikum ohne großes mediales Interesse. Dies war auch anfänglich beim Praktikanten Bushido der Fall. Nächste Woche kommt übrigens ein 19-jähriges Mädchen.

Interview: Tobias Ochsenbein
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