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27. Juli 2008, 08:25 Uhr

Madame Pompadour

Carla Bruni und Nicolas Sarkozy in Paris auf dem Weg zu einer Gartenparty anlässlich des französischen Nationalfeiertages© Julien M. Hekimian/Getty Images

Des Weiteren der Verleger und Philosoph Jean-Paul Enthoven, den sie vor acht Jahren, während einiger Ferienwochen in einem Palast in Marrakesch, eintauschte gegen dessen Sohn Raphaël, damals verheiratet mit Justine, Tochter des Palastbesitzers und Star-Denkers Bernard-Henri Lévy. Das Ergebnis dieses konfusen Urlaubs: Raphaël und Carla wurde 2001 ein Sohn geboren, Aurélien mit Namen; drei Jahre später brachte Justine Lévy den Roman "Nicht so tragisch" zur Welt, darin sie Bruni als verlogenen, heimtückischen und von plastischen Chirurgen komplett rekonstruierten "Terminator" beschreibt.

Das haben die Franzosen bisher noch nicht erlebt

Doch all das ist Schnee von gestern, wie auch Brunis Bemerkung über die defizitären französischen Liebhaber. Offenbar kann der 53-jährige Sarkozy Kunststücke, die seine Vorgänger nicht beherrschten; zumindest wissen wir, dass er Dinge hat, über die nur wenige verfügen, nämlich Atomwaffen. Sie indes gibt vor, Frankreichs Top Gun hauptsächlich wegen seiner Intelligenz geheiratet zu haben. Im Kopf ihres Gatten, in dem die meisten Franzosen längst nur noch eine Wüste wähnen, hat la Bruni "fünf oder sechs Gehirne" geortet, die allesamt "bemerkenswert durchblutet sind".

Ebenfalls vorbei scheinen die Zeiten der Polygamie zu sein. "Ich werde bis zu meinem Tod seine Frau bleiben", haucht Carla mittlerweile und lässt sich im Élysée- Palast mal zu Füßen ihres Gatten, mal auf seinem Schoß, mal umschlungen und turtelnd mit dem Präsidenten ablichten. Als Hoffotograf dient ihr dabei häufig der notorische Paparazzo Pascal Rostain, den sie so unschädlich gemacht hat - eine Taktik, die sie sich vermutlich von ihrem Mann abgeguckt hat, der nach seiner Wahl die französischen Linken ausschaltete, indem er etliche von ihnen in seine Regierung holte. Mittels sorgfältig inszenierter Home- Storys sorgt das Paar dafür, dass die Nation weiß: Er nennt sie kosend "Carlita" oder "mon ange", mein Engel; sie gurrt ihn an mit "mon amour".

Derlei haben die Franzosen bisher noch nicht erlebt. Eine planetare Premiere dürfte die Versteigerung eines Nacktbilds der First Lady bei Christie‘s für 91.000 Dollar sowie die Tatsache, dass es eine neue CD von ihr gibt - eine recht ordentliche Chanson-Pop-Platte mit dem irgendwie lustigen Titel "Comme si de rien n‘était", "Als wäre nichts gewesen".

Denn schon längst ist allerlei passiert. Als ruchbar wurde, dass la Bruni neben Poemen von René Char sowie Michel Houellebecq mit ihrer sinnlich verschleierten Stimme auch eigene Texte unnachahmlich schön stöhnt, so zum Beispiel das Lied: "Tu es ma came", "Du bist meine Droge", darin sie ihren Liebhaber mit Kokain vergleicht - "Du bist gefährlicher als die kolumbianische Weiße" -, meldete sich der Außenminister des südamerikanischen Staates zu Wort und tat kund: "Da dies aus dem Mund der Frau des Präsidenten kommt, empfinden wir dies als sehr schmerzhaft für Kolumbien." Die Zeile "Du bist tödlicher als afghanisches Heroin" scheint dagegen bisher nicht bis an den Hindukusch vorgedrungen zu sein. Offenbar sind die Afghanen derzeit mit anderen Dingen beschäftigt.

Die "Sarko-Show"

Immerhin wurde Brunis Plattenlabel an der Heimatfront aktiv: Selbstverständlich käme der Erlös aus dem Verkauf der CD aufs Konto karitativer Organisationen, und nein, Frau Bruni werde nicht live auftreten. Um die Franzosen davon abzuhalten, ihren unablässig knatternden Duracell- Häschen-Präsidenten auch noch für eine tödliche Droge zu halten, wurde eilends versichert, der Song sei vor zwei Jahren geschrieben worden, so wie "95 Prozent der anderen Lieder auch". So rätselt die Nation jetzt darüber, wer mit dem Koks gemeint ist; die Liste, siehe oben, ist lang.

Das alles komme davon, "wenn man Politik und Kunst vermischt", beschied Kolumbiens Außenminister dem Pariser Paar. Ach, wären es doch nur Politik und Kunst! Seit Sarkozy im Mai vergangenen Jahres triumphal zum Präsidenten gewählt wurde, verbreitet sich in Frankreich alles zu einem bizarren Pudding aus Telenovela und lustigem Musikantenstadl, und wer abends den Fernseher einschaltet, kann nie ganz sicher sein, ob er gerade "Desperate Housewives" oder einen Nachrichtenkanal guckt. Frankreich ist zu Monaco mutiert. Längst ist an der Seine eine Nostalgie nach der Zeit ausgebrochen, als der Élysée- Palast noch eine geschlechtslose Zone war, dessen Bewohner so taten, als seien sie per Zellteilung zu ihren Kindern gekommen. Bisher galt: Die Präsidenten betreiben Politik und haben Affären, die Frauen widmen sich diskret den Siechen, den Entrechteten sowie den schönen Künsten.

Nicht so Cécilia, Sarkozys Zweit- und Ex-Frau und Carlas unmittelbare Vorgängerin. In den fünf Monaten, in denen sie "première dame de France" war, widmete sie sich hauptsächlich sich selbst, und das nicht eben diskret. Die schrägäugige Kapriziöse, die sich nicht einmal dazu aufraffen konnte, für ihren Mann zu stimmen, sorgte mit ihren Eskapaden maßgeblich dafür, dass die Präsidentschaft ihres Turbo- Gatten in Windeseile zu einer Dauer- Soap degenerierte. Der hatte den Franzosen die "rupture" versprochen, den radikalen Bruch mit der Vergangenheit; sie konnten nicht ahnen, dass diese Politik hauptsächlich aus einer egomanischen "Sarko-Show" bestehen würde.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 30/2008

 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Franzoesin (27.07.2008, 19:29 Uhr)
First Lady ?
Sowas haben vielleicht die Amis und deren Anhängsel - in Frankreich haben wir nur eine "Première Dame " !!
Livia008 (27.07.2008, 13:11 Uhr)
Die Saure-Gurken-Zeit ist da!
wenigstens darauf ist Verlaß: an der medialen Berichterstattung sieht man, wann Sommer ist :-)
hannes_schinder (27.07.2008, 12:04 Uhr)
Sarkozy
wurde zum Präsidenten erwählt, nicht seine Lebenspartnerin!
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