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12. Mai 2007, 08:19 Uhr

"Es gibt zwei Bohlen"

Da waren es noch vier: Max Buskohl (2.v.l.) stieg bei DSDS aus, Lisa Bund wurde rausgewählt, im Finale standen Mark Medlock (l.) und Martin Stosch© Gregorowius/RTL

Ihr Aha-Erlebnis war also, dass man mit wenig Aufwand viel Erfolg haben kann?

Nein. Dass man mit der richtigen Musik das Publikum begeistern kann. Ich wollte immer, und dazu stehe ich bis heute, dass die Leute interessiert, was ich mache.

Einer Ihrer Jugendfreunde, mit dem wir sprachen, bescheinigt Ihnen eine große Begabung: "Der Dieter konnte Stücke, die er hörte, falsch nachspielen. Daraus entstanden neue Lieder, die sich anhörten wie Deep Purple oder Uriah Heep". Korrekt?

Das ist völlig falsch. Ich stand auf Hardrock, Uriah Heep, Santana, ich hab dann versucht, ähnliche Nummern zu schreiben, so war das. Eine Zeit lang habe ich mich auch mal an Smokie orientiert. Irgendwann stand dann Chris Norman, der Sänger von Smokie, selber bei mir vorm Mikrofon.

Den haben Sie in den Achtzigern produziert.

Ich hab seine erste Solo-Nummer mit ihm aufgenommen, "Midnight Lady", und wir waren sechs Wochen Nummer eins. Früher habe ich auch Titel von Engelbert gesungen, später stand auch der bei mir im Studio, und wir haben ein Hyper-Gold-Album gemacht. Guck mal, Bonnie Tyler, Al Martino, Dionne Warwick, wie sie alle heißen, die mussten meine Texte singen - englische Texte von einem Deutschen!

War das hart für die?

Ach was. Dionne Warwick stand mit mir im Studio und hat nicht einmal gemuckt. Die hat den Text so durchgesungen und gesagt: Dieter, hammermäßig ...

... "hammermäßig" hat sie gesagt?

Like a Hammer! (lacht)

Wenn man so viel auf Englisch komponiert, lässt es sich wohl nicht vermeiden, dass eine Textzeile oder ein Songtitel schon mal anderweitig verwendet wurde. Ein Stück von Modern Talking hieß "Brother Louie" ...

... so hieß auch schon eins von Hot Chocolate. Es war fast alles schon mal da. Außer "Geronimo’s Cadillac"! Mir war immer wichtiger, dass es schöne Worte sind, als dass da ein ganz toller Text bei rauskommt. Das muss wie Butter runtergehen. Wenn wir statt "You’re My Heart, You’re My Soul" so was wie "Nuclear Cheese Pieces" gesungen hätten, wäre es kein Hit geworden.

Bohlen auf der Bühne - ist die Zeit vorbei?

Ich war ja im Dezember in Moskau, da haben wir vor 32 000 Menschen gespielt. Die freuen sich einfach, wenn sie "You’re My Heart, You’re My Soul" hören. Und zweimal im Jahr ertrage ich das auch. Wenn ich hier in Hamburg spielen würde, kämen vielleicht 3000 Leute, das lasse ich lieber. Aber dort macht das echt Spaß.

Singen Sie live?

Ja, klar.

Vor ein paar Jahren haben drei Musiker behauptet, sie seien die hohen Stimmen von Modern Talking gewesen, und Dieter Bohlen habe keinen Ton gesungen.

Die hatten im Chor gesungen. Ich auch. Ich habe, als diese Vorwürfe aufkamen, einem unabhängigen Gremium vorgesungen und bewiesen: Das war meine Stimme.

Warum haben die drei trotzdem nachträglich Geld bekommen, jeder 100 000 Mark?

Die Plattenfirma hatte ja mit Modern Talking schon Millionen verdient und wollte einfach ihre Ruhe haben. Das hätten die nicht machen müssen, das war reine Wohltätigkeit. Ich hätte es nicht getan.

Herr Bohlen, Ihr Vater ließ sich einst für Ihren Wunsch, Musiker zu werden, nicht begeistern. Sein Kommentar: "Irgendwann komme ich mit meinen Freunden zum Bahnhof, und da stehst du mit dem Hut." Hat er sich für diese Fehleinschätzung später entschuldigt?

Quatsch, das muss er nicht. Was der alte Bohlen, mein Papa, da zu mir gesagt hat, ist ja nix anderes als das, was ich heute den Kandidaten bei DSDS erzähle. Er wollte mich abschrecken: Willst du wirklich Musik machen, willst du dieses Risiko eingehen? Oder willst du nicht doch ins Geschäft, in unsere Straßenbaufirma, da bist du finanziell auf der sicheren Seite? Er fragt mich übrigens heute noch, ob ich mit meinem Geld auskomme!

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2007

 
 
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