
Die Models Melory (l) und Dagmara trinken einen "Cock O'lada", Geschmacksrichtung Eierlikör© Marcus Brandt/DDP
Neben nackten Frauen präsentiert die Venus aber auch Gebrauchsgegenstände: Besucher können auf erotischen Möbeln Probesitzen, sich über neue Sexkino-Kabinentechniken informieren oder Handy-Pornos bestaunen. Richtig interessant wird bei den Sexspielzeugen: Die kunstvoll bemalten und mitunter sehr ungewöhnlich geformten Glasdildos kenne ich bereits aus dem letzten Jahr. Dieses Mal kommen Granitdildos der Firma Cempel Imports hinzu. Die ganz aus Stein gearbeiteten Kunstpenisse wecken zunächst mein Misstrauen, doch die Verkäufer wissen, wo der besondere Vorteil liegt. "Einmal angewärmt, behalten die Dildos ihre Temperatur und fühlen sich ganz angenehm an", erklärt Torsten Cempel. Stimmt, überhaupt nicht wie ein Stein. Trotzdem möchte ich nicht, dass mir ein solcher Steinbolide auf den Fuß fällt.
Das absolute Messe-Highlight sind sicherlich die „Screaming O“s Goodies der amerikanischen Firma Bushman Products. Dabei handelt es sich um kleine Ringe aus Gummi, die beim Sex über den Penis gezogen werden. Auf ihnen sitzt ein winziger Vibrator, der sich ein- und ausschalten lässt. Das soll beim Verkehr für ein exstatisches Vergnügen sorgen. Justin Ross sagt: "Unser Produkt ist die absolute Nummer 1 in allen amerikanischen Sexgeschäften." Den Aufsatz mit Vibrationsei gibt es in einer Einmalversion, die nach dem Einschalten 30 Minuten lang ohne Pause sirrt und summt. Profis nutzen lieber den Big O, der ackert doppelt so lange und lässt sich zwischendurch auch ausschalten.
Richtig erstaunt bin ich über den tantraBeam. Dieses Gerät wird mit einer Manschette um das Armgelenk geschnallt, von dort aus führt ein Kabel zu einem schmalen Fingeraufsatz. Als die Verkäuferin mit dem tantraBeam ein Infoblatt anfasst, das ich in den Händen halte, spüre ich die Vibration in meinen Händen. Der Wahnsinn. Das Gerät bringt alles zum Vibrieren, ohne dass man es sieht. Die Verkäuferin schaut mich mit festem Blick an: "Ich kann dir genau ansehen, was du jetzt gerade denkst."
Wer glaubt, bei Vibratoren und Dildos schon alles gesehen zu haben, kennt noch nicht die bunten Silikon-Spielzeuge der Fun Factory. In diesem Unternehmen haben zwar die Frauen das Sagen, der Designer ist aber ein Mann. Und der hat den Tuschkasten kräftig ausgereizt und präsentiert gestreckte Delfine, Maulwürfe und in Silikon gegossene Sternbilder in bunten Farben, die per Knopfdruck zu summen anfangen. Und weil Silikon ein schönes, hautverträgliches und immer handwarmes Material ist, hat es auch seinen Preis. Richtig gut verkaufen sich kleine Vibratoren, Juliane Bessner weiß auch, warum: "Die passen in jede Handtasche."
Neben "Fun Factory" versucht auch die amerikanische Firma "Big Teaze Toys" unverkrampften Spaß ins Schlafzimmer zu bringen. Sie präsentiert wasserfeste Badeenten, die in jedes Badezimmer passen und per Knopfdruck vibrieren. Damit dürften sie die ersten Vibratoren sein, die man auch einmal offen liegenlassen kann. Neben den Entchen vibrieren auch Sonnenblumen, wackeln grüne Raupen und schütteln sich Lollis.
Gedrängelt wird auch am Stand von Boom!. Kein Wunder, gibt es hier doch das rezeptfreie Kräuteräquivalent zum teuren Viagra. "Wer Boom! nicht kennt, hat den besten Sex verpennt", heißt es an der Wand und drei Mädels grinsen dazu um die Wette. Das Pulver sieht aus und schmeckt wie Kakao und gilt als Scharfmacher für sie und ihn. "Pornostar Conny Dachs hat es schon getestet - und meinte, es wäre ein echt tolles Zeug", preist der Verkäufer das Gemisch an. Und er raunt mir zu, dass er Boom! selbst nimmt, zwei Mal die Woche.
Auf dem Weg zu weiteren Neuheiten komme ich an einem Stand vorbei, der für die Wunder der Schönheitschirurgie wirbt. Drei Damen zeigen mit ihrem üppigen Busen die Nachher-Variante einer erfolgreichen Vergrößerung. Ein Messebesucher staunt und wird auch gleich angesprochen: "Hier, fühl doch mal. Das fasst sich absolut an wie echte Titten." Dem scheint es zwar zu gefallen, aber das mit dem Testen traut er sich nicht.
An anderen Ständen sehe ich hauchzarte Dessous, Krankenschwester-Outfits mit passenden Klistieren, dicke Peitschen und immer wieder Lack und Leder. Manchmal ist die Ware erstklassig, aber bei der Präsentation mangelt es noch an der nötigen Professionalität. An einem Stand für hochwertige Lack- und Leder-Fetischware stehen ein langhaariger Hühne und seine Freundin. Beide sind in ihre eigenen Produkte gehüllt, einen Katalog gibt es nicht. Als ich nach einer Visitenkarte fragen, bekomme ich einen dünnen von Hand ausgeschnittenen Zettel mit einem Stempel drauf. "Ruf doch mal an", heißt es zum Abschied. Ich schau auf den Zettel. "Erlkönig" steht da. Komischer Name für Fetisch-Mode.
Dann ist es auch an der Zeit, Abschied zu nehmen. Nach einigen Stunden in der Halle verschwimmen die Reize. Es wird Zeit, dem allgegenwärtigen Sex wieder zu entkommen. Draußen, in der kalten Luft Berlins, atme ich erst kräftig durch und schüttel mich aus. Renée Pornero hat Recht: Das reicht dann erst einmal wieder für ein Jahr.