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23. Mai 2004, 13:13 Uhr

Spanien feiert die "Hochzeit des Jahres"

Kurzer Moment der Zweisamkeit: Kronprinz Felipe und seine frisch angetraute Frau Letizia© Boris Roessler / DPA

Rätsel um Ernst August von Hannover

Caroline von Monaco schritt am Samstag allein über den roten Teppich zur Almudena-Kathedrale geschritten. Prinz Ernst August von Hannover war nicht an ihrer Seite. Am Vorabend hatte das Paar noch gemeinsam am Gala-Diner im Pardo-Palast teilgenommen. Erst auf dem "Familienfoto" des Brautpaars und der wichtigsten Hochzeitsgäste ist der Prinz wieder neben seiner Frau Prinzessin Caroline zu sehen. Nach spanischen Presseberichten war Ernst August direkt zum Hochzeitsbankett in den königlichen Palast gefahren, wo auch das Foto aufgenommen wurde. Weshalb Ernst August der Trauung fernblieb, war nicht bekannt.

Letizias Stiefmutter Ana Togores hat auf eine Teilnahme an der Prinzenhochzeit verzichtet. Als Grund wurden "persönliche Motive" angegeben. Die Absage ließ die Beamten vom Protokoll aufatmen. Diese hatten nach Angaben der Zeitung "El Mundo" nicht so recht gewusst, welchen Platz sie der Frau von Letizias Vater Jesús Ortiz zuweisen sollten. Hätte das Paar nebeneinander in der Kirche gesessen, wäre dadurch die Rolle von Letizas Mutter abgewertet worden. Die Eltern der Braut sind seit mehreren Jahren geschieden. Der Vater heiratete im März zum zweiten Mal.

König brach mit Protokoll

Beim Einmarsch der Hochzeitsgesellschaft in die Kathedrale ging König Juan Carlos neben seiner Schwester, der Infantin Pilar. Normalerweise hätte er nach spanischem Brauch an der Seite der Mutter der Braut in das Gotteshaus schreiten müssen. Manche Kommentatoren werteten das Verhalten des Königs als einen Affront gegen Letizias Familie, die über keinerlei Bindungen zu Königshäusern oder zum Adel verfügt.

Unter den Gästen fiel durch ihre Kleidung am meisten die Designerin Agatha Ruiz de la Prada auf. Sie trug ein Kleid in den Farben Rot, Gelb und Violett. Dies waren pikanterweise die Farben der II. Republik in Spanien (1931-1939), die die Monarchie abgeschafft und den damaligen König Alfonso XIII., Felipes Urgroßvater, ins Exil geschickt hatte.

800 Monarchie-Gegner protestierten

Fast gleichzeitig protestierten im Zentrum Madrids rund 800 Monarchie-Gegner gegen die Prinzenhochzeit. Bei dem farbenfrohen Umzug mit Trommelmusik skandierten die Teilnehmer Parolen wie "Es lebe die Republik". Zu der Kundgebung hatte die "Volksbewegung gegen die königliche Hochzeit" aufgerufen, der mehrere linke Gruppierungen angehören.

Nach der Vermählung in der Kathedrale wird das Paar in einem gepanzerten Rolls Royce durch die Hauptstadt fahren. Anschließend wird im königlichen Palast für die 1400 geladenen Gäste das Hochzeitsmahl gereicht. Die Vermählung kostet nach einer Schätzung der Zeitung "El País" über 20 Millionen Euro. Die Madrilenen hoffen darauf, dass das Ereignis auch dazu beiträgt, die Wunden des 11. März zu heilen. Die Hauptstadt verspricht sich von der Feier auch eine weltweite Werbung für seine Touristenattraktionen. Außerdem hofft Madrid, seine Chancen für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012 zu verbessern.

Größte Sicherheitsaufgebot der Geschichte

Nach den Madrider Attentaten vom 11. März mit 191 Toten wollte Spanien kein Risiko eingehen: Das Land rüstete sich mit dem größten Sicherheitsaufgebot seiner Geschichte für die Prinzenhochzeit: Fast 24.000 Beamte der Polizei und der paramilitärischen Guardia Civil waren am Samstag im Einsatz. Der Luftraum über der spanischen Hauptstadt wurde geschlossen, Linienmaschinen durch bestimmte Korridore geschleust. Zwei AWACS-Überwachungsflugzeuge der NATO waren im Einsatz, Kampfflugzeuge von Typ F-18 bewachten die Sperrzone. Bereits eine Woche vor der Hochzeit hatte Spanien das Schengener Abkommen ausgesetzt und vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt. Zur Sicherung des Hochzeitszuges bezogen 200 Scharfschützen der Polizei auf Dächern Position. In den Tagen vor der Hochzeit hatten Beamte Tausende von Wohnungen sowie U-Bahn-Tunnel und Abwässerkanäle inspiziert. Zahllose Autos wurden aus der Innenstadt abgeschleppt, Gully-Deckel versiegelt und Papierkörbe abmontiert. Während der Hochzeit schloss die U-Bahn mehrere Stationen im Stadtzentrum.

 
 
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