
Clooney in seinem Lieblings-Look: Jeans, T-Shirt und Belstaff-Jacke© Petra Stadler
Prosciutto e vino. Und mich begeistert die europäische Geschichte. Wir Amerikaner sind ja noch wie Kinder, wir reißen Häuser nach 20 Jahren ab und bauen was Neues hin, weil wir schreckliche Angst vor allem haben, was alt aussieht. In Italien gibt es wunderschöne Gebäude, die über 1000 Jahre alt sind. Aber woher sollen Amerikaner das wissen, sie reisen zu wenig. Und wenn sie doch mal nach Europa kommen, muss man sich für sie schämen: schlimme Socken, Bermuda-Shorts und T-Shirts, auf denen "Bier" steht. Aber Engländer und Deutsche sind oft auch nicht besser.
Ich habe da eine Theorie: Wir können beim Fußball nicht mithalten. Das ist nicht unsere Welt, wir haben damit nicht angefangen. So wie die Deutschen, mit Ausnahme von Dirk Nowitzki, nicht beim Basketball mit uns konkurrieren können. Aber wir holen auf, beim Fußball, in der Mode und beim Wein. Da fällt mir ein - ich interessierte mich mal für den Part eines Sommeliers. Um die Rolle zu bekommen, habe ich viel gegessen und mich wenig rasiert. Ich wollte ein bisschen verwegen aussehen und keinesfalls genussfeindlich. Als ich zum Besetzungsgespräch kam, war der Regisseur entsetzt: Er hatte mich nämlich für eine ganz andere Rolle im Sinn.
Ich komme aus Kentucky, der Top-Gegend für schlechten Geschmack. Wir hatten auch nicht viel Geld früher, also nähte meine Mutter meine Klamotten selbst, gerne aus falschem Leder. Manchmal habe ich auch abgetragene Anzüge von meinem Vater bekommen, diese schrecklichen 70-er-Jahre-Dinger mit riesigen Umschlägen und Kragen, die ich oft abgeschnitten habe. Ich hatte Talent, die Modesünden dieser Jahre zu überleben. Dennoch sind Fransen, hochgezogene Ärmel und diese unmöglichen Frisuren auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Meine Haare waren mal kinnlang. Das Gute ist, dass mich damals noch keiner kannte. Das Schlechte, dass es noch immer Fotos aus dieser Zeit gibt.
Ja, und das wundert mich sehr. Keine Ahnung, wieso mich immer alle so toll finden. Jahrelang habe ich zu allen Veranstaltungen denselben alten Smoking getragen und dieselben schwarzen Schuhe. Lustigerweise wählte man mich immer wieder zum bestangezogenen Mann. Wenn Frauen zweimal dasselbe Outfit tragen, werden sie praktisch gelyncht. Bei mir jubelten alle, das sei klassisch.
Wenn Sie mich anschauen, stimmt das. Ich trage gerade meine alten Biker-Boots - nicht so fabelhaft, oder?

stern-Mitarbeiterin Bianca Lang traf George Clooney in Rom© Petra Stadler
Ja, ein Jeanshemd, das ist 17 Jahre alt und so abgewetzt, dass ich es eigentlich nicht mehr anziehen kann. Früher habe ich es oft zum Vorsprechen getragen und dann so gut wie jedes Mal den Job bekommen. Es ist also mein Glückshemd, deshalb nehme ich es mittlerweile überall mit hin.
Das Beste an mir sind meine Freunde, eine Hand voll Leute, die ich seit 20 oder 30 Jahren kenne. Manche haben Kinder, sie sind erfolgreich und gesund, und wenn sie mich in Italien besuchen, ist die Bude voll, und ich bin glücklich. Bei meinen Freunden habe ich wirklich Stil bewiesen. In Modedingen bin ich nicht so sicher - damit beschäftige ich mich zu wenig. Mich interessieren andere Sachen viel mehr, der Stil der amerikanischen Politik zum Beispiel.
In Rom sind drei Millionen Menschen für den Frieden auf die Straße gegangen. Ich bin in London mitgelaufen und dann nach Berlin geflogen, wo es auch eine riesige Demonstration gab. Es hat mich überwältigt, wie viele Leute Flagge gezeigt haben, die Engländer demonstrierten gegen, die Deutschen für ihre Regierung. Bei uns ist es momentan unmöglich, sich kritisch zu äußern - das bedeutet viel Ärger.