
Versteht nicht, warum alle sie peinlich finden: Giulia Siegel© Felix Hörhager/DPA
Ralph Maria Siegel, der Opa, komponierte die "Capri-Fischer" und "Ich hab noch einen Koffer in Berlin". Ralph Siegel, der Vater, schrieb ganze Plattenschränke voller Hits, darunter Unverwüstliches wie "Fiesta Mexicana" und "Ein bisschen Frieden", bis heute einziger deutscher Siegertitel beim Grand Prix. Es gab eine Zeit, da glaubte Giulia Siegel daran, aus eigener Kraft etwas werden zu können, auch außerhalb Münchens, vielleicht sogar jemand, den man ernst nimmt. So wie sie mit zwölf plötzlich nicht mehr Julia heißen will, sondern Giulia, nennt sie sich später für kurze Zeit Legeis, Siegel rückwärts. Sehnsucht nach Entsiegelung. Halbherzige Emanzipationsversuche.
Ihre Kindheit, das war eine fünfgeschossige Villa in Grünwald mit Butler und Aupair-Mädchen und Koch und Gärtnerin, überall hingen Papas goldene Schallplatten, Papa fuhr Rolls-Royce, zu den Kindergeburtstagen kamen Nicole und Dschinghis Khan, Skifahren lernte sie bei Toni Sailer. Heute lebt Giulia Siegel im eher tristen Stadtteil Neuhadern, umgeben von sozialem Wohnungsbau, sie hat es sich so feudal wie möglich gemacht, im Wohnzimmer ein Flügel, das Schlafzimmer ein kleiner Spiegelsaal, alles in allem eine Ikea-Version des väterlichen Palasts.
Schließlich sollen es ihre drei Kinder schick haben, die Zwillinge Mia und Nathan, 6, aus der zerdepperten Ehe mit Hans Wehrmann, und Marlon, 13, über dessen Vater sie stets sehr öffentlichkeitswirksam geschwiegen hat. Einen neuen Mann soll es dem Vernehmen nach geben, aber auch den hält sie geheim. Wenn es irgendwo Ordnung gibt im Leben von Giulia Siegel, dann in den Schubladen ihres Kleiderschranks, die hat sie akribisch beschriftet, "Rollkragen ohne Arm", "Rollkragen kurz", "Ripp-Shirt Rosa-Pink", "Ripp-Shirt blau".
Muss ja alles griffbereit sein, wenn sie losrauscht in die Münchner Nacht. Party im P1, im Pacha, Party überall dort, wo die Menschen sind, die man gern Freunde nennt. Boris Becker, Heiner Lauterbach, die Klitschkos, die Effenbergs. Der Wadendoktor vom FC Bayern, der Star-Gynäkologe, der Star-Figaro. Alles Leute, die was sind oder mal was waren. Und sie in ihrer Mitte, Königin des Partydschungels. "Alle kennen sie, mit einigen wenigen ist sie enger befreundet, zur Feindin will sie niemand haben", sagt Wolfgang Lippert, der Friseur ihres Vertrauens. Andere drücken es so aus: Bei Bedarf kann sie eine ganz schöne Zicke sein.
Bei ihrem Friseurfreund Lippert war sie zuletzt am Tag vor der Abreise nach Australien. Er hat ihre Haare noch ein bisschen blonder gemacht und mit Spezialglanz imprägniert.
Selten hat ein Kandidat so hart daran gearbeitet, im Dschungel groß rauszukommen, wie Giulia Siegel. Kaum einer in der laufenden Staffel plagt sich so wie sie, keiner der Mitgefangenen muss sich so viel beweisen. Ingrid van Bergen war mal eine der aufregendsten Frauen im deutschen Kino. Norbert Schramm war mal unser grazilster Mann auf dem Eis. Von Nico Schwanz oder Mausi Lugner erwartet eh niemand was.
Giulia Siegel aber glaubt, dass ihre Zeit noch kommt. Dass sie doch noch aus dem Schatten ihres Vaters und Großvaters treten wird. Sie weiß nur noch nicht, wie. Und womit. Immerhin weiß sie jetzt, wie sie die Attacken von Kröten, Spinnen und Kakerlaken übersteht. In jenen Minuten der ärgsten Pein hielt sie die Augen geschlossen und summte "Ein bisschen Frieden". Ein bissel was geht immer. Aber ganz ohne Papa geht es dann doch nicht.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 05/2009