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27. Januar 2010, 11:10 Uhr

Was Madonna übrig ließ

Das Ende von "glücklich"

Dann kam 2003 und "Stürmische Liebe - Swept away". Und ganz anders als der Titel versprach, läutete der Film das Ende von "glücklich" ein. Der "Lad" musste sich von nun an jeden verdammten Tag anhören, dass die Lady ihn unterm Pantoffel habe. "Swept away" war eine Low-Budget-Produktion. Ritchie inszenierte seine Gattin als reiche, verwöhnte Zicke auf einer Yacht, die sich in einen hemdsärmeligen Koch verliebt, aber erst nachdem sie auf einer Insel gestrandet sind, und er sie wortwörtlich unterwirft. Eine wunderbare Projektionsfläche für böswillige Spekulationen. "Mister Madonna" war geboren und blieb auf fünf Goldenen Himbeeren für die schlechteste Filmleistung des Jahres sitzen, während sich Madonna mit ihrer "Re-Invention Tour" feiern ließ. Von den zehn Millionen Dollar Budget spielte der Film - wenn es hoch kommt - 600.000 ein. In Großbritannien schaffte er es nicht mal ins Kino. Wen wundert's, dass Ritchie in der Zeit ein bisschen zulegte.

Er habe die Wirkung seiner Frau unterschätzt, verteidigte sich der Regisseur damals und versuchte 2005 ein Comeback auf sichererem Terrain: Doch auch das dritte Gangstermärchen "Revolver" wurde abgewatscht. Zeit zum Wunden lecken blieb Ritchie kaum: Madonna schleppte ihn erst ins Kabbala-Center, um sich esoterisch-mystischen Beistand zu holen, und dann nach Malawi, um 2006 unter lautem Mediengetöse das Waisenkind David zu adoptieren. Zu der Zeit wurden die Gerüchte über Krisen und Streit lauter, Ritchies Rücken breiter und die Falten tiefer.

50 Millionen Pfund Abfindung

Immerhin: Ein Bericht, nach dem Madonna sich schon mit Paul McCartneys Scheidungsanwalt getroffen habe, wurde umgehend dementiert. "Meiner Ehe geht's gut - soviel ich weiß", scherzte Ritchie und wich am 16. August 2008, Madonnas 50. Geburtstag, nicht von ihrer Seite. Wie in alten Zeiten. Und sie kam mit zur Premiere von "Rock'n'Rolla", seinem nächsten Versuch über "Swept away" hinwegzukommen. Kritiker ließen sich immerhin zu der Feststellung hinreißen, dass Ritchie mit seiner neuen Gangsternummer langsam zu alter Form zurückfinde. Ob seine Ehe seine Karriere verändert habe, fragte das "Wall Street Journal" den Regisseur damals. "Ich glaube, am Ende wäre es aufs Gleiche rausgekommen", antwortete Ritchie. Im Oktober 2008 folgte die offizielle Bekanntgabe der Trennung: Das Paar ertrage das Theater nicht länger.

Zwei Monate später kam die Meldung, dass Madonna und Ritchie sich das Sorgerecht für Rocco und David teilen und dass sie sich auf eine Abfindung geeinigt hätten: 50 bis 60 Millionen Pfund (rund 65 Millionen Euro) sollte er für die siebeneinhalb Jahre Ehe bekommen. Darin enthalten waren der Pub sowie zwei weitere Immobilien in England. "Es ging nie ums Geld", sagte Ritchie, der vor der Scheidung bereits mehr als 30 Millionen Euro schwer gewesen sein soll. Und auch: "Ich bereue nichts."

Sherlock Holmes, Guy Ritchie, Madonna, Robert Downey Jr.

Ein Mann wie ein Bodyguard (Guy Ritchie und Robert Downey Jr.)© Andreas Rentz/Getty Images

Vielleicht deshalb ist sein Sherlock Holmes so ein Kämpfer geworden. Ein schwitzender, prügelnder, besessener Kämpfer für Recht und Wahrheit. Ritchie zieht die Stirn kraus: Nein, sein Sherlock und Doktor Watson seien nicht schwul, weist er eine Interpretation zurück, die sich hartnäckig hält. Neben Robert Downey Jr., der den Detektiv spielt, sieht Ritchie aus wie ein Bodyguard. Nur passt er eben nicht auf Schauspieler auf, sondern auf sich selbst.

Seit 13 Jahren trainiert Ritchie brasilianisches Jiu-Jitsu, lässt sich vom Meister Roger Gracie unterweisen, vom berühmten Gracie-Clan. "Schach für den Kopf" nennt Ritchie den deftigen Kampfsport, der derzeit in den Schauturnieren der Ultimate Fighting Championship (UFC) populär ist. Eine Weisheit, nach der er kämpfe und wohl auch lebe, besage: "Mach es dir im Ungemütlichen gemütlich", verriet er jüngst dem Männermagazin "Esquire". Die Angst vor dem Schmerz sei immer größer als der Schmerz selbst, führte er aus. Deshalb müsse man es sich in der Vorstellung des Schmerzes bequem machen. Dazu hatte er ja nun zehn Jahre Zeit. Nein, für die Scheidung gelte das nicht, so Ritchie. "Ich habe es gefühlt, ich hab's durchgemacht."

"Sherlock Holmes" kommt am 28. Januar ins Kino

"Sherlock Holmes" Reichlich Action und Spezialeffekte liefert Guy Ritchies Version vom abgestaubten "Sherlock Holmes". Der kämpft zwar immer noch mit Logik gegen das Verbrechen, aber auch mit Fäusten. 90 Millionen Dollar hat der Film mit Robert Downey Jr und Jude Law gekostet.

Von Sophie Albers
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Preston (27.01.2010, 20:42 Uhr)
so viel besser als Tarantino
Guy Ritchies Erstlingswerk schlägt "ulp Fiction" in jeder Beziehung:
es ist witziger - und zwar jede Sekunde
es ist irrsinnig spannend (bis zum Schluß)
und es kommt mit nur EINEM Star aus (im Gegensatz zu "Pulp Fiction", wo es vor Stars ja nur so wimmelt) - eben dem, bei dem sich Ritchie und Madonna kennenlernten: Sting (als Barbesitzer)
Und man kann es sogar auf deutsch anschauen (mit Martin Semmelrogge als Erzähler).
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