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20. April 2005, 17:05 Uhr

"Ich bin eher eine Lolita"

Wie sind Sie zum Modeln gekommen?

Ich bin mit meiner Mutter eine Straße in Rom hinuntergegangen, als mich plötzlich jemand von der Agentur ansprach. Ich wurde zu einem Foto-Shooting eingeladen - und eine Woche später ging's los. Ich war damals fünfzehneinhalb. Zuerst haben sie mir beigebracht, weiblich zu gehen. Ich habe vier jüngere Brüder, da muss man sich durchsetzen. Am Anfang war mein Gang deshalb etwas maskulin.

Interesting. Das Gespräch fängt an zu fließen. Sie fasst Vertrauen, berichtet, dass sie für verschiedene Firmen schon vorher einzelnen Shootings gemacht hat, aber das die Hansenet-Sache ihre erste große Kampagne war. Noch etwas Unverfängliches.

Wie war es denn für Sie, sich auf Plakaten überall in Deutschland zu sehen?

Ich dachte, das darf nicht wahr sein. Ich sagte zu meinen Eltern: Ihr müsst das sehen. Das ist unglaublich.

In Berlin sei sie gewesen, erzählt sie, um die Kampagne zu bewerben, in Hamburg und in Frankfurt. All diese Orte habe sie zuvor nicht gekannt. Hamburg möge sie sehr gerne. Den Hafen. Und Berlin sei sehr groß und Frankfurt, na ja, zumindest "sehr interessant". Hessler hat Humor. So, jetzt, the time is right, Sexfaktor erhöhen.

Was macht Sie Ihrer Meinung nach für die Deutschen attraktiv?

Ich bin wirklich, wirklich einfach. Und ich bin jung. Einige deutsche Jungs haben mir sogar Fanbriefe geschrieben. Das ist cool.

Sie sagt nicht wirklich "einfach". Auf Englisch sagt sie, sie sei "simple" - irgendwie einfach, natürlich. Ach ja. Das italienische Magazin "Gentleman's Quarterly" hat das anders ausgedrückt, sie eine Mischung aus Lolita und einer Femme Fatale genannt. Sexfaktor noch mal erhöhen.

Werden Sie lieber als eine Lolita gesehen oder lieber als ein Vamp?

Vielleicht bin ich eher eine Lolita, denn ich bin jung. Die Kritiker haben mich als Lolita bezeichnet, seit dem ich angefangen habe zu modeln.

Hoho. Volltreffer. Soll ich weiter machen? Frage ich nach ihrem Freund, ihrem Ideal-Mann, ihrem letzten Date? Oder ist das zu ölig? Wohin jetzt nur mit dem Sexfaktor. Ich gerate in Panik. Doch wieder unverfänglich.

>Sie haben sich bei einzelnen Aufnahmen eher sexy abbilden lassen. Würden sie das wieder machen?

Nein. Ich mache das nicht mehr wieder. Die Aufnahmen, die ich bei einigen Shootings gemacht habe, waren in Ordnung, aber es war trotzdem ein wenig zu sexy. Meinen Eltern hat das überhaupt nicht gefallen.

Das ist doch was, Model mit Moral. Vergiss die öligen Fragen, ein wenig Konsumkritik ist angebracht.

Unter den Alice-Plakaten in Deutschland stehen manchmal zweideutige Sprüche. Etwa: Alice kommt schnell. Hat Sie das gestört?

Ich finde das nicht provozierend. Das bezieht sich nur auf Internet-Verbindungen - und die sind, soweit ich weiß, eher schnell.

Bravo. Bestens pariert. Ich bin beeindruckt. Hessler erzählt mir noch, dass sie kaum Sport treibt, selten ins Fitness-Studio geht und dass sie studieren möchte, wenn sie erst einmal mit der Schule fertig ist. Modeln könne man nur bis zu einem gewissen Alter, sagt sie, aber mit 25 sei dann wohl doch Schluss. Danach bräuchte man eine Perspektive. Recht hat sie. Ich wünsche ihr alles Gute, bedanke mich für das Gespräch und lege auf. Ich weiß nun, wer auf mich herabblickt, in Hamburg, Berlin oder München: Eine imponierende Frau. Das erste Mal seit Monaten fühle ich mich frei.

Von Florian Güßgen
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