
Eine Frau bricht aus und beginnt ein neues Leben in Afrika: Berben in "Afrika, mon amour". Der Dreiteiler läuft am 8., 10. und 14. Januar 2007 jeweils um 20.15 Uhr im ZDF© ZDF/Stephanie Kulbach
Berben: Das finde ich ziemlich beleidigend. Als wäre es genormt, wie man in einem bestimmten Alter auszusehen hat. Und die Zeiten, in denen Frauen über 50 in der Kittelschürze rumgelaufen sind, haben wir doch wohl hinter uns. Es ist ermüdend, immer wieder darüber reden zu müssen.
Berger: Dieses Schubladendenken ist ein sehr deutsches Problem. Ich habe lange in Italien gelebt und gearbeitet. Da darf eine Sophia Loren schön sein - die Italiener sind viel souveräner als wir.
Berger: Und, hat sie's gemacht?
Berben: Hat sie.
Berger: Nackt? Was wollte sie beweisen?
Berben: Man sieht ihr Gesicht und ihr Dekolleté, und alles weitere verdeckt ein Laken. Wunderschön, sehr sinnlich.
Berger: Gut. Wir sind abgeschweift. Was haben Sie denn da?
Berger: Das ist ja ganz süß! Das ist aus "Ramona", einem wirklich belanglosen Musikfilm, den ich 1961 gemacht habe. Das lief damals so: Der Produzent kaufte einen Schlager, um den herum eine Geschichte gestrickt wurde. Diese Geschichten waren immer sehr ähnlich, sie dienten der denkbar leichtesten Unterhaltung. Ich hieß immer Babsi oder Helga oder Trixi. Wenn ich mir das Foto ansehe, das war im November nach dem Mauerbau, dann denke ich auch daran, wie ausschließlich ich damals mit mir selbst beschäftigt war. Ich lebte in Berlin, in Charlottenburg, aber ich war niemals an der Mauer. Politik hat mich nicht interessiert, die Mauer mich nicht besonders berührt. Ich wollte glücklich sein, verliebt, weiterkommen als Schauspielerin - ich war ganz schön egoistisch. Iris, zeig, was hast du für ein Foto?
Berben: Da bin ich schwanger, das sehe ich an meinen enormen Brüsten! Und an dem Teddy, das war der erste Kauf für meinen Sohn. Ich war damals auf der Suche nach meinem Platz im Leben. Die 68er-Zeit, die ich in Hamburg miterlebt habe, hatte mir eine Richtung gegeben.
Berben: Aber erst in dem Kind sah ich einen Sinn, eine Aufgabe. Ich habe mich durchgekämpft gegen alle Widrigkeiten. Mir wurde ja die Vormundschaft genommen, weil ich Olivers Vater nicht angegeben hatte, die übernahm die Stadt München. Ich hatte das Kind sozusagen nur leihweise. Es gab unangemeldete Besuche, bei denen kontrolliert wurde, ob und wie ich das Kind versorge. Das alles hat mich stark gemacht. Und dann ist der Lewy in mein Leben getreten.
Berben: Mit dem ich aber nach wie vor freundschaftlich verbunden bin. Unsere Liebe hat mir damals viel gegeben, gesellschaftlich anerkannt war sie nicht: Als Olivers Lehrer einmal um ein Gespräch gebeten hatte, und ich war nicht da, ist der Lewy hingegangen. Er wurde mit den Worten abgewiesen: "Sie sind ja nicht verheiratet."
Berger: Ich hatte nicht diese Widerstände zu überwinden wie du, aber als unser Sohn Simon in die Schule kam, bin ich des Öfteren dorthin zitiert worden. Wenn er mal in der ersten Stunde gähnte, wurde angenommen, niemand würde ihn rechtzeitig zu Bett bringen.

Eine Frau bekommt es mit der CIA zu tun: Berger als Kriminalrätin Eva Prohacek in "Unter Verdacht - Ein neues Leben", zu sehen am 30. Dezember im ZDF© ZDF/Christian A. Rieger
Berger: Ach, Schmarrn. Das zielte ganz auf die Schauspielerin ab. Das hat mich natürlich gekränkt und trotzig gemacht. Und das Kind musste es letztendlich ausbaden. Es war aber stark genug.
Berben: Weiß Gott nicht, nein. Ich möchte ja auch nicht auf die Arbeit mit anderen Produktionen verzichten. Aber Oliver kann sich eine gewisse Häme manchmal nicht verkneifen: Drehe ich ohne ihn, und er hört von mir auch nur die leiseste Kritik, dann lächelt er ebenso leise und sagt: "Arbeitest schon gern bei mir, oder?" Das hat natürlich Vorteile, weil die Wege kürzer und die Diskussionen effizienter sind und weil wir die Leute zusammenholen, mit denen wir gern etwas machen möchten, das wir dann quasi im Paket anbieten können.
Berger: Ich finde das wunderbar, dass du mit deinem Sohn zusammenarbeiten kannst. Wir sind noch nicht so weit.
Berger: Der Simon hat ein großes Verlangen nach Unabhängigkeit. Er möchte sich selbst einen Namen machen, dann können wir auch zusammenarbeiten. Im nächsten Jahr wird er mit den Produzenten von "Das Leben der Anderen" einen Film drehen; er hat das Drehbuch geschrieben und wird Regie führen. Und der Luca, der hat gerade ganz was anderes gemacht: ein soziales Jahr in Vietnam.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 52/2006