Doch während die einfachen Franzosen ihre Gürtel immer enger schnallen sollten, überzog Madame Dati den Etat ihres Ministeriums für "Repräsentationszwecke" um 30 Prozent. Im Amtssitz an der schicken Place Vendôme wurden nun dauernd Empfänge gegeben, "hier tanzt ein Feinkosthändler nach dem anderen an", mokierte sich ein Richter.
Die Ministerin geriet dabei immer mehr in die Kritik. Lange hielt ihr Chef Sarkozy seine Hand über sie und verteidigte seine "petite beurette", seine kleine Nordafrikanerin. Aber irgendwann war es sogar ihm zu viel: "Man steigt schnell auf, man steigt aber ebenso schnell wieder ab", schnappte er neulich. Er sei von der "Arroganz" seines früheren Lieblings enttäuscht, melden französische Zeitungen, schon wird offen spekuliert, dass Dati wohl bald mehr Zeit habe, sich ihrer Tochter zu widmen. Noch genieße sie eine Art "politischen Mutterschutz", aber schon bald werde sie "nach Europa" geschickt.
Bis dahin vergnügen sich die Franzosen mit dem beliebtesten Fragespiel aller Partys und Diners: Wer war's? Wer ist der Vater der kleinen Zohra, die am 2. Januar in einer feinen Privatklinik auf die Welt kam? Dati selbst hat nur einmal einen Tipp gegeben, was für ein Mann es sein könnte: "Er reist viel." Deshalb findet sich auch Präsident Sarkozy auf der langen Liste der möglichen Väter wieder, allerdings nicht weit oben, denn er hat im Februar 2008 seine Carla geheiratet, und es ist wohl nur in französischen Filmen so, dass die Männer schon in den Flitterwochen eine neue Affäre beginnen. Genüsslich erzählt man sich in Paris aber folgende Anekdote: Als das Präsidentenpaar Sarkozy/ Bruni der Ministerin Dati den Élysée-Palast zeigte, soll Carla Bruni im Schlafzimmer gezischelt haben: "Stimmt's? Da hättest du auch gern gelegen …"
Auch der Bruder des Präsidenten, François Sarkozy, wird genannt. Wahrscheinlichkeit: gering. Immer wieder taucht der Name des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar auf, angeblich weiß der marokkanische Geheimdienst da Genaueres. Aber der verheiratete Aznar hat schon vor Monaten energisch dementiert: "Total und völlig falsch." Gegen einen TV-Sender, der verbreitete, die Eheleute Aznar hätten sich getrennt, zog er vor Gericht und erwirkte eine Entschädigung von 240.000 Euro.
Der ehemalige Rugby-Profi und jetzige Sportstaatssekretär Bernard Laporte will es nicht gewesen sein, ebenso wenig Arthur, ein populärer TV-Star, den Rachida Dati vermutlich erst einmal im Leben getroffen hat. Henri Proglio, ein Milliardär, kommt vermutlich nicht infrage, weil die Freundschaft schon beendet war.
Bleibt ein heißer Kandidat: Dominique Desseigne, ein Milliardär und Freund von Sarkozy, mit dem sie die Weihnachtsferien 2007 auf der Insel Mauritius verbrachte. Es wäre eine pikante Liaison: Der 64-jährige, gut aussehende Geschäftsmann ist Chef des größten Kasino- und Hotel-Konzerns Europas (16 Luxushotels, 39 Spielbanken und 90 Restaurants). Eine heikle Branche für eine Justizministerin.
Der 1,91 Meter große Desseigne, stets gebräunt, heiratete 1984 in das Glücksspielimperium Barrière ein. 1995 stürzte seine Frau Diane mit dem Flugzeug ab, sie überlebte schwer verletzt und starb nach einem sechs Jahre währenden Martyrium 2001, weil das Beatmungsgerät versagte. Der als Geschäftsmann unerfahrene Jurist Desseigne steigerte den Umsatz beträchtlich.
Doch derzeit geht es der Pokerbranche miserabel, weil das in Frankreich bisher verbotene Internetglücksspiel den Gewinn vermasselt. Desseigne ist nun für Gesetzesänderungen, um auch Online-Kasinos in Frankreich betreiben zu können. Wäre er wirklich der Vater, dann ginge nichts mehr für Rachida Dati in ihrem Ministerium. Vielleicht schweigt sie deshalb so eisern über die Vaterschaft ihrer Tochter Zohra, denn sonst hieße es für sie: Rien ne va plus.
Mitarbeit: Jörg Zipprick
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 03/2009