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19. August 2008, 10:17 Uhr

Reden wir über Liebe, Mister Kravitz

Lenny Kravitz hat bei Frauen kein besonderes Beuteschema© AP Photo/The Canadian Press, John Woods)

Werden wir mal persönlich: Mister Kravitz, in Ihrer Karriere haben Sie die schönsten aber auch hässlichsten Liebesgeschichten erlebt. Da fällt es schwer zu glauben, dass Sie immer noch an die Liebe glauben. Bedienen Sie nicht einfach nur eine Industrie, die mit der Sehnsucht nach dem großen Gefühl Milliarden verdient? "Sicher glaube ich daran! Und dabei geht es nicht nur um romantische Liebe. Es geht darum, dass Liebe einfach alles überwinden kann."

Hat Sie die Liebe denn nie genervt? Haben Sie nie gedacht, das war's?

"Natürlich habe ich das, ich bin ein Mensch. Für ein, zwei Tage habe ich schon mal die Hoffnung verloren."

Ein, zwei Tage... "Ja, und dann habe ich zu mir selbst zurück gefunden und weitergemacht. Du musst so schnell wie möglich aus dem Tief herauskommen und zum Glauben an die Liebe zurückfinden. Was bin ich denn ohne Liebe?"
Was für eine Frage! Haben Sie nicht Angst, dass sich das Wort Liebe abnutzt, so häufig, wie Sie es gebrauchen? Es wird doch seit Jahrhunderten missbraucht. "Es kommt doch darauf an, was dahinter steckt. Aber Sie haben Recht, wenn die Menschen das Wort inflationär benutzen, verkommt es zum Witz."

Und warum glauben Sie, dass es bei Ihnen anders ist?

"Weil ich es ernst nehme." Da ist kein Durchkommen. Sogar der Hund hat aufgehört zu zittern und ist zu unseren Füßen eingeschlafen.

Also kommen wir zu Jesus, den der 44-jährige Sohn eines Juden und einer Christin jüngst gefunden haben will: "Ja, ich glaube, dass Jesus der Sohn Gottes war", sagt Kravitz und guckt sehr ernst.

Wie ist das denn passiert?

"Entweder war Christus der, für den er sich ausgab, oder er war ein Irrer. Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten. Ich glaube, dass er die Wahrheit gesagt hat. Er hat nach den Geboten gelebt, er hat sie erfüllt, und dann ist er gestorben. Und er sagt: Okay, ich bin für euch gestorben. Ich bin für Lenny gestorben, für all die Leute da draußen. Du kannst es nicht kaufen, du kannst es dir nicht erarbeiten, alles was du dafür tun kannst, ist, daran zu glauben, dass er es für dich getan hat."

Ist das nicht ein bisschen zu einfach?

Er lächelt wieder sein Buddha-Lächeln: "Nein, ist es nicht, und das ist ja das Interessante daran. Christus hat gesagt, du bekennst dich zu mir, und das war's, deine Sünden sind vergeben. Du lebst durch die Gnade, nicht wegen der Gebote. Dieses Geschenk zu akzeptieren, ist für die Menschen das Schwierigste. Sie wollen es überdenken, verstehen, erarbeiten. Mann, darüber könnten wir zwei Wochen reden!"

Hat der Glaube Ihre Musik verändert?

Er schüttelt den Kopf: "Liebe hat so viele verschiedene Seiten. Aber ich habe von Anfang an über Gott gesungen."

Sie haben mal gesagt: 'Gott bewahre, dass man über Liebe singt, es ist eine überholte Vorstellung.'"

"Hm, ich habe in den vergangenen 20 Jahren eine Menge gesagt. Ist es nicht seltsam: Wenn Leute über Mädchen, Geld und Hinterngewackel singen, sagt niemand was. Aber wenn ich über Liebe singe, ist das ein Thema."

Vielleicht haben die Menschen ein Problem mit der reinen Idee, so wie sie ein Problem mit reiner Schönheit haben, womit wir wieder beim Zynismus sind.

"Das ist wahr. Stellen Sie sich vor, Sie lieben jemanden, und er nimmt ihre Liebe nicht an. Sie haben all Ihre Liebe gegeben, Sie sind da, aber er kapiert es nicht. Das ist das Gleiche wie mit Gott und wie mit der Musik. Gott ist da, die Musik ist da, die Liebe ist da, aber die Leute verstehen es nicht. Nur das Schlechte, das akzeptieren sie einfach."

Es klopft, und die Assistentin steckt den Kopf herein. Lenny, der Prediger, muss weiter. Er setzt die obligatorische Riesensonnenbrille auf, wirft sich eine Lederjacke über und sieht plötzlich wieder aus wie Lenny, das Sexsymbol. Da nimmt er die Sonnenbrille noch mal ab, lächelt und bedankt sich für das Gespräch. Plötzlich hofft man, dass die dürre Russin doch nur die beste Freundin seiner Tochter ist, und er bald jemanden findet, der sein melodiegeladenes Herz halten kann. Der Rattenhund steht im Gang neben ihm und sieht aus, als würde er grinsen.

Von Sophie Albers
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
1valentino (19.08.2008, 17:07 Uhr)
So isses!
Ich steh`nicht auf Lenny Kravitz. Wahscheinlich haben die Medien ihr übriges getan. Das was er hier im Interview vom Stapel lässt, finde ich allerdings sehr schön. Einfach und klar, so wie die Liebe ist. Schade das Frau Albers das ins Lächerliche ziehen muss...
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