Trotzdem bleibt die Frage: Wie groß war der Druck von amerikanischer Seite? Nach Ansicht des Rechtsanwaltes Wolfgang Mille, der auf internationales Recht spezialisiert ist, spricht einiges dafür, dass hinter der Festnahme ein Deal zwischen amerikanischen und Schweizer Behörden steht. Das sieht auch Medienrechtler Helmuth Jipp so: "Nachdem man ihn schon so lange abfangen hätte können, ist es absurd, dass die Justiz sich instrumentalisieren lässt. Dahinter vermute ich einen politischen Impetus", so der Medienrechtler Jipp.
Dem widerspricht Albert A. Stahel, Professor für Strategische Studien an der Universität Zürich, entschieden: Zwar haben die USA beim Fall des Bankgeheimnisses erheblichen Druck ausgeübt - in Justizangelegenheiten ließen sich Schweizer jedoch grundsätzlich nicht reinreden. "Eher hätte die Justizministerin ihren Vater an die Justiz geliefert".
Möglicherweise haben Polanskis amerikanische Anwälte selbst die Verhaftung ungewollt provoziert. In dem Bemühen, eine Einstellung des Verfahrens zu erwirken, sollen sie der US-Staatsanwaltschaft vorgeworfen haben, in den vergangenen 30 Jahren nichts unternommen zu haben, um Polanskis Auslieferung zu erreichen. Das berichtet die "Los Angeles Times". Der Schuss ist jedoch nach hinten losgegangen: Der Staatsanwalt hat nun eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie ernst ihm der Fall Polanski noch immer ist.
Die Folgen der Verhaftung sind noch unklar: Zunächst wird Polanski mit juristischen Mitteln gegen seine Auslieferung in die USA kämpfen. Rechtsanwalt Wolfgang Mille geht davon aus, dass Polanski damit sogar Erfolg haben könnte. Auch die Regierungen von Polen und Frankreich wollen sich gemeinsam bei den US-Behörden für die Freilassung einsetzen.
Doch auch im Fall einer Auslieferung könnte die Angelegenheit für Polanski gut ausgehen. Denn nur durch sein persönliches Erscheinen kann er eine Einstellung des gegen ihn laufenden Verfahrens bewirken. Die Chancen stehen so schlecht nicht. Das damalige Opfer Samantha Geimer hat ihm schon längst verziehen.
Roman Polanski Künstlerisch glückte dem Regisseur Roman Polanski fast alles, er erhielt für seine Filme zahlreiche internationalen Auszeichnungen, darunter den Oscar für "Der Pianist". Privat ist sein Schicksal immer wieder mit großen weltgeschichtlichen Entwicklungen kollidiert. Das begann schon bei seiner Geburt: In Paris kam er als Sohn polnischer Juden auf die Welt, die Familie kehrte aber 1937 aufgrund des wachsenden Antisemitismus in Frankreich nach Polen zurück - ein tragischer Schritt. Denn während der deutschen Besatzung wurde die Familie Polanski ins Krakauer Ghetto deportiert. Polanskis schwangere Mutter wurde nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Der junge Roman überlebte die Verfolgung nur, weil er bei einem polnischen Bauern Unterschlupf fand.
Nachdem Polanski gleich mit seinem ersten Langfilm "Das Messer im Wasser" 1962 für Furore sorgte, emigrierte er 1963 aus Polen und ließ sich 1968 in den USA nieder. Dort wurde er schon bald als einer der heißesten Regisseure des jungen Hollywoods gehandelt. Seine Ehe mit der Schauspielerin Sharon Tate endete tragisch: die hochschwangere Frau wurde Opfer der Manson Family, einer Hippie-Kommune, die sich in Südkalifornien um den ebenso erfolglosen wie verwirrten Musiker Charles Manson gebildet hatte.
1977 war Polanski in einen Skandal um den Missbrauch der 13 Jahre alte Samantha Gailey verwickelt. Dem Prozess entzog er sich 1978 durch Flucht ins Ausland. Seither hat der nie wieder amerikanischen Boden betreten.