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29. September 2009, 12:29 Uhr

Die Falle in der Schweiz

Trotzdem bleibt die Frage: Wie groß war der Druck von amerikanischer Seite? Nach Ansicht des Rechtsanwaltes Wolfgang Mille, der auf internationales Recht spezialisiert ist, spricht einiges dafür, dass hinter der Festnahme ein Deal zwischen amerikanischen und Schweizer Behörden steht. Das sieht auch Medienrechtler Helmuth Jipp so: "Nachdem man ihn schon so lange abfangen hätte können, ist es absurd, dass die Justiz sich instrumentalisieren lässt. Dahinter vermute ich einen politischen Impetus", so der Medienrechtler Jipp.

Dem widerspricht Albert A. Stahel, Professor für Strategische Studien an der Universität Zürich, entschieden: Zwar haben die USA beim Fall des Bankgeheimnisses erheblichen Druck ausgeübt - in Justizangelegenheiten ließen sich Schweizer jedoch grundsätzlich nicht reinreden. "Eher hätte die Justizministerin ihren Vater an die Justiz geliefert".

Möglicherweise haben Polanskis amerikanische Anwälte selbst die Verhaftung ungewollt provoziert. In dem Bemühen, eine Einstellung des Verfahrens zu erwirken, sollen sie der US-Staatsanwaltschaft vorgeworfen haben, in den vergangenen 30 Jahren nichts unternommen zu haben, um Polanskis Auslieferung zu erreichen. Das berichtet die "Los Angeles Times". Der Schuss ist jedoch nach hinten losgegangen: Der Staatsanwalt hat nun eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie ernst ihm der Fall Polanski noch immer ist.

Die Folgen der Verhaftung sind noch unklar: Zunächst wird Polanski mit juristischen Mitteln gegen seine Auslieferung in die USA kämpfen. Rechtsanwalt Wolfgang Mille geht davon aus, dass Polanski damit sogar Erfolg haben könnte. Auch die Regierungen von Polen und Frankreich wollen sich gemeinsam bei den US-Behörden für die Freilassung einsetzen.

Doch auch im Fall einer Auslieferung könnte die Angelegenheit für Polanski gut ausgehen. Denn nur durch sein persönliches Erscheinen kann er eine Einstellung des gegen ihn laufenden Verfahrens bewirken. Die Chancen stehen so schlecht nicht. Das damalige Opfer Samantha Geimer hat ihm schon längst verziehen.

Roman Polanski Künstlerisch glückte dem Regisseur Roman Polanski fast alles, er erhielt für seine Filme zahlreiche internationalen Auszeichnungen, darunter den Oscar für "Der Pianist". Privat ist sein Schicksal immer wieder mit großen weltgeschichtlichen Entwicklungen kollidiert. Das begann schon bei seiner Geburt: In Paris kam er als Sohn polnischer Juden auf die Welt, die Familie kehrte aber 1937 aufgrund des wachsenden Antisemitismus in Frankreich nach Polen zurück - ein tragischer Schritt. Denn während der deutschen Besatzung wurde die Familie Polanski ins Krakauer Ghetto deportiert. Polanskis schwangere Mutter wurde nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Der junge Roman überlebte die Verfolgung nur, weil er bei einem polnischen Bauern Unterschlupf fand.
Nachdem Polanski gleich mit seinem ersten Langfilm "Das Messer im Wasser" 1962 für Furore sorgte, emigrierte er 1963 aus Polen und ließ sich 1968 in den USA nieder. Dort wurde er schon bald als einer der heißesten Regisseure des jungen Hollywoods gehandelt. Seine Ehe mit der Schauspielerin Sharon Tate endete tragisch: die hochschwangere Frau wurde Opfer der Manson Family, einer Hippie-Kommune, die sich in Südkalifornien um den ebenso erfolglosen wie verwirrten Musiker Charles Manson gebildet hatte.
1977 war Polanski in einen Skandal um den Missbrauch der 13 Jahre alte Samantha Gailey verwickelt. Dem Prozess entzog er sich 1978 durch Flucht ins Ausland. Seither hat der nie wieder amerikanischen Boden betreten.

Von Carsten Heidböhmer
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KOMMENTARE (10 von 30)
 
Johann58 (01.10.2009, 19:26 Uhr)
@preston
und weil sich eine 13jaehrige schminkt und in die Vogue will kann man sie also ungestraft mit Alkohol und Drogen abfuellen um sie dann zu vergewaltigen. Wohlgemerkt aus dem Vernehmungsprotokoll geht hervor, dass sie gegen ihren Willen oralen, analen und vaginalen Geschlechtsverkehr hatte. Aber das spielt ja keine Rolle bei Ihnen sie war ja wie eine Erwachsene geschminkt. Meine Meinung ueber Sie ist nicht besonders gut, aber was ich denke behalte ich fuer mich. Das waere warscheinlich loeschgefaehrdet.
Preston (30.09.2009, 20:23 Uhr)
nicht Fanatiker... - Gestörte
treiben sich hier rum:
Undemokraten, die von der Wiedereinführung der Todesstrafe träumen - und die das (am Beispiel von "Kinderschändern") schon mal geübt sehen wollen.
Noch einmal:
eine 13jährige, die sich schminkt und anzieht, wie eine 17jährige (und in die VOGUE will), ist kein "Kind", das ein "Perverser" schändet - es ist Mißbrauch von Minderjährigen, der selbstverständlich auch bestraft gehört - aber nicht in der hysterischen Art der "Kopf-ab-Schreier" hier.
Und wer Woody Allens Verhältnis mit seiner (damals 22jährigen) ADOTIV-Tochter "Inzest" nennt, ist entweder nicht ganz dicht - oder ein unverbesserlicher Antisemit.
Swissmiss (30.09.2009, 15:15 Uhr)
Petitionsunterzeichner
Habt ihr euch schon mal die Liste mit den Petitionsunterzeichnern angeschaut, die sich für die Freilassung von Polanski einsezten? Nimmt mich schon wunder, was z.B. die Motive eines Herrn Woody Allen sind (der ja mit seiner eigenen Stieftochter liiert ist), sich so für Polanski einzusetzen.
Johann58 (30.09.2009, 14:41 Uhr)
@sanjoaquin
Zanussi, eine polnische Filmregisseur bezeichnet die damals 13 jaehrige als minderjaehrige Prostituierte., dann kommen Sie mit Haengtihnhoeherwahn und akzeptieren damit irgendwie den Missbrauch von Minderjaehrigen. Da frage ich mich welches Rechtsverstaendnis Sie haben und ob Ihre moralische Prinzipien so ganz richtig sind.
@Preston schreibt Sie sei kein Kind gewesen, hat wie 16 oder 17 ausgesehen, spielt das eine Rolle?
Die Amerikanische Justiz hat so Ihre Tuecken und jede Menge unsinnige Gesetze. Hier ist auf Draengen einer Muetterorganisation ein Gesetz erlassen worden, welches dafuer gesorgt hat, dass der Missbrauch Minderjaehriger nicht verjaehrt. Ob das gut ist oder nicht will ich nicht beurteilen, es ist aber eine Tatsache. Polanski hat nicht zu unrecht Angst davor, dass er .eine ganze Weile im Knast verschwindet denn erstens hat er sich aus dem Staub gemacht und zweitens muss das Verfahren dann doch mal irgendwie zu Ende gebracht werden.
chatahootchee (30.09.2009, 13:32 Uhr)
SCHON MERKWUERDIG,
wieviel Aufmerksamkeit und Platz der Stern einem Kinderschaender zukommen laesst.
vietgilles (30.09.2009, 11:55 Uhr)
was ist recht
Selbst im Knast rangieren Kinderschänder am unteren Ende. Auch Knackies haben einen Ehrenkodex und der verachtet Kinderschänder.
Wer sich jetzt mit einem Kinderschänder indentifiziert und für Freispruch plädiert sollte nun unsererseits verachtet werden. Es gibt keinen Fall von minderer Schuld bei dieser Art von Verbrechen. Ich finde es gut ung gerecht das in Deutschland Kinderschänder auch dann verurteilt werden wenn sie diese Tat im Ausland begangen haben.
Einen Promibonus verweigere ich auf das schärfste ! Sie sollten ein Vorbild sein und daher härter bestraft werden. Ich bin kein Freund der amerikanischen Rechtssprechung, aber diesesmal bin voll auf Seite dem amerikanischen Justiz.
Freikaufen kann man sich nicht von diesem Verbrechen, genausowenig wie von Mord.
Möge die Gerechtigkeit siegen.
endbenutzer (30.09.2009, 11:51 Uhr)
@Preston:
"...ein "Kind" war die 13jährige Samantha Geimer auf keinen Fall (wenn man sich Fotos anschaut). Sie sah eher aus wie 16, 17..."++++Ach! Und das alleine reicht schon aus, jemanden mit Alkohol und Beruhigungsmitteln gefügig zu machen? Was geht nur in deinem Kopf vor?
JoaG (30.09.2009, 11:32 Uhr)
Auch die Gesellschaft hat sich gewandelt
Die Tat ist zwar lange her, aber Polanski und seine Anwälte haben bei Ihrem Bestreben zur Verfahrenseinstellung nicht bedacht, dass sich die gesellschaftliche Stimmung in Bezug auf Sex mit Kindern und Jugendlichen - sogar untereinander (Fall Stefan Weiss in Türkei) - radikal geändert hat. In den 1970er Jahren, als Polanski die Tat begang, konnte man beispielsweise auch in den USA noch Kinderpornos einfach im Geschäft kaufen. Heute kommt man in den Knast, wenn man nur welche besitzt oder die alten von damals von seinem Grossvater geerbt bekommen und unwissend auf dem Dachboden liegen gelassen hat. Auch die Schweiz hat Kinderpornos im Jahre 2002 als einer der letzten europäischen Staaten verboten und seitdem bemühen sich auch Schweizer Politiker und Justiz, mit Showprozessen und Aktionen sich in diese Richtung populistisch weiter zu profilieren. Mi den gleichen gesellschaftlichen Kosten/Nutzen wie anderswo - Täter im Ausland kommen meist davon, Konsumenten zu Hause werden verhaftet. Aber jetzt kann man als Ausgleich zu solcher Kritik immerhin einen Schwerverbrecher wie Polanski vorweisen, um von den übrigen Defiziten abzulenken.
offshore98 (30.09.2009, 11:06 Uhr)
die Schweizer
haben also seit 1990 ein Abkommen mit
den USA über den Vollzug von Haftbefehlen.
Interessant , aber :
warum wurde dann "most wanted" Marc Rich
nicht ausgeliefert , bevor Clinton an seinem letzten Arbeitstag den Herren begnadigte?
Dialogus (30.09.2009, 10:57 Uhr)
Faszinierend...
viele setzen sich für Herrn Polanski ein. Wie rührend. Er hat ein 13-jähriges Kind missbraucht, indem er sie aktiv unter Drogen gestellt hat. Punkt. Egal ob gestern oder vor 30Jahren, egal ob sie ihm verziehen hat. Alle die die Haft verurteilen, sollten sich mal überlegen, was sie denken würden wenn es die eigene Tochter gewesen wäre.
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