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24. Juli 2008, 08:56 Uhr

One Night in Lieschen Müller

Mag es gerne öffentlich: Paris Hilton© Chris Pizzello/AP

Zivilisation bedeutet Intimität, sagen Soziologen, Rückzug. Nähern wir uns also dem Ende der Zivilisation, wenn immer mehr Leute sich zuhause ausziehen, um ihre Genitalien in die Kamera zu halten? Aber es ziehen sich auch nicht alle aus. Die wenig Gebildeten seien es vor allem, stellt Gems fest. "Je intellektueller, desto weniger ist das verbreitet", so der Porno-Detektiv.

Rache an der Ex

Meist, sagt Gems, spiele - fast wie bei Hilton - der Ex-Freund eine entscheidende Rolle. Rick Salomon hatte seinen "Film" damals an die Pornofirma Red Light verkauft. Lieschens Freund lädt es heute bei Youporn hoch. "Meine Rache an mein Ex Freundin" heißt es dann etwa, und zu sehen ist eine Frau, die sich nackt auf der Couch hinterm Wohnzimmer-Glastischchen räkelt. "Die Beweggründe sind da sehr destruktiv", so Gems weiter. Der rachsüchtige Ex-Lover muss für die Rufschädigung nicht mehr tun, als die Datei auf eines der großen Portale zu stellen. Von Youporn geht es dann schnell zur Konkurrenz von Redtube oder Pornhost, landet bei Poppen.de und in Tauschbörsen, harmlosere Bilder auch zu Myspace oder Studivz.

Hat Gems verfängliche Bilder seiner Auftraggeber gefunden, schreibt er die Portalbetreiber an und bittet sie, die Aufnahmen zu löschen. Manche, Youporn etwa, machten das recht schnell. Andere reagierten überhaupt nicht. Er vermute, dass es oft Ein-Mann-Unternehmen seien, die ihre Rechner zuhause im Wohnzimmer stehen haben. Von denen gebe es hunderte, wenn nicht tausende, die dafür sorgen, dass sich Privat-Clips wie Spam verbreiten.

Die wenigsten wissen, wie schnell das gehen kann. Da reicht es schon, beim Chat vor der Webcam kurz die Brust zu zeigen - zuhause vor dem Computer, wo alles so vertraut und privat ist. Der Typ am anderen Ende der Datenleitung braucht die Szene bloß mitzuschneiden, das ist nicht schwierig. Ein Mausklick und dieser Moment bleibt für die Ewigkeit. Besonders Jugendliche sind vertrauensselig. Mädchen filmen sich selbst im Spiegel und präsentieren sich so auf Myspace. Mal sind sie dabei angezogen, mal tragen sie nur einen BH, manchmal weniger. Ihre Freunde lassen beim Sex das Handy oder die Kamera mitlaufen. Es fühlt sich an wie ein aufregender Spaß.

Porno verkehrt

Amateure spielen Porno und Pornodarsteller spielen Amateure, damit irgendetwas in dieser künstlichen Welt der getunten Brüste vielleicht doch echt wirkt. Am Ende sind sich die Filmchen in ihrer Grobkörnigkeit sehr ähnlich - ob nun bezahlte Profis und Gratis-Amateure. Die Frauen haben Sperma im Gesicht und grinsen schief.

Für die Amateure kann das allerdings existenzielle Probleme mit sich bringen. Das sind nämlich keine guten Bewerbungsbilder. Er kenne eine Lehrerin, die sich einen neuen Job suchen musste, weil zu viel altes Material in den Tiefen des Cyberspace unterwegs war, berichtet Gems. Das habe sie erpressbar gemacht. Er vermutet, dass es durchaus Arbeitgeber gebe, die Procomb auch mal Fotos aus Bewerbungsmappen schicken. Die Biometrie macht es möglich. Er lasse nur nach öffentlichem Material suchen, so der Procomb-Chef. Dinge, die früher oder später sowieso jemand finden könnte. Wer selbst so gründlich forschen wollte wie seine Computer, würde vierzig Jahre brauchen. Ein halbes Leben.

Angst am Strand

Die Leute, die Procomb beauftragen, sind meist zwischen 20 und 35 Jahre alt. In der Regel seien es Frauen, so Gems. Manche begründen es so: "Ich habe jetzt ein Kind gekriegt, das kommt in drei Jahren in den Kindergarten. Ich möchte nicht, dass später jemand sagt: 'Ich hab' deine Mutter nackt im Netz gesehen'."

Immerhin: Neben den ganzen Arglosen nehme die Zahl der Sorgenvollen langsam zu, beobachtet der Firmengründer. Und damit auch die Zahl seiner Kunden. Es sei ein Wachstumsmarkt. Immer mehr Leute seien sich bewusst, was es bedeutet, wenn jeder im Handy eine Kamera mit sich herumträgt. "Manche haben mittlerweile Angst, beim Bräunen am Strand mal ein bisschen die Beine zu spreizen." Es könnte ja jemand draufhalten. Das Risiko sei seiner Ansicht nach aber gering. Noch.

Von Johannes Gernert
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KOMMENTARE (10 von 28)
 
Clibanarius (26.07.2008, 05:52 Uhr)
Maria1000
Was rauchst du nur für einen Zeugs? Was es auch ist - etwas weniger davon würde dir und den Lesern hier gut tun. Danke.
Maria1000 (25.07.2008, 18:57 Uhr)
Blacky007:
Sie schreiben" ...Vom Betrachten sexueller Handlungen ist sicher noch keiner zu Schaden gekommen..."
Oh DOCH!!! Sozialisationsmässig und bildungsmässig schon: Für die meisten Kinder/Teenies aus den bildungsfernen Unterschichten bedeutet heute schon "Sex" in erster Linie" nur mehr Porno-Sex"....
Es wird ein völlig falsches Bild über sexuelle Beziehungen und Sex den Jugendlichen vermittelt durch einige( nicht ALLE!) Pornofilme auf Youporn und ähnlichen Sites, auch durch die "Kommentare" der User auf youporn zu einigen der mehr menschenverachtenden unter den Filmchen.
Zudem,war es bisher "irre witzig" für solche Kinder mit grossen sozialen und charakterlichen Defiziten (dank unfähiger ELTERN/Erziehung!) selbst gedrehte Videos von Misshandlungen von Klassenkameraden oder Fremden oder ihren Lehrern ins Internet einzuspilen, dann wird nun vermutlich immer mehr der Sex mit Klassenkameradinnen und/oder (Ex-)Freundinnen ins Web gespielt! Ichf inde, dies sollte durchaus und streng strafrechtlich verfolgt werden!
Sveto (24.07.2008, 23:06 Uhr)
@Bebuquin
It is for good reason that they call it a "job"... Im Übrigen ist nicht alles Lateinische gleich medizinisch - wie heißt es nicht so schön bei Ausonius:
"Crispa tamen cunctas exercet corpore in uno:
deglubit, fellat, molitur per utramque cavernam,
ne quid inexpertum frustra moritura relinquat."
botoxia (24.07.2008, 18:36 Uhr)
Nichts Neues
Meine Güte. Pornos oder Sex sind doch nichts besonderes! Ham wa doch alle schon selbst mal gemacht, was regen wa uns uff? Und wieso muss man Sex eigentlich Kindern unbedingt vorenthalten?
hei_zen (24.07.2008, 17:30 Uhr)
Kinder allein im Internet
@astrologer und Rest
Zuerst sollten sie mal darüber nachdenken, dass es absolut fahrlässig ist, seine minderjährigen Kinder alleine und ohne Schutzsoftware im Internet surfen zu lassen.
Dass auch Dinge, die nicht unbedingt ihren persönlichen Vorlieben entsprechen, frei im Internet verfügbar sind war seid Erfindung des Internets immer so - diese Vielfalt macht das Internet erst aus.
Man entscheidet als mündiger Bürger immer noch selbst was man ansehen will.
rued (24.07.2008, 14:20 Uhr)
Kinder und Pornos
An Hardcore Streifen heranzukommen war für Kinder noch nie ein Problem, denn in jeder Klasse hat heutzutage irgendeiner nen Vater, der sein privates "Filmarchiv" nicht mit Argusaugen überwacht.
Es gibt allerdings auch Programme, die nach bestimmten Schlüssewörtern suchen und Seiten mit diesen Begriffen sperren.
Wenn man sich mit dem Thema mal etwas intensiver beschäftigt, wird man da auch schnell eine passende Lösung finden können.
Eltern die ihre 8 jährigen Kinder alleine im Internet surfen lassen, handeln ohnehin derart verantwortungslos, dass sie eigentlich ihre Grundlage verlieren sowas anzuprangern.
Im Hinblick auf die Verfügbarkeit für jederman, bin ich abr der Ansicht eine gewisse Zensur könnte Youporn nicht schaden.
Man sollte evtl. darüber nachdenken z.B. Frauen die sich Colaflaschen in ihr Rektum schieben und dergleichen aus dem Programm zu nehmen, oder einen zuverlässigeren Jugendschutz einzubauen.
astrologer (24.07.2008, 13:50 Uhr)
@Blacky007
Ich vermute mal Sie haben keine Kinder und damit auch keine Ahnung. Zwischen einer Site mit ein paar nackten Busen und Sites wie youporn ist denn auch ein Unterschied. Und ob Sie als Vater oder Mutter kein Problem damit hätten, wenn ihr 8jähriges Kind - unkommentiert - Hardpornos ansieht, da habe ich meine Zweifel.
Blacky007 (24.07.2008, 13:11 Uhr)
Was eine Prüderei
Einer regt sich über die Wortwahl auf, der sich übr das Wort "Blowjob" morkiert und es vulgär findet, der ander darüber, dass Kinder jederzeit solche Seiten beuschen können.
1. vulgär: wie sagte schon Woody Allen so treffend: "guter Sex muss schmutzig sein, wer noch keinen schmutzigen Sex hat, hatte niemals richtigen Sex" - meine absolulte Zustimmung. Ich würde vor Lachen zusamenbrechen, wenn mir eine Frau beim Sex sagen würde, dass sie gerne mal Fellatio machen würde, anstelle blasen...
2. Ich finde, dass es immer noch weniger schlimm, wenn Kinder eine solche Site aufrufen, als Seiten mit purer Gewalt,rechtsradikalen Inhalten oder gar Bombenanleitungen. Vom Betrachten sexueller Handlungen ist sicher noch keiner zu Schaden gekommen. Es hysterisch mit "Kindersex" gleichzustellen ist mehr als fehl am Platze.
undueberhaupt (24.07.2008, 13:06 Uhr)
Klare Sache...
Youporn & etc. Das scheint sich um Internetseiten für Hartz IV - Empfänger zu handeln. Die haben jede Menge Zeit. Strom und Telefon werden eh von der Sozialstelle bezahlt. Was will man noch mehr?
faustjucken_de (24.07.2008, 12:40 Uhr)
kalter Kaffee
Noch ein, zwei Jahre und es ist usus, dass Lieschen Müller beim Kaffeeklatsch mit Freundinnen den Porno von sich in youporn zeigt.
Wenn alle erst mal nackig sind, kräht kein Hahn mehr danach.
Und die, die wieder nach Jungendschutzzensur schreien, kümmert euch selbst um eure B(P)lagen und lasst mich schön weiter in ruhe Pornos im Netz schauen
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