
Mag es gerne öffentlich: Paris Hilton© Chris Pizzello/AP
Zivilisation bedeutet Intimität, sagen Soziologen, Rückzug. Nähern wir uns also dem Ende der Zivilisation, wenn immer mehr Leute sich zuhause ausziehen, um ihre Genitalien in die Kamera zu halten? Aber es ziehen sich auch nicht alle aus. Die wenig Gebildeten seien es vor allem, stellt Gems fest. "Je intellektueller, desto weniger ist das verbreitet", so der Porno-Detektiv.
Meist, sagt Gems, spiele - fast wie bei Hilton - der Ex-Freund eine entscheidende Rolle. Rick Salomon hatte seinen "Film" damals an die Pornofirma Red Light verkauft. Lieschens Freund lädt es heute bei Youporn hoch. "Meine Rache an mein Ex Freundin" heißt es dann etwa, und zu sehen ist eine Frau, die sich nackt auf der Couch hinterm Wohnzimmer-Glastischchen räkelt. "Die Beweggründe sind da sehr destruktiv", so Gems weiter. Der rachsüchtige Ex-Lover muss für die Rufschädigung nicht mehr tun, als die Datei auf eines der großen Portale zu stellen. Von Youporn geht es dann schnell zur Konkurrenz von Redtube oder Pornhost, landet bei Poppen.de und in Tauschbörsen, harmlosere Bilder auch zu Myspace oder Studivz.
Hat Gems verfängliche Bilder seiner Auftraggeber gefunden, schreibt er die Portalbetreiber an und bittet sie, die Aufnahmen zu löschen. Manche, Youporn etwa, machten das recht schnell. Andere reagierten überhaupt nicht. Er vermute, dass es oft Ein-Mann-Unternehmen seien, die ihre Rechner zuhause im Wohnzimmer stehen haben. Von denen gebe es hunderte, wenn nicht tausende, die dafür sorgen, dass sich Privat-Clips wie Spam verbreiten.
Die wenigsten wissen, wie schnell das gehen kann. Da reicht es schon, beim Chat vor der Webcam kurz die Brust zu zeigen - zuhause vor dem Computer, wo alles so vertraut und privat ist. Der Typ am anderen Ende der Datenleitung braucht die Szene bloß mitzuschneiden, das ist nicht schwierig. Ein Mausklick und dieser Moment bleibt für die Ewigkeit. Besonders Jugendliche sind vertrauensselig. Mädchen filmen sich selbst im Spiegel und präsentieren sich so auf Myspace. Mal sind sie dabei angezogen, mal tragen sie nur einen BH, manchmal weniger. Ihre Freunde lassen beim Sex das Handy oder die Kamera mitlaufen. Es fühlt sich an wie ein aufregender Spaß.
Amateure spielen Porno und Pornodarsteller spielen Amateure, damit irgendetwas in dieser künstlichen Welt der getunten Brüste vielleicht doch echt wirkt. Am Ende sind sich die Filmchen in ihrer Grobkörnigkeit sehr ähnlich - ob nun bezahlte Profis und Gratis-Amateure. Die Frauen haben Sperma im Gesicht und grinsen schief.
Für die Amateure kann das allerdings existenzielle Probleme mit sich bringen. Das sind nämlich keine guten Bewerbungsbilder. Er kenne eine Lehrerin, die sich einen neuen Job suchen musste, weil zu viel altes Material in den Tiefen des Cyberspace unterwegs war, berichtet Gems. Das habe sie erpressbar gemacht. Er vermutet, dass es durchaus Arbeitgeber gebe, die Procomb auch mal Fotos aus Bewerbungsmappen schicken. Die Biometrie macht es möglich. Er lasse nur nach öffentlichem Material suchen, so der Procomb-Chef. Dinge, die früher oder später sowieso jemand finden könnte. Wer selbst so gründlich forschen wollte wie seine Computer, würde vierzig Jahre brauchen. Ein halbes Leben.
Die Leute, die Procomb beauftragen, sind meist zwischen 20 und 35 Jahre alt. In der Regel seien es Frauen, so Gems. Manche begründen es so: "Ich habe jetzt ein Kind gekriegt, das kommt in drei Jahren in den Kindergarten. Ich möchte nicht, dass später jemand sagt: 'Ich hab' deine Mutter nackt im Netz gesehen'."
Immerhin: Neben den ganzen Arglosen nehme die Zahl der Sorgenvollen langsam zu, beobachtet der Firmengründer. Und damit auch die Zahl seiner Kunden. Es sei ein Wachstumsmarkt. Immer mehr Leute seien sich bewusst, was es bedeutet, wenn jeder im Handy eine Kamera mit sich herumträgt. "Manche haben mittlerweile Angst, beim Bräunen am Strand mal ein bisschen die Beine zu spreizen." Es könnte ja jemand draufhalten. Das Risiko sei seiner Ansicht nach aber gering. Noch.