
Carla Bruni bei einem Auftritt in Paris© Bertrand Guay/AFP Photo
Der Präsident sprach immer seltener über Frankreich, dafür ließ er seine zunehmend peinlich berührten Landsleute wissen, "wie schön Cécilia ist", und beichtete öffentlich: "Im Grunde ist sie meine einzige Schwäche." Er gewandete die zumeist Flunschende in Gucci und Prada, er schmückte sie mit Ringen und anderem Geschmeide, er bettete sie auf Yachten, geliehen von Milliardärsfreunden.
Doch nichts half: Am 18. Oktober wurde das Paar geschieden. Cécilia floh in die Arme des Event-Managers Richard Attias, von Nicolas nur "der Beleuchter" genannt, und der ziemlich kleine Präsident hopste eine Zeit lang mutterseelenallein zwischen den Louis-XV.-Fauteuils und Récamieren seines riesengroßen Palastes umher.
Aber nicht sehr lange. Wenige Tage nach seiner Scheidung tätigte er einen Notruf an den PR-Spezialisten Jacques Séguéla, der über beste Beziehungen zum linken wie auch rechten "tout Paris" verfügt, und herrschte in den Hörer: "Organisiere mir ein Diner mit deinen Kumpels." Man einigte sich auf den 13. November, und Séguéla begann, in seinem dicken Adressbuch zu blättern.
Am 13. sitzen um 20 Uhr Sarkozy und sieben weitere Menschen um einen Tisch herum, darunter Marie-Caroline Ferry und ihr Gatte Luc, Carlas Ex, der über seine Affäre mit ihr sagt: "Ich kam zwischen Laurent Fabius und Mick Jagger." - "Als ich eintraf ", erzählt Bruni, "begriff ich, dass es ein Blind Date war. Na ja, not so blind. Da waren drei Ehepaare und wir, zwei Junggesellen." Dies gab Carla gegenüber Valérie Benaïm und Yves Azéroual zum Besten, die jüngst mit Hilfe der First Lady das süßliche Werk "Nicolas und Carla - die wahre Geschichte" veröffentlichten. Es sei ein "Coup de Foudre" gewesen, so darin verzückt la Bruni. "Ich hatte nicht mit einem so witzigen, so lebendigen Mann gerechnet. Sein Aussehen, sein Charme, seine Intelligenz haben mich verführt. Ich bin vorher nicht mit Kretins ausgegangen, das ist nicht mein Stil, aber mit ihm geht es sehr, sehr schnell."
So ist es: Am Ende des Abends, an dem die beiden nur Augen füreinander haben, fragt die geschmeidige Diseuse, hochwangig wie Cécilia, den Präsidenten: "Haben Sie ein Auto?" Er chauffiert sie nach Hause, lehnt indes ihre Einladung zu einer Tasse Kaffee ab - angeblich mit den Worten "Nie beim ersten Mal". Doch keine 24 Stunden später landet das eigentümliche Paar miteinander im Bett. Einen Monat später tauchen die schöne Italienerin und ihr neuer Geliebter bei Goofy und Micky Maus in Eurodisney auf und lassen sich von bestellten Paparazzi fotografieren. Carla tut kund: "Wir sind sehr verliebt." Jacques Séguéla, der das Paar zusammenbrachte, wurde übrigens am Montag von Sarkozy zum Offizier der Ehrenlegion ernannt, wegen seiner Verdienste für das Vaterland.
Sicher, in der ersten Dekade des dritten Millenniums musste man schon manche Tiefschläge registrieren - Schröder arbeitet für Gasprom, Gorbatschow macht Reklame für Louis Vuitton. Aber die Liaison zwischen dem "président bling-bling" genannten Protz-Sarkozy mit seiner Rolex, seinen Ray Bans und seinen ewigen Bodyguards und der so hochkultivierten wie großbürgerlichen Industriellen-Tochter Carla, bis dato Mitglied und Darling der sogenannten Kaviar-Linken, ist für viele die Kirsche auf dem klebrigen Kuchen. Und noch heute rätseln nicht wenige: Was will dieser stilsichere, sexuell erfrischend unkomplizierte und geistreiche weibliche Don Juan - Carlas Devise lautet: "Es gibt kein überflüssiges Plaisier" - von dem kleinen Nicolas?
Da ist auf der einen Seite die belesene und polyglotte Bruni, aufgewachsen nahe Turin an der Seite ihrer älteren Schwester Valeria Bruni Tedeschi, einer in Frankreich gefeierten Schauspielerin und Regisseurin, und ihres Bruders Virginio, der vor zwei Jahren an Krebs starb. Die Mutter Marisa ist Konzertpianistin, der Vater Alberto Komponist. Carla, in Wirklichkeit die Frucht einer außerehelichen Liaison Marisas mit dem heute in Brasilien lebenden Geschäftsmann Maurizio Remmert, ist sechs, als die Familie aus Angst vor den Roten Brigaden nach Frankreich umzieht, wo sie allerlei gute Schulen besucht, um dann doch den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und Model zu werden: Ihre langen Beine sind ebenso gefragt wie die Tatsache, dass sie ihr Metier nicht wirklich ernst nimmt. Auf die Feststellung, dass sie unter all den Models geradezu eine Intelligenzbestie sei, antwortet sie einmal: "Wenn man die Fragen versteht, die einem gestellt werden, und sie dann auch noch beantwortet, dann gilt man in diesem Milieu bereits als klug."
Da ist auf der anderen Seite der beständig krakeelende Protz Sarkozy, der gern mal Menschen aus dem Volk, die ihn nicht leiden können, mit den Worten: "Hau ab, blöder Idiot" aus dem Weg schubst. Wie passt das zusammen? "Er hat mich verhext", sagt Carla.
Das muss wohl so sein. Nach Weihnachten führt der Präsident, der zwischendurch sein Gehalt um 170 Prozent erhöht hat, seine glamouröse Trophäe nach Ägypten, wo sich das schmusende Duo von Touristen fotografieren lässt. "Napoleon zog mit 34.000 Soldaten nach Ägypten, um Ruhm zu finden. Nicolas Sarkozy kam mit Carla Bruni, aus den gleichen Gründen", lästert "The Sun".
Mit dem Ruhm ist es indes nicht weit her, rasant ist Sarkozys Schussfahrt in die Klatschspalten der Regenbogenpresse. Adieu, de Gaulle: Die Franzosen haben jetzt einen Präsidenten, der sich benimmt wie Flavio Briatore. Seine Devise: Weg mit der Politik, her mit den Paparazzi. Die bemerken genüsslich, dass er seine Rolex eingetauscht hat gegen eine ein klitzekleines bisschen diskretere und erheblich teurere Patek Philippe, ein Weihnachtsgeschenk von Carla. Sie dagegen ist neuerdings beringt mit zwei Kreationen aus dem Hause Dior, genannt "Cupidon" und "Coeur Romantique". Blöd nur, dass Sarkozy Cécilia weiland genau die gleichen Ringe schenkte.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 30/2008