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12. Mai 2007, 08:19 Uhr

"Es gibt zwei Bohlen"

"Ich hab natürlich auch Angst, dass es in 20 Jahren Probleme geben könnte": Bohlen und seine Freundin Carina, 23.

Hört man sich in Oldenburg-Eversten um, wo Sie herkommen, sagen die Leute dort, Ihre Eltern seien ruhige, liebe, bescheidene Leute. Warum sind Sie so aus der Art geschlagen?

Ich bin doch genauso. Nur kann man mit diesen Attributen - zurückgezogen, blablabla - im Entertainment-Bereich nichts anfangen. Da muss man Randale machen. Zu Hause bin ich ein ganz ruhiger Zeitgenosse. Es gibt eben zwei Bohlen.

Aber ein großes Ego haben Sie schon.

Ihr verdreht Ursache und Wirkung. Das hat doch mit Ego nichts zu tun, sondern damit, dass man Erfolg haben will. Wenn ich still und leise an meinem Jury-Tisch sitze und nix sage, dann langweilen sich die Zuschauer doch zu Tode. Wir wollen mit DSDS erfolgreich sein, und dafür würde ich alles tun, bis zur absoluten Selbstaufgabe. Und wenn ich nachts acht Stunden Steine kloppen müsste. Für den Erfolg muss man Kompromisse eingehen. Aber ich mache doch mit der Presse keine Homestory, weil ich das gut finde und es meinem Ego etwas bringt.

Es ist Ihnen nicht Recht, dass so viel über Sie berichtet wird? Wir staunen.

Ihr denkt, ich renn da immer hin und sage: Mensch, schreib mal was über mich. So ist das aber nicht. Wenn ich eine Sendung promoten oder ein Buch verkaufen will, muss ich was dafür tun ...

... schon klar. Aber PR hin oder her: Es zwingt Sie doch niemand, in der Zeitung oder im Fernsehen Ihren Koi-Karpfenteich zu präsentieren. Oder Ihr Auto, das gerade aus dem Halteverbot abgeschleppt wurde.

Das seht ihr falsch. Das mit den Koi-Karpfen hatte einen Grund: Es gab einen Kandidaten bei DSDS, mit dem hab ich mich ’ne Viertelstunde über Fische unterhalten. Daraufhin habe ich den eingeladen, sich meinen Teich anzugucken, und wir haben ’ne Geschichte drüber gedreht. Das ist "part of the deal", da mache ich mit. Und das mit dem Auto war so: Ich hatte ein Interview in Hamburg, komme da raus, der Wagen ist weg, und da stehen schon die Paparazzi. Und es stehen auch dort welche, wo ich den Wagen abholen muss - denkt ihr, das will ich? Glaubt ihr wirklich, ich hab die angerufen?

Das sagt ja niemand. Sie fühlen sich von den Medien verfolgt?

Ja.

Warum hatten Sie die "Bild"-Zeitung im Haus, eine Stunde, nachdem Sie dort überfallen worden waren?

Die Paparazzi waren schon einige Sekunden nach der Polizei da.

Die hören den Polizeifunk.

Warum kann die deutsche Polizei nicht Digitalfunk kriegen? Dann wäre Ruhe. Da waren plötzlich 15, 20 Leute, zehn davon Polizisten, die Tür stand auf, und auf einmal liefen alle kreuz und quer durch mein Haus. Und ein Mann von der "Bild", den ich seit 15 Jahren kenne, war auch da; mir war das ganz lieb, dass da überhaupt jemand war, den ich kannte, mit dem ich erst mal ein bisschen quatschen konnte. Vielleicht hätte ich sagen sollen: jetzt alle raus. Aber ich stand völlig unter Schock.

Schöneres Thema, Herr Bohlen: Sie sind ein bekennender Macho.

Nö.

Was dann - ein hemmungsloser Romantiker?

Nein, ganz normal.

Aber Sie haben’s schon gern, wenn die Frau Ihnen Tee bringt und für Sie da ist.

Ich hab’s gern gemütlich, aber ich häng den Beutel genauso bei Carina in den Tee. Wenn sie beim Teekocher steht, macht sie das Wasser warm. Und wenn ich beim Teekocher steh, mach ich’s. Ich bin vielleicht nicht so der Kavalier der alten Schule, das stimmt. Ich renne nicht jedes Mal ums Auto rum, um einer Frau die Tür aufzuhalten. Das mache ich nur bei meiner Mutter. Und das Macho-Zeug ist mir angedichtet worden, weil ich manchmal Sprüche mache, die als Spaß gemeint sind, aber manchmal nicht so verstanden werden. Ich war mal mit Franz Beckenbauer bei einer Pressekonferenz, der hat da Sachen rausgehauen - mich hätten die Leute dafür ans Kreuz genagelt.

Zum Beispiel?

So was wie: "Weihnachtsgeschenke muss meine Frau sich selber kaufen, wenn sie welche haben will." Vielleicht liegt das auch an der Sprache: Mein Hamburgisch kommt eher hart rüber. Aber bei Franz mit seinem Bayerisch - da klingt die größte Beleidigung noch irgendwie supernett.

Hätten Sie auch gern so einen Heiligenschein wie Herr Beckenbauer?

Wer hätte das nicht gern? Franz Beckenbauer finde ich von A bis Z einfach nur gut. Der ist ja so was von sympathisch, den kann man wirklich nur abknutschen.

Ihre Freudin Carina ist 30 Jahre jünger als Sie. Wann haben Sie aufgehört, sich für gleichaltrige Frauen zu interessieren?

Nie! Völliger Schwachsinn! Es ist nur so, wenn ich abends weggehe, stehen da lauter 25-jährige Mädels, die ungebunden sind. Da stehen keine 40-jährigen Frauen, die altersmäßig besser zu mir passen würden. Sagt mir, wo’s die gibt!

In der Bücherhalle vielleicht?

Da bin ich selten. Mir wäre das lieber, wenn Carina älter wäre. Ich hab natürlich auch Angst, dass es in 20 Jahren Probleme geben könnte. Das weiß man ja nie. Andererseits: Simone Rethel und Jopie Heesters sind 50 Jahre auseinander - und ich glaube, die sind super glücklich. Jopie ist sowieso mein großes Vorbild, der singt mit seinen 103 noch besser als ...

... Sie?

Höhö. Sagen wir: besser als viele andere.

Was würden Sie sagen, wenn Ihre 17-jährige Tochter mit einem 30 Jahre älteren Kerl ankäme?

Das interessiert die doch nicht, was ich dazu sage, dafür ist sie viel zu selbstbewusst. Hauptsache, sie ist glücklich. Was nützt ihr ein 19-jähriges Arschloch? Ich hätte nix dagegen, wenn sie mit einem intelligenten Multimillionär ankommt.

Denken Sie manchmal: seltsam - wenn Sie Ihre drei Kinder aus erster Ehe am Wochenende da haben und Ihr ältester Sohn ist ein Jahr jünger als Ihre Freundin?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Mit Carina verstehen sich alle gut. Das Tollste ist, wenn Erika da ist, meine erste Frau, unsere Kinder, meine Eltern - und dann sitzen wir alle da und essen.

Wer kocht?

Meistens meine Mutter. Sie kommt aus Ostpreußen und hat so eine besondere Art, Kaninchen zuzubereiten. Fragt sie die Kinder: "Was wünscht ihr euch?", sagen die: "Mach mal wieder Kaninchen!" Das wird so mit Knoblauch gespickt, dass es aussieht wie ein Igel. Und dann wird es irgendwie gebraten. Das kann nur meine Mutti.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 19/2007

Interview: Ulrike von Bülow, Alexander Kühn, Kester Schlenz
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