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6. August 2003, 17:33 Uhr

"Keine Ahnung, warum mich alle so toll finden"

In Aufzählungen der begehrtesten Singles ist der Schauspieler immer weit oben zu finden© Petra Stadler

Sean Penn hat einen offenen Brief mit seiner Kritik an der Politik von George W. Bush in der "Washington Post" veröffentlicht. Und auch Sie haben sich gegen den Krieg im Irak geäußert. Sie wurden daraufhin nicht zu den Oscars eingeladen?

... da würde ich sowieso nur hingehen, wenn ein Film nominiert wäre, in dem ich mitgespielt habe. Das ist noch nicht passiert. Aber natürlich können Sie drauf wetten, dass meine Äußerungen einen Effekt auf meine Arbeit haben. Benutze ich in Interviews das Wort "liberal", guckt man mich schräg an. Liberal, das ist heute in Amerika ein Schimpfwort. Aber das wird auch wieder anders, wer die Geschichte kennt, weiß, am Ende des Tages ist die liberale immer auch die richtige Seite. Und es muss doch wohl erlaubt sein, Fragen zu stellen, bevor man auf Leute bombt und die eigenen in Lebensgefahr bringt. Und ein paar Antworten wären auch mal nicht schlecht.

Worauf hätten Sie gern eine Antwort?

Ich wüsste gern, wieso wir von den Menschen im Irak verlangen, ihre Waffen abzugeben, während in den USA jeder mit so einem Ding rumläuft. Bei uns heißt es: "Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen." Die Wahrheit ist aber doch, Menschen töten, weil sie Waffen haben. Wenn ich ständig eine geladene Kanone in der Hand halten würde, ich hätte garantiert auch schon mal jemanden umgebracht.

Trotz aller Kritik haben Sie aber immer beteuert, ein Patriot zu sein.

Das bin ich auch, ich liebe Amerika. Trotzdem macht es mir Angst, was gerade passiert. Und es macht mich wütend. Wir unterstützen Warlords in Afghanistan, wir bomben einige Länder platt und lassen Atommächte in Ruhe. Ich frage mich, mit welcher Berechtigung wir den Weltpolizisten spielen. Klar ist Saddam ein Schurke, aber was ist mit Gadhafi oder Mugabe? Was ist mit Nordkorea, Indien und Pakistan? Wenn man Ordnung schaffen will, dann bitte überall. Es gibt auch keine Beweise für Massenvernichtungswaffen. Seit dem 11. September 2001 hatten wir es auf den Irak abgesehen, haben einen Krieg geplant und dann erst nach Begründungen gesucht. Das ist eine Katastrophe. Und alles wegen eines Blow-Jobs.

Wie bitte?

Hätte Al Gore sich nicht von Clinton wegen der Lewinsky-Affäre distanzieren müssen, er hätte die Präsidentenwahl gewonnen. Und er wäre nie in den Krieg gezogen. So was Lächerliches, Lewinsky bläst dem Präsidenten einen, und deshalb attackieren wir den Irak. Jetzt hat keiner mehr den Mumm zu einer antikriegerischen Haltung, und den meisten Amerikanern ist es auch egal, ob Waffen gefunden wurden. Diese Einstellung wird sich aber ändern.

Wieso sind Sie da so sicher?

Weil Menschen Informationen wollen und die Wahrheit. Weil sie sich irgendwann wieder engagieren werden in einer neuen, jungen Bewegung. So läuft es immer, sonst geht man unter. Wir leben in spannenden Zeiten, die Welt ändert sich. Aus Freunden werden Feinde und umgekehrt. In den USA bekommt man Nachrichten nur aus dem Fernsehen, da gibt es keine Meinungsvielfalt. Wir denken, die Welt sei so, wie wir sie dort sehen, und alle Menschen seien so wie wir. Wer aber mal in Europa Zeitung liest oder BBC schaut, der merkt, dass wir gar nicht der große Retter sind, wie wir glauben. In vielen Teilen der Welt hält man uns für die Bösen. Das werden, das müssen die Amerikaner begreifen!

Sie haben mal auf die Frage, was das stilvollste Detail an George W. Bush sei, geantwortet: Colin Powell.

Stimmt, der hat wenigstens für die Wahrheit gekämpft - und ist jetzt erledigt. Aber Bush ist bestimmt überzeugt, das Richtige zu tun. Er sollte vielleicht keine Reden halten, aber der Mann ist kein schlechter Kerl. Ihm geht es nicht um Rache oder Öl, das würde ja bedeuten, dass er den Krieg steuert. Dafür sind wohl eher Rumsfeld, Cheney und Rice zuständig. Wissen Sie, ich würde das alles nicht unbedingt auf einer Pressekonferenz erzählen, aber wenn Sie schon fragen, bin ich ehrlich. Das beschäftigt mich nun mal sehr, auch wenn es bestimmt viel schlauer gewesen wäre, wir hätten nur über Mode gesprochen.

Bianca Lang
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