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Sexy: Veronas Dessous für »Otto«
Auf der Suche nach der wahren Feldbusch sein heißt auch, sich durch das Gestrüpp einer Nachrichtenwelt schlagen, die von Halbwahrheiten lebt. Verona, Bohlen, Naddel, Elvers, Lauterbach und die übrigen üblichen Verdächtigen des deutschen Boulevards haben feste Plätze auf den Seiten und in den Sendeminuten der flüchtigen News. Räume, um die sie sich streiten und in denen sie sich mit selbst produzierten Geschichten und Flunkereien zu überbieten versuchen. Die wiederholten Beteuerungen, endlich mal privat und ungestört leben zu wollen, sind geheuchelt und widersprechen dem Prinzip. Verkaufszahlen, Einschaltquoten und gezahlte Honorare aus bunten Blättern nähren den Irrtum, bedeutend zu sein oder irgendetwas zu können. Werbeverträge, in deren Klauseln auch eine Präsenz in der öffentlichen Meinung garantiert wird, erklären den zyklischen Mitteilungsdrang der Halbwert-Prominenz. »Wenn Verona um die Kurve kommt und mal wieder reden möchte, will sie etwas verkaufen«, sagt ein Mann bei der »Bild«-Zeitung. Feldbusch-Nachrichten, und sei es die, dass sie im November in Bolivien den ersten Spatenstich für ein SOS-Kinderdorf tun wird, sind ökonomisch genau durchdacht. So warb die Feldbusch-Firma bei verschiedenen Zeitschriften und Sendern um eine exklusive Teilnahme an der Charity-Tour, bei der auch die Verwandtschaft der Deutsch-Bolivianerin aufgesucht werden soll. Beiläufig teilte »Prime Artists« mit, dass alle Reisekosten der Verona-Crew von den Medien zu zahlen seien, »sie wird das dann im Fernsehen auch sagen und sich bedanken«. Tu Gutes, sprich darüber, und lass es dir bezahlen.
So mehrt sich Verona Feldbuschs Reichtum jeden Tag. Aber reicher heißt nicht besser, und das scheint sie zu ahnen. Deshalb waren die Kerner-Tränen und das »j?accuse« einer geschlagenen Frau auch Teil des Versuchs, das Produkt Verona zu verbessern - vom geliebten Dummerchen zum TV-Denkmal, zur Instanz einer Frauengeneration. Ihr wortgewandtes Beisammensein mit Alice Schwarzer empfand Verona selbst als Reifeprüfung, es mit der Welt der Gedanken aufnehmen zu können. Ernsteres und Gewichtigeres soll nun folgen.
Und so ist die Chefin wieder mal schwer zu bremsen, nach den TV-Flops »Peep« und »Veronas Welt« sollte »Einfach Verona« das quälende Urteil ihres einstigen Förderers Meier, »Verona trägt keine Show alleine«, endlich widerlegen und dem Scheidungskind die Gewissheit zurückbringen, mit allem, was sie macht, Applaus zu ernten. Oder, wie die »FAZ« mutmaßte: »«Einfach Verona» ist womöglich ihre letzte Chance, im Geschäft zu bleiben, und fest entschlossen scheint sie, sich dafür neu zu erfinden und der ewigen Pubertät adieu zu sagen.« Als dieser Versuch am vergangenen Samstag scheiterte, schauten 1,42 Millionen Menschen zu. Sie sahen zwar viel Verona, aber wenig Einfaches - die Sendung war vollgestopft mit hektischen Sekundenschnitten, halben Interviews und einer sinnentleerten Visite beim deutschen Finanzminister Hans Eichel. Zurück blieb der Verdacht, einem verdammt nervösen Mädchen zugeschaut zu haben.
Wer sich, wie Verona Feldbusch, standhaft jeder Einsicht und jeder Entwicklung verweigert, kann sich nun mal nicht neu erfinden. Manfred Meier: »Verona hat alles, was andere Frauen denken, zum Glück zu brauchen - Geld und Erfolg. Aber in manchen Minuten ist sie vielleicht unglücklicher als andere Frauen.«
Von Jochen Siemens und Ulrike von Bülow