. .
Leute - Stars und Promis
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
22. Juli 2008, 11:14 Uhr

Otto? Find ich gut!

"Wir haben Grund zum Feiern, unser letzter Wille, immer mehr Promille, Promille, Promille." Mit derlei Sprüchen bespaßt Komiker Otto Waalkes seit fast 40 Jahren sein Publikum. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Zum 60. Geburtstag eine Hommage an den Mann, der den Deutschen das Lachen lehrte. Von Mark Stöhr

60 Jahre und kein bisschen milde: Komiker Otto Waalkes© Roland Magunia/DDP

Es gab eine Zeit, da hätte es auch Loriot sein können. Wir saßen im Bus und fuhren bergwärts. Unten am Bodensee wohnten die Eltern, oben im österreichischen Gebirge wartete der Skilehrer. Eine aufgekratzte Truppe von Vorpubertierenden in Wollpullovern, die schon nach den ersten Metern vor die alles entscheidende Glaubensfrage gestellt wurden: Loriot oder Otto?

Natürlich Otto. Loriot war für Lehrerkinder und Weintrinker, die zwischen den Zeilen schmunzelten und dem akademischen Witz genüsslich nachsinnierten. Wir wollten uns schlapp lachen und tranken schon in aller Herrgottsfrühe Cola. Hochdeutsch konnte ohnehin keiner, da lag es nahe, gleich zu Dada überzugehen: "Hohes Gewicht, liebe Geschwollene, Angenagter". Otto brachte uns in den 80er Jahren das Sprechen bei und lieferte das überlebensnotwendige Rüstzeug fürs Zwischenmenschliche. "Du bist und bleibst das alte Arschgesicht / und damit wagst du dich ans Tageslicht / nein, ich ertrag deine Visage nicht". Damit war der Sitznachbar erst einmal kalt gestellt.

Otto Waalkes war damals wahrscheinlich der einzige Anarchist, der es in die bürgerlichen Wohnzimmer und Plattenschränke schaffte. Seine "Otto-Shows" fegten die Bürgersteige leer, seine Platten verkauften sich hunderttausendfach. Während die einen gegen die Pershings demonstrierten, die anderen ihre Haare pomadisierten und sich der große Rest über beide echauffierte, blödelte und knödelte sich Otto durch sein außerfriesisches Absurdistan.

"Otto - der Film" ist bis heute der erfolgreichste Streifen nach 1945

Er war die Ein-Mann-Volkspartei, die irgendwie alle wählen konnten, und erfand nebenbei den Zivi-Look, noch ehe es überhaupt Zivis gab. Ein Multi-Instrumentalist, der den Ton seiner Zeit traf und mit jedem Tastenschlag scheinbar mühelos Erfolg hatte. Sein Filmdebüt "Otto - der Film" trieb 1985 unfassbare 14,5 Millionen Zuschauer ins Kino und ist bis heute der erfolgreichste deutsche Film nach 1945. Nur einmal überspannte er den Bogen, als er über einen Selbstmord des Papstes kalauerte - "ja, wenn man sich beruflich verbessern kann" - und damit nicht nur die Katholiken gegen sich aufbrachte. Doch "schabadu und schabada": Die Sache war schnell wieder vergessen.

"Hallo Echo!" - "Hallo Otto!", die Winterfrischler vom Bodensee jagten wiehernd die Serpentinen hoch. Der Tagesproviant war längst aufgebraucht, die ersten wanden sich im Cola-Rausch. "Wir haben Grund zum Reihern / zerfrisst es uns auch die Därme / schenkt es uns doch Wärme / Wir haben Grund zum Feiern / unser letzter Wille / immer mehr Promille, Promille, Promille". Der Busfahrer ließ kaum eine Nothaltebucht aus, Otto kaum einen noch so albernen Reim. Als wir endlich das Skigebiet erreicht hatten, glotzten wir auf eine grüne Wiese. Den Klimawandel gab es damals schon, den Begriff dafür noch nicht. Wir mussten höher hinauf.

Susi Sorglos küsst ihren Föhn wie ehedem

Dass Otto den Klimawandel in der Comedy-Landschaft mit Bravour gemeistert hätte, wäre ein arger Euphemismus. Er hat ihn schlicht ausgesessen und tourt unbeirrt mit seinem 20-Liter-Humor durch die Fernsehshows und Veranstaltungshallen. Als Oldtimer mit über 40 Jahren Bühnen- und Fernseherfahrung genießt er seinen Sonderstatus und bestellt geschäftstüchtig seinen Otto-Versand mit einer Best-of-DVD-Veröffentlichung nach der anderen. Die Milz sieht immer noch was, was das Auge nicht sieht, und Susi Sorglos küsst ihren Föhn wie ehedem. Die momentane Retrowelle, die seinem ehemaligen WG-Genossen Udo Lindenberg kürzlich ein Nummer-eins-Album bescherte, kommt ihm da gerade recht.

Otto macht selbst keinen Hehl daraus, dass er vor 25 Jahren in Frührente ging. Und wenn er doch noch einmal etwas neues Großes anpackt wie die beiden "7 Zwerge"-Filme, lässt er seine jüngeren Komiker-Kollegen schuften im Akkord der Gegenwart, den er sich selbst nicht mehr antun will. Warum auch? Und warum sollte man ihm daraus einen Strick drehen? Wo steht geschrieben, dass man sich ständig neu erfinden muss, wenn die wichtigste Erfindung schon gemacht ist? Ein Alterswerk von Otto jenseits der 60, das eine völlig andere Richtung einschlägt, ist schwer vorstellbar. Es würde ihm zudem genauso zerrissen wie seine kreative Verweigerung. Wir konnten es jedenfalls damals kaum erwarten, bis wir nach dem Skikurs wieder im Bus saßen. Otto ist ein prima Reise-, nein: Lebensbegleiter. "Und damit übergebe ich mich ins Funkhaus."

Abstimmung

Seit fast 40 Jahren macht Otto Waalkes dieselben Witze. Höchste Zeit, aufzuhören, oder? Stimmen Sie ab!

Abstimmen Ergebnis anzeigen
Von Mark Stöhr
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
blendaxx (23.07.2008, 10:13 Uhr)
Ottos Auftrag
Otto hat sich einer Lebensaufgabe untergeordnet die da heißt : Bring andere zum lachen, denn Lachen macht Glücklich und Gesund !
Mittlerweile hat er das sogar bei mehreren Generationen geschafft. Ich kenn keinen den er nicht einmal in seinem Leben richtig das Zwerchfell gekitzelt hat.
Einer meiner größten Schätze meiner Kindheit war eine Schallplatte von Otto die ich bis zum erbrechen
aufgelegt habe.
Ein Highlight meiner Jugend war der Otto Film, wo ich im Vorfeld so aufgeregt war wie nur in ganz besonderen persönlichen Momenten.
Immer wieder andere zum lachen zu bringen ist wohl mit das schwerste was ein Mensch leisten kann.
Er hat bei vielen Menschen - die es manchmal selber nicht leicht hatten im Leben- die Dunkle Zeit ein wenig ausgeleuchtet.
Wenn es für sowas einen Preis gegeben würde, er hätte ihn verdient.
Erst kürzlich las ich, das er ein schwerkrankes Kind im Hospiz besuchte weil es der letzte Wunsch war - und sie lachten gemeinsam !
Otto, du bist ein wahrer Held, vor Dir zieh ich meinen Hut !
Bleib Gesund und so wie Du bist.
Filapensill (23.07.2008, 02:01 Uhr)
Langweilig
im Gegensatz zu Karl Valentin oder Vico von Bülow wird man sich in der Zukunft nur schwer an Ottos Blödeleien erinnern. Sein albernes Grimassieren und seinen anbiedernden Ton fand ich schon immer fad. Während die erstgenannten immer besser wurden, wurde Otto immer nerviger und grenzdebiler.
manesse (22.07.2008, 20:27 Uhr)
Grass, Walser und Küng
sind auch seit Jahrzehnten öffentliche Figuren und brabbeln ununterbrochen dasselbe. Otto ist also in illustrer Gesellschaft mit seinen running gags.
arniston (22.07.2008, 18:53 Uhr)
rtl müll !!!
so ein müll was der raus bringt
so eine rtl scheiss, wer darüber lacht hats gut, der merkt gar nix mehr...
Asiat (22.07.2008, 17:15 Uhr)
Ganz viele Geschenke wuensche ich!
Und dass Otto dann immer wieder sagt: "Das kann ich doch nicht annehmen! Das kann ich doch nicht annehmen, dass das alles ist!"
despera.do (22.07.2008, 16:59 Uhr)
wenn ich den bericht lese
... kommt mir der gedanke, das die schreiberlinge wohl um die mitte 20 sind und nur den platten, niveaulosen humor eines mario barth kennen. zugegeben, otto´s witze waren und sind auch eher aus der sinnfreien ecke. er schafft[e] es - im gegensatz zu barth und co. - aber, das es sich nicht ganz wie nur für geistige tiefflieger gemacht anhört[e]. aber die kanailie sorry journaile ist eben auch nicht mehr das, was sie mal war.
Amin42 (22.07.2008, 16:51 Uhr)
Otto ist ein Original....
wim Gegensatz zu vielen andren sog. Comedians kann ER es sich leisten, sich zu wiederholen. Ähnlich wie Loriot werden seine Sketche und Parodien noch in zig Jahren gesehen werden, lange, nachdem Menschen wie Mario Barth oder Ingo Appelt oder andere in der Versenkung verschwunden sein werden. Ottos Reime und Sketche sind einfach genial, genial einfach, genial blöd. Jo, ich find die gut und kann sie immer wieder sehen und immer wieder drüber lachen. Also denn, Otto Waalkes, alles Gute zum 60sten und immer sauberbleim....holladeriddiiii!
NewWorld (22.07.2008, 16:50 Uhr)
Evergreens!
Otto ist albern, aber sau-komisch dabei. Einige Gags habe ich bestimmt schon 100mal gesehen, ich kann immer noch lachen. Ich wüßte keinen Komiker, der nach Loriot in Deutschland länger erfolgreich im Geschäft ist. Das soll erstmal einer nachmachen. Um wem es nicht gefällt, der muß es sich ja nicht anhören.
Luciano (22.07.2008, 15:33 Uhr)
Hätte mal lieber der Herr Stöhr das
Interview mit Otto geführt statt diese Miesmacher Ulrike von Bülow und Alexander Kühn, denen anscheinend selbst die Grundregeln höflichen Benehmens eines Gastes gegenüber fremd sind. Denn die laden doch glatt jemanden zum Interview ein nur um ihn dann permanent wissen zu lassen wie scheiße sie ihn doch finden. Was ja auch ganz mutig ist wenn man zu zweit seinem Interviewpartner gegenübersitzt...Nein ich bin kein großer Otto Fan. Aber ich hasse einfach diese armseligen Würstchen, die sich profilieren wollen, indem sie die Leistung anderer demontieren.
havranek (22.07.2008, 14:55 Uhr)
Otto ist Kult!
Er hat einen Knall und scheint in der Kindheit stehen geblieben zu sein, aber genau das macht Otto meiner Meinung nach genial und einzigartig!
Er hat viele Dinge kreativ "zum Leben erweckt", ohne ihn gäbe es so einige Witze nicht!
Und apropos wiederholen, ist nicht einer der zurzeit (anscheinend) erfolgreichsten deutschen Komiker Mario Barth? Der wiederholt sich in jedem Bühnenprogramm 100x, ihn gibts vielleicht seit 4 statt 40 Jahren...
MEHR ZUM ARTIKEL
Interview Otto Waalkes "Ich bin nicht bereit, mich noch groß zu verändern"

Er ist jetzt 58 und gibt immer noch den Kasper vom Dienst. Auch in seinem neuen Film "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug". In diesem Leben wird Otto Waalkes nicht mehr erwachsen. Sagt er. Und dafür gibt es ein paar gut gereifte Gründe. mehr...

"7 Zwerge" Otto, wie konnte das geschehen?

An diesem Donnerstag kommt Otto Waalkes' zweiter Zwergenfilm ins Kino: "Der Wald ist nicht genug". Ein ziemlich trauriges Machwerk. stern-Redakteur Alexander Kühn weint ein bisschen in sein Kissen. mehr...

Bully und Otto "Ich stehe noch unter Schock"

Das ist der Gipfel: Zum Kinostart der Animationskomödie "Lissi und der wilde Kaiser" bat der stern Michael "Bully" Herbig und sein Idol Otto Waalkes zum ersten gemeinsamen Interview. Ein Gespräch über zeitlose Witze, verpuffte Gags, lockere Deutsche und heißen Ramazzotti. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft