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Decken, decken - nicht Tisch decken

Das ZDF wollte mit einem Werbespot zur Frauen-EM Spaß machen - und keiner findet's lustig. Dem FC Lerchenberg 02 droht nun der Abstieg in die Chauvi-Liga. Dabei hat der Clip eine positive Botschaft.

Von Mark Stöhr

  "Die waschen ihre Trikots selbst", sagte Wim Thoelke 1970 abfällig über Frauenfußball. Die Trikots sind immerhin auch heute noch sauber.

"Die waschen ihre Trikots selbst", sagte Wim Thoelke 1970 abfällig über Frauenfußball. Die Trikots sind immerhin auch heute noch sauber.

Achtung: Dieser Text enthält Passagen, die Sie verstören könnten. Es geht unter anderem um Frauenfußball. Sie wissen schon: "Decken, decken - nicht Tisch decken" (Wim Thoelke), aber "bitte, wenn's ihnen Spaß macht" (Oliver Kahn). Dank Facebook und Twitter wurde bekannt, dass in Schweden zur Zeit eine Frauenfußball-EM stattfindet. Der Waschgang war wie gewohnt auf "Shit" eingestellt. Doch die Vernetzten echauffierten sich nicht darüber, dass die deutsche Mannschaft im ersten Spiel gegen Holland das Tor nicht traf. Nein, sie waren sauer, weil das ZDF in einem Werbespot sauber einen versenkt hat. Ein Eigentor? Mitnichten. Ein Volltreffer mitten ins kleine Schwarze!

In dem Spot schießt eine Spielerin einen schmutzigen Ball in eine Wäschetrommel und startet die Maschine. In ihr Warten hinein erscheint der Slogan "Ballsauber in Schweden". Das finden viele total "klischeehaft" und "sexistisch" oder um es mit einer frisch insolventen Baumarktkette zu sagen: "Hier spricht der Penis". Es gibt sogar Forderungen, das ZDF solle den Clip unverzüglich aus dem Programm nehmen. Ist die ganze EM damit jetzt Essig? Droht den Machomännchen aus Mainz ein Boykott ihrer Berichterstattung? Eher unwahrscheinlich. Wie sollte ein Boykott auch aussehen bei einem Sport, denn doch sowieso kaum einer freiwillig guckt?

Volltreffer ohne Einparkhilfe

Daher: Liebe Freundinnen von Schalke 05, lassen wir die Küche im Dorf. Betrachten wir lieber die positiven Seiten der Geschichte. Zum Gewinn des EM-Titels 1989 bekamen die deutschen Spielerinnen vom DFB ein Kaffeeservice spendiert. Man bedenke: Damals gab es noch nicht einmal Ebay zum Weiterverticken.

Wie modern dagegen ist das Frauenfußballbild, das in dem ZDF-Trailer transportiert wird: Eine Frau jongliert den Ball gekonnt mit den Füßen in der Luft. Einmal, zweimal, dreimal. Dann nimmt sie ihn volley und knallt ihn in die Trommel im ersten Versuch. Ohne Männerdouble. Ohne Computeranimation. Ohne Einparkhilfe.

Pulleralarm im Freizeitpool

Das ZDF besteht in seinen Stellungnahmen zu der Causa darauf, dass der Spot "augenzwinkernd" gemeint sei. Soll heißen: Helmut Schmidt geht ja auch nicht zum Lachen in den Keller, sondern nur zum Rauchen. Außerdem gibt es zur Zeit wahrlich dringendere Themen: George Clooney ist wieder solo, Elton John hat Blinddarm und Chris Roberts wurde wegen erhöhter Geschwindigkeit der Führerschein entzogen.

Also schütteln wir uns wieder zurecht - und gehen doch einfach ins Freibad. Schätzungsweise 200 Liter Urin kommen dort jeden Tag in einem durchschnittlich großen Schwimmbecken zusammen. Es gilt die Regel: Je intensiver es nach Chlor riecht, desto mehr wurde gepullert. Diesen Waschgang sollte man sich vielleicht besser sparen. Dann lieber Frauenfußball im Chauvi-Sender.

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