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Heute hau'n wir auf die Plauze

Boris Becker erweitert die Kampfzone, in London starrt man auf Häuserwände und der afrikanische Kontinent ächzt unter einer neuen Plage: das Privatfernsehen missioniert per High Heels und Doppel-D.

Von Ingo Scheel

  Und ausatmen, Boris: Becker am Pool von Mallorca. Was hat er sich verändert.

Und ausatmen, Boris: Becker am Pool von Mallorca. Was hat er sich verändert.

  • Ingo Scheel

Die nicht ganz so spät Geborenen unter den Tennisfans werden sich erinnern. "Rüüüber, rüüüüber" schallte es dereinst von den Tennisplätzen der Welt. Wuttränen in den Augen, die weiß gefärbten Knöchel um den Griff des Schlägers gekrallt, auf die Netzkante schlagend, das Dasein als solches verfluchend - Beckers Boris war zu Beginn der 90er in Sachen Form und Funktion zuweilen ein paar Ballbreiten weit vom Weg abgekommen. Die Stops gerieten zu lang, die Longlines zu kurz. Erstrunden-Pleiten, verstolperte Breakbälle, und ausgerechnet im deutsch-deutschen Wimbledon-Finale, 1991 gegen Michael Stich, spielte der ewige Leimener sein, O-Ton: "schlechtestes Match aller Zeiten".

Und heute, gut zwei Dekaden später? "Rüber, rüber" ist Geschichte, "runter, runter" schallt es dem blassen Giganten entgegen. Von den Pfunden ist die Rede, von denen hat Bum-Bum nämlich, so twitterte er kürzlich zähneknirschend, fünf Kilo mehr drauf als zu besten Zeiten. Und ja, wer ganz genau hinschaut, der wird feststellen, dass Bobele nicht nur die T-Shirts von Kay Ebel und die Sonnenbrille von Christoph Daum aufträgt, sondern auch im Ober- und Unterbauchbereich den Body-Mass-Index etwas zu seinen Gunsten modifiziert hat. "Moppelchen", ätzt die Boulevardpresse, Bobbele twittert mit übersäuertem Daumen gegenan. Der passionierte Pendler zwischen Ibiza und Formentera outete sich als Titanhüftenbesitzer und Eisenschienenträger und resümiert mit der Gelassenheit der mittleren Jahre: "Sorry ... tut mir leid ... keine kurzen Hosen mehr". Was würde F.J. Wagner wohl dazu sagen?

"Alle Welt wollte wissen, wie Du riechst", hackte der Vorzeige-Rekonvaleszent der "Bild" vor Jahren einmal in die Tastatur. Heuer will die Welt wissen, was Du wiegst, lieber Boris. Zum "Wohnzimmer" hatte Bum-Bum einst den Centre Court zu Wimbledon auserkoren. Sein "Esszimmer" steht nun auf den Balearen, Facebook-Food-Fotos inklusive. "Gettin' hungry" das Credo. Mahlzeit, Bobster, oder wie es ein FB-Fan formuliert: "Fressen, fressen, fressen". Wer solche Freunde hat, erträgt auch die nächste Post von Wagner.

Sarah Knappik wird vogelwild

Es könnte ja auch alles viel schlimmer sein. Im Wüstencamp von RTL wurde in dieser Woche ein zartes Band der Liebe geknüpft. Im Fokus des Geschehens: Ex-Monrose-Diseuse Senna und ein Himba-Häuptling im siebenten Himmel. Der hatte sie als Ehefrau Nummer fünf in spe im Geiste bereits in die Familie aufgenommen, die Auserwählte brauchte jedoch noch Bedenkzeit. Bis dahin muss die Security des Nächtens ihr Schlafgemach bewachen. Wild Girls? Nun ja. Vogelwild geht es zumindest zwischen den Ohren von Sarah Knappik zu. Die schmiedet unter der Sonne Afrikas bereits dehydrierte Karrierepläne. Ihre Benchmark ist klar: "Wetten, dass..?" soll es sein. Lanz sei zwar charmant, für die Ex-Dschungelsirene jedoch besser im Bereich Sozialkritik oder Ernährung (Hallo, Boris!) aufgehoben. Gebt der Knappik das Kommando, vielleicht reicht ja erst einmal ein Volontariat als Kamerakind.

Apropos Kamera: Wer in diesen bewegten Zeiten nach Ruhe, stiller Einkehr, nach dem Ying zu dem Yang suchte, der wurde beim Blick gen britisches Königreich fündig. "Männer, die auf Ziegen starren" war gestern. "Menschen, die auf Türen starren" geriet zum neuen Ding. Die Tür gehörte zum St. Mary's Krankenhaus in der Londoner Praed Street, dahinter sollte der, die, das Thronfolgerchen des United Kingdom das Blitzlicht der Welt erblicken. Bis das schlussendllich geschah, wurde das Stilleben zu einem Hort der Ruhe, einer Oase der Relaxation. Bob Ross hätte es nicht besser malen können. Das Mauerwerk, die Tür, der Knauf. Irgendwo bellt ein Hund. Ein Strohballen weht durchs Bild. Eine Glocke läutet, ein Auto hupt zaghaft. Dann wieder Stille. Diese wunderbare Stille. Lights, Camera, No Action. Entschleunigung, Baby. So schön wird's leider nie wieder, lieber George Alexander Louis.

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