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Wohin geht's, oh Bratwurst aus Bayern?

Quo vadis, Uli Hoeneß? Aufs Altenteil, ins Wembleystadion - oder gar in eine ganz unbequeme Behausung? Schwere Zeiten an der Säbener Straße. Und in Holland erst recht.

Von Ingo Scheel

  Für ihn geht's bald nicht mehr nur beim Grillen um die Wurst: Steuersünder Uli Hoeneß

Für ihn geht's bald nicht mehr nur beim Grillen um die Wurst: Steuersünder Uli Hoeneß

  • Ingo Scheel

"Da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen." (Franz Beckenbauer am 23. März im TV-Sender Sky Sport News HD über Uli Hoeneß' Steueraffäre.)

Wer in diesen Tagen der Irrungen und Wirrungen nach ein wenig Orientierung sucht, wer nicht weiß, ob er immer noch reinen Gewissens ein Roter sein darf oder vielleicht doch zu den Blauen konvertieren muss oder sich gar ins Heer der Totenkopf-Armee einreihen sollte, der braucht einfach nur dem Kaiser aufs Mundwerk zu schauen. Lang ist es her, dass Beckenbauers Franz zu allem und jedem den Konfusius gab und Kalenderspruch-Kapriziosen unters willige Volk streute. Jetzt aber zeigt der Gigant aus Giesing endlich wieder Flagge. Und uns Fußvolk, wo in Sachen Uli Hoeneß der Hammer hängt.

Aufatmen. Schweiß von der Stirn wischen. Aber natürlich. Ein Fehler. Ein falsch gesetzter Haken. Das Kreuz auf der Überweisung an der falschen Stelle gemacht. Nein, noch anders: In der Zeile verrutscht. Die Mega-Überweisung, wahrscheinlich in Eile ausgefüllt, auf dem Weg in die Allianz-Arena, die McCurrywurst auf dem Schoß, der Fanschal kratzt den Hals schon ganz rot, da kann man schon mal schludrig werden. Schwupps, geht die ganze Penunse ab in die Schweiz. Wie sagte es der gute Wolle Bosbach in der gefühlt 197. Talkshow zur Akte Uli binnen einer Woche: "Mal den Ball flach halten." Wunderbar. Der CDU-Mann trägt nicht nur den Brettscheitel von Addy Furler in Würde auf, er ist auch in Sachen Kabinenansprache der richtige Mann. Ja, gut, äh. Sei's drum.

Nicht ganz so versöhnlich geht es heuer bei McDonald‘s zu. Das grundgute Spezialitätengeschäft nimmt die C-Wurst des Herrn Hoeneß wieder aus dem Programm. Alles hat ein Ende. Die Wurst also auch. Und so geht der Maurerpimmel, die Phosphatstange, das Ruhrpott-Carpaccio, der C-Schlauch, das Chateaubriand im zarten Saitling, kurzum die Currypeitsche in die Annalen des sympathischen Frikadellenbräters ein. Mahlzeit. Zurück zu Los Wochos. Und wer Hoeneß nur ein wenig kennt, ahnt, dass er längst an neuen Franchises schraubt. Man darf gespannt sein, in welcher Knast-Kantine demnächst die HoWe-Wurst (Slogan: "Es kann nur eine schmecken") über den Tresen geht. Knackwurst für Knackis.

Schweigen ist Silber, Singen ist Gold

Wer weiß - vielleicht ist das ganze auch nur ein ähnliches Missverständnis wie das niederländische Königslied. Was hatte man nicht alles über die Hymne für die Krönung von Willem-Alexander geschrieben. Schwachsinn. Majestätsbeleidigung. Mumpitz. Ja, Herrschaftszeiten, es is doch nur an kloanes Liederl. Eine Brise Dr. Alban, ein wenig Volksmusik der Hitparade, Chorgesänge, Pomp und Pathos, irgendwo zwischen des seligen Mooshammers Grand-Prix-Versuch und der Hitparade der Volksmusik. Wie ein klanggewordenes Bild des einstigen Nachtprogramm-Picassos Bob Ross, kurzum: genau der richtige Stoff fürs royale Spektakel.

Aber nichts da. Der Song war kaum ausgeklungen, da übertönte der Shitstorm schon die letzten Töne. Facebook-Appelle, Untertanen-Rücktritte, Prügel-Androhungen. So hatte sich Komponist John Ewbank das ganze nicht vorgestellt. Und zog das Meisterwerk zurück. Und nun: Rein in die Poffertjes, raus aus den Poffertjes. Aus Shitstorm wird Hitstorm, will sagen: Das Lied soll nun doch geträllert werden. Hartelijk Dank. Und sie sind ja auch zu schön, die Zeilen, als dass man sie auf irgendeiner B-Seite hätte verbraten mögen:

"Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt, ich werde wachen, wenn du schläfst, ich beschütze dich gegen den Sturm."

Gell, Franz, das tät in dem Uli sein Poesiebuch auch fei guat neipassn.

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