Ein "08/15-Nümmerchen" für Britt

24. März 2013, 17:15 Uhr

Überall Stillstand: Jürgen Domian vermisst seine Facebookeinträge und Britt Hagedorn weiß jetzt, wie sich die Zyprer derzeit vor den Geldautomaten fühlen. Sie steht mit leeren Händen da. Von Mark Stöhr

NDR, DAs, rotes Sofa, Jürgen Domian, Britt Hagedorn

Wird keine "08/15-Nümmerchen" am Nachmittag mehr schieben: Britt Hagedorn©

Als Jürgen Domian Anfang der Woche auf seine Facebookseite ging, dachte er sich: Ich glaub', mein Schwein pfeift. Einige Einträge waren gelöscht, auch einer zum neuen Papst. In dem fragte sich der Kummerklaus vom WDR, ob man es mit einem "Gorbatschow der katholischen Kirche" zu tun habe - oder halt nicht. Seine Schlussfolgerung: eher nicht, aber schauen wir mal. Das war schon irrsinnig langweilig. Und insofern keine Überraschung. Denn Domian sagt eigentlich immer irrsinnig langweilige Sachen. Das ist sozusagen sein Erfolgsmodell. Seine Kundschaft hat schon genug Aufregung im Leben, da will es sich nicht noch neue Gedanken machen müssen. Platzte Facebook also vielleicht einfach nur der Kragen, und es baute kurzerhand einen Aufreger ein, indem es einen Teil der Langeweile ausbaute?

Leider nein. Das Ganze war nur ein Versehen. Langweilig! Oder um es mit einem Sendungstitel der Talkshow "Britt" zu sagen: "08/15-Nümmerchen: So komme ich nicht auf Touren!" Britt Hagedorn, die Moderatorin, weiß jetzt, wie sich die Zyprioten zur Zeit vor dem Geldautomaten fühlen. Sie steht mit leeren Händen da. Diese Woche bekam sie das Kündigungsschreiben von Sat.1. Ab Juni ist Schluss. Keine Speichelproben mehr, keine Schwangerschaftstests, keine Lügendetektoren, keine alleinerziehenden Mütter, die sich vor laufender Kamera den Schlüpfer über den Kopf ziehen ("Kleine Brüste, fette Kiste – trotzdem bin ich sexy!"). Eine große Leere senkt sich nun über die Nachmittage. Wie die vielen Stunden überbrücken, bis es endlich Nacht ist und Domian einen zu seiner Psychologin durchstellt?

Ein Hexenschuss in den Ofen

Denn es kann ja nicht jeden Tag Echo sein. Man möchte hinzufügen: Gott sei Dank nicht. Die Inauguration des Papstes in Rom war eine dicke Party im Vergleich zur Verleihung des wichtigsten deutschen Musikpreises in Berlin. Nur das Durchschnittsalter der handelnden Personen war ähnlich. Hannes Wader, 70, sang mit brüchiger Stimme seinen Wanderhit "Heute hier, morgen dort" und wackelte wie eine Wanderniere immer wieder bedenklich Richtung Bühnenkante. Als Campino, 50, und seine "Toten Hosen" mit viel Strom in die bedächtige Klampfennummer einstimmten, haute es ihn regelrecht aus den Latschen.

Das war schon ein Wahnsinnseinfall: Die Uraltpunker mit ihren Uraltposen zusammen mit der Siebzigerjahre-Ikone aller linken Studienräte mit Fusselbart und Gesundheitsschuhen auftreten zu lassen. Ein geriatrisches Gipfeltreffen der Gegensätze. Ein Hexenschuss in den Ofen. Unterboten wurde dieses traurige Schauspiel nur noch von der Dankesrede von Peter Maffay, 63, der den Preis - man kichert immer noch - in der Kategorie "Live Act national" erhalten hatte. Wie ein verirrter Alter in der Rocker-Seniorenresidenz - auf der Suche entweder nach der Cafeteria oder seinem Zimmer - stand er auf der Bühne und mümmelte ein paar schwer verständliche Brocken ins Mikrofon. Wir erinnern uns: Der Mann bekam vor zwei Jahren einen Echo für sein Lebenswerk. Kriegt er den jetzt ihn zehn Jahren noch mal?

Auszeit vom Über-Ich

Während die einen Awards wie Altersflecken sammeln, wartet Jürgen Domian weiter auf die Wiederherstellung seiner Einträge. Das sei technisch nicht so einfach, hieß es von Facebook. Unser Tipp für die Wartezeit: Einfach mal ein anderer sein. Immer nur als Papst der politischen Correctness durch die Gegend zu telefonieren, ist doch auch kein Leben. Wieso sich nicht mal eine Auszeit vom Über-Ich nehmen? Wieso nicht mal so richtig aus der Rolle fallen?

Als Spielwiese für Eklats mit eingebauter Shitstorm-Garantie hat sich in letzter Zeit bekanntermaßen die DAS!-Couch im NDR-Vorabendprogramm bewährt. Das wäre der perfekte Rahmen für Domian, zur Abwechslung etwas Nicht-Langweiliges zu sagen. Zum Beispiel, dass ihm das Gejammer von den ganzen Gestörten, die ihn nachts anrufen, zu den Ohren rauskommt. Dass er stattdessen lieber eine Schmuckkollektion herausbringen würde oder insgeheim von den blonden Locken von Katja Riemann träumt. Danach könnte er selbst seine Facebookseite dichtmachen. Ist ja besser, als wenn es ein anderer tut.

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