Freie Fahrt für freie Volvos

12. Mai 2013, 14:34 Uhr

Der SPD-Chef sorgt mit seiner Tempolimit-Idee überall für gutes Klima, vor allem in seiner Partei. Und zwei Ökospießer feuerten aus veganen Gründen ihre Putzfrau. Müssen wir unsere Haustiere essen? Von Mark Stöhr

Abgewatscht, Satire, satirischer Wochenrückblick

Sein Tempolimit-Vorschlag brachte Sigmar Gabriel, nun ja, etwas weniger Zustimmung ein als gewohnt.©

Tempo 120 auf der Autobahn - da schwillt uns der Kamm. Da schießt uns das Blut in die Birne. Da werden wir zu "Furious Fergie", dem künftigen Trainerrentner von Manchester United. Beißen auf unseren Kaugummis herum, als wäre es Jürgen Trittin. Brüllen. Beleidigen. Brettern ins Bad und pfeffern die Putzmittel durch die Gegend. Auch die veganen, vor allem die. Apropos putzen: War eigentlich die Putzfrau schon da? Diese Polin? Wie hieß die noch? Rosa? Nein, nicht Rosa. Das ist die Katze.

Mit seinem Tempolimit-Vorschlag diese Woche stand SPD-Chef Sigmar Gabriel mal eben an der völlig verkehrten Zapfsäule auf der Suche nach Super-Plus für seine Schlafwagen-Genossen.

Er hätte auch ein Verbot aller Flüge nach Mallorca vorschlagen können. Oder die bundesweite Schließung sämtlicher Waxing-Studios und McDonalds-Filialen. Oder eine sofortige Verhaftung von den Rädelsführern der unzähligen Junggesellenabschiede auf der Reeperbahn. Die Freude wäre ähnlich riesig gewesen.

Die SPD hat einfach noch zu viele Wähler

Wer wissen will, wie die Volksseele wirklich tickt, also die Mehrheit der Leute, die sich eher ein Kruzifix in die Küche hängen, als ihr Kreuzchen bei den Grünen zu machen, für den gibt es einen todsicheren Gradmesser: den Kommentarbereich von "bild.de".

Da sind die ganz heißen Köche und Schnellfahrer unterwegs. Sie geben sich Namen wie "Ulla Meckerliese", "Mein Senf" oder "Inne Fresse". Tempolimit? Ja, sind wir denn in der "Steinzeit"? Wird das hier eine "DDR 2.0"? Sollen Mercedes und Co. jetzt ein "Trabi-Werk" aufmachen? Wollen die uns "eine der letzten Freuden, die es in Deutschland noch gibt", wegnehmen?

Das einzig Erhellende an dieser immer wieder witzlosen Tempolimit-Debatte war das Outing von Andrea Nahles. Die Generalsekretärin der Sozialdemokraten sprang ihrem Boss behende wie ein Reh zur Hilfe. Sie sagte: "Wenn ich eine freie Strecke habe, wie zum Beispiel auf der A 48, fahre ich schon gerne schnell." Anschließend rühmte sie sie sich ihrer Raser-Punkte in Flensburg. Zwischenruf aus der "Bild"-Community: "Nur weiter so, SPD! Ihr habt einfach noch zu viele Wähler."

Zwei mutmaßliche Grünen-Wähler aus Neukölln wurden diese Woche gegen ihren Willen als Ökospießer geoutet. Das war ein großer Spaß. Von dem Ehepaar kursierte ein Kündigungsschreiben im Netz, das an dessen polnische Putzfrau gerichtet war.

Diese, so der Vorwurf, habe zum wiederholten Male und gegen die Abmachung konventionelles anstelle von veganem Putzzeug benutzt. Die Folge: der Untergang der Welt, schlimmer noch: "Unsere Katze Rosa wirkt jedes Mal verstört, nachdem Sie in unserer Wohnung waren." Außerdem wird der Reinigungskraft nahegelegt, sich doch in Polen einen Job zu suchen wegen ihres klimaschädlichen "Pendeln-per-PKW". Ende des Ökodiktats.

Türkische Abgeordnete auf der Überholspur

Nun ist es ja bekanntlich so, dass die Ökobilanz solcher gutbetuchter Bionade-Knallköpfe oft selbst mau ist. Sie wohnen mit zu wenig Leuten in zu großen Wohnungen und machen zu selten Urlaub auf dem eigenen Balkon.

Mit dem Flieger nach Schweden oder mit dem Volvo nach Südfrankreich - so viel ungespritzte Birnen kann man gar nicht essen, um das ganze Kohlendioxid wieder reinzuholen. Zumal eine ausgewachsene deutsche Katze ungefähr so viel CO2 ausstößt wie ein ausgewachsener Ägypter. Experten raten daher zu essbaren Haustieren.

In der Türkei hat das Parlament übrigens gerade in seltener Einigkeit einen Gesetzesentwurf eingebracht, der vorsieht, dass Abgeordnete in Zukunft von den wichtigsten Verkehrsregeln ausgenommen sind. Sie sollen über rote Ampeln fahren dürfen und schneller als erlaubt. Das ist eine Spitzenidee, oder nicht, Herr Gabriel?

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