Ganz unten

9. Juni 2013, 17:22 Uhr

Die Bel Étage des jungen deutschen Films hält die Visage für Billig-Buletten hin. Der neueste Streich aus dem Inkognito-Labor des Günter Wallraff? Mitnichten. Karma-Downsizing der ganz realen Art. Von Ingo Scheel

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McDonald's, Moritz Bleibtreu, Jochen Vogel, Alexandra Maria Lara, Cro

Moritz Bleibtreu und Alexandra Maria Lara sind nur zwei von zehn Stars, die in der umstrittenen McDonald's-Kampagne mitwirkten.©

Geht Ihnen das auch so? Man betrachtet diese Bilder und meint, jeden Moment muss das doch aufgelöst werden. Kann ja nur ein Scherz sein. Nicht mehr lange und Frau Lara lüftet das Shirt, um ihren Oberkörper zu entblößen. "McDonald's Horror Show" hat sie voller Femen-Furor draufgekritzelt. Winterscheids Joko nimmt die Kassenbrille ab und zertrampelt sie wie weiland Woody Allen. "Nimm' das, McDoof", der Rest der Bande lacht. Ulmen reißt sich den falschen Bart ab, wirft ihn in die Luft, Applaus, Jubel. Irgendeiner hält das Feuerzeug ans lächerliche Burgerkostüm, schnellt brennt das Ding lichterloh. Im Veitstanz umringen sie die Flammen. Cro reißt sich die Panda-Maske ab. Günter Wallraff kommt zum Vorschein. Mehr Applaus. April, April. War doch alles nicht so gemeint.

Aber nichts da. Alles nur geträumt. Wallraff döst weiter irgendwo in seinem Verschwörungslabor, ins Kalenderblatt vom 1. April ist längst ein Fisch eingewickelt - kurzum: Die McDonald's-Kampagne entpuppt sich als Realo-Horror erster Kajüte. Man kann nicht so viel 1+1 essen, wie man erbrechen möchte. Dumping-Löhne, Rinderfolter, Fettleibigkeit? Schnurzpiepe. Her mit dem Spruch-T-Shirt, der schönsten Erfindung seit dem Bierbike, rein ins Merch-Vergnügen. Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel, Alexandra Maria Lara - von cool auf Shitstorm mit zwei Burgerbissen. Mittendrin Oliver Korittke, der aus der Wäsche guckt wie ein dementer Pudel. Ahnt hier einer, dass die Idee dann doch eher mittel war?

Wunderbare Fußnote in diesem Burger-Ballyhoo: Das umgedrehte Kreuz auf der Stirn vom Cro-Panda. Satanismus in der McDonald's-Werbung, ein kongenialer Geniestreich. Hölle, Hölle, Hölle. Jonathan Meese hätte es sich nicht besser ausdenken können. Was kommt als nächstes? Fatih Akin dreht Werbespots für Immobilienmakler? Heinz Strunk wirbt für die GEZ? Jürgen Vogel für Banken? Wie, was? Macht er schon? Na dann.

Lothar Matthäus droht mit Comeback

Als wären "Los Shitstorm Wochos" im Hobbykeller von Ronald McDonald nicht genug, entpuppen sich auch die restlichen Schlagzeilen der Woche als psychedelische Backward-Messages aus der Unterwelt:

Ralf Möller liest auf Klo.

Justin Bieber fliegt ins All.

Willy Herren und Peter Wackel streiten um Sommerhit.

Die Geissens kommen zu "Wetten, dass..?"

Und Brad Pitt kifft wieder.

Hoffnung, Streicheleinheiten, Balsam für die Seele kommt wieder einmal von Lothar Matthäus, stellt der doch endlich ein Comeback in Aussicht. Dabei legt er sein Schicksal ausgerechnet in die Hände seiner Facebook-Freunde. "Für eine Million spiele ich wieder." Wohlgemerkt, hier ist nicht von Penunse die Rede. Loddar hat seine Follower im Blick. Eine Million Mal "Gefällt mir" geklickt - und Meister Matthäus nimmt die Buffer wieder vom Nagel. Sportdirektoren, schaut auf diesen Mann: Es fehlen nur noch schlapp 600.000 Klicks. Welch ein Ausblick für die kommende Saison. Lothar Matthäus back in the Game. Hätten wir da nicht alle ein bisschen lucky?

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