Ist Merkel da schon drin, oder was?

23. Juni 2013, 08:46 Uhr

Da betritt Angela Merkel mal #Neuland und alle lachen sich tot. Dabei ist die Kanzlerin totaler Technik-Fan, wie man weiß. Wie gut, dass wenigstens DJ Marusha zu ihr hält. Von Mark Stöhr

10 Bewertungen
Internet, Neuland, Angela Merkel, Boris Becker

©

Was ist eigentlich dieses Internet? Lohnt sich das für mich? Mal den ZDF-Experten mit der lustigen Uhr auf der Krawatte fragen. Der geht mit der Zeit. Und er wusste schon 1996: Dieses Internet ist besser als eine eiskalte Spezi auf dem Pariser Platz, wenn Barack Obama spricht. Im Internet, so der Krawattenmann, kann man eine Reise buchen. Man kann es aber auch lassen und von zuhause aus "ein Taucherparadies erkunden", einfach per PC und Modem. Verrückt dieses Internet. Was man auch noch kann: "Bei seinem Lieblingsverein Grüß Gott sagen." Das ist der FC Bayern München. Aber auch Borussia Dortmund soll ja mittlerweile eine Internetseite haben.

14 Jahre nach Boris Beckers Mondlandung ("Äh? Was? Bin ich da schon drin? Äh? Was? Ich bin drin!") fiel beim Besuch eines amerikanischen Präsidenten mal wieder ein großer Satz. Weil Angela Merkel ahnte, dass bei der Rede Obamas nichts rumkommen und den Gästen in der Hitze ohnehin nur der Schweiß in die Ohren laufen würde, nahm sie die Sache vorher selbst in die Hand. Und so trat sie vor die Presse und sagte diesen einen Satz - "Das Internet ist für uns alle Neuland" -, wegen dem sich jetzt die ganze Netzgemeinde wiehernd auf dem Touchpad wälzt. Werden wir von einer Kilobyte-Kanzlerin regiert, bei der es erst pfeift und zischt, wenn sie online geht? Von einer Sofa-Surferin? Einer Daten-Dampflok?

"Merkel strahlt stärker als Gorleben"

Natürlich nicht. War nur so ein Mutti-Satz, kennt man ja. Marusha, die Rave-Omi mit den lustigen Verkleidungen, liebt Angela Merkel für solche Sätze und überhaupt. Das weiß man seit ihrem Interview kürzlich mit der "Welt". Die Kanzlerin sei zwar nicht Harry Potter, lasse sie aber trotzdem ruhig schlafen, sagte sie dort. Und: "Angela Merkel leuchtet durch ihre Aura. Sie strahlt stärker als Gorleben." Ein Bild wie eine plötzliche Rückkopplung. Vielleicht sollte man mal die möglichen Langzeitfolgen von Techno über die Schädigung des Gehörs hinaus genauer untersuchen.

Zumal Merkels Affinität für die digitalen Technologien ja bekannt ist. Schon um die Jahrtausendwende herum präsentierte sie sich als absolute Internet-Pionierin mit einer todschicken Filiale im Netz, bei der auch das Menschliche im Analogen nicht zu kurz kam ("Wenn mir genügend Zeit bleibt, pflege ich meine Hobbies: Lesen, Wandern und Gartenarbeit"). Obama überraschte sie bei seinem Besuch mit einer "Photobomb" (Huffington Post) von ihrem Smartphone aus, die sogleich den Weg ins Internet und von dort aus um den Globus fand. Sie darauf groß und unscharf im Vordergrund, der US-Präsident mehr als Ahnung auf der anderen Seite des Kabinettstischs. Ein Schnappschuss wie mit ihrem Mann Joachim beim Italiener auf Ischia.

Nur noch FDP-Politiker fallen einfach so hin

Bestimmt ist Merkel auch schon im Besitz dieser neuen App, die es dank eines Bewegungssensors erlaubt, im Gehen zu surfen und zu twittern, ohne dass man Gefahr läuft, gegen eine Laterne oder eine Glastür zu donnern. Das Ding schlägt nämlich vorher Alarm. Die Nasenbeinbrüche und Kopfbeulen wegen solcher Online-Unfälle in der Off-Welt häufen sich explosionsartig. Im Grunde legen sich heutzutage eigentlich bloß noch Spitzenpolitiker der FDP einfach nur so auf die Fresse.

Obama verließ am Mittwochabend um 22.11 Uhr mit seiner Air Force One wieder die Hauptstadt. Was blieb von seinem Besuch außer einem Satz, den er gar nicht selbst gesagt hat? Ein Kassenzettel von einer kleinen Shoppingtour seiner beiden Töchter. 28,70 Euro für eine BaseCap, ein T-Shirt und einen Schlüsselanhänger. Wenn sie mal groß sind, redet wahrscheinlich kein Mensch mehr von diesem Internet.

Lesen Sie auch
Lifestyle
Wissenstests Wissenstests Wie gut kennen Sie sich aus mit Promis und Royals? Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe! Zu den Wissenstests