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6. März 2010, 17:40 Uhr

Zu frivol fürs Werbefernsehen

Vor dem Weltfrauentag erschüttert uns eine Sexismus-Debatte: In Australien wurde ein Spot mit Pamela Anderson gestoppt, in Brasilien Bierwerbung mit Paris Hilton. Nur "Naddel" nippt am Prosecco. Von Stefan Mielchen

Pamela Anderson, Paris Hilton, Naddel, Abgewatscht, Weltfrauentag

So lasziv räkelt sich Pamela Anderson im jetzt entschäften Werbespot© Splashnews

Der Frühling naht. Im Gepäck hat er wie in jedem Jahr die gleichnamigen Gefühle, und davon derzeit reichlich: Nachdem Lothar und Liliana wieder anbandelten, folgte diese Woche Teil zwei der sorgsam inszenierten Matthäus-Passion: das Loddar-Leben geht weiter, doch diesmal sind ganz, ganz große und ehrliche Gefühle mit im Spiel! "Ich liebe Lothar und benutze ihn nicht als Sprungbrett", musste die 22-Jährige Gespielin des Herrn Weltfußballers wie an Eides statt der "Bunten" versichern. Wer hätte daran ernsthaft gezweifelt? "Unsere Liebe war nie erloschen", säuselte schließlich auch der Gatte an gleicher Stelle, um vor lauter Gefühlsduselei zu lyrischen Höhenflügen anzusetzen: "Die Liebe ist doch keine Glühbirne, die man einfach so ausknipsen kann", glaubt Matthäus, der in Liliana seine Energiesparlampe gefunden zu haben scheint. "Das Band zwischen uns war nie gerissen, lediglich gedehnt." Herzerweichend! Wir fühlten uns während der Interview-Lektüre denn auch nie gerührt, lediglich geschüttelt.

Aber wer wollte zu früh den "Sand in den Kopf stecken" (Matthäus)? Formel-1-Pilot Lewis Hamilton ist ebenfalls um eine Comeback-Erfahrung reicher. Die recycelte Beziehung mit Sängerin Nicole Scherzinger folgt jetzt einem total romantischen Drei-Stufen-Plan. Die beiden wollen ihre gemeinsame Zeit künftig "qualitativ nutzen, um eine bessere Bilanz zu erzielen", behauptet das britische "Hello!"-Magazin. In Zeiten der Krise wird eine Beziehung eben auch bewertet wie ein Börsenkurs. Frauenschwarm Lewis soll bei Restaurantbesuchen künftig seinen Blackberry daheim lassen und täglich mit Nicole reden, statt ihr SMS zu senden. Die vielbeschäftigte Popquietsche will im Gegenzug ihre Termine ordnen. Liebe kann so weh tun!

Cora Schumacher, die Zicke

Das wissen auch Cora und Ralf Schumacher, deren Beziehungsaktien sich scheinbar im freien Fall befinden: "Wir sind zufrieden und haben ein harmonisches Familienleben", erklärte die Rennfahrergattin mit dem obligatorischen Anflug von Zickigkeit dem ARD-Magazin "Brisant". Klingt wie das genaue Gegenteil, zumal das Paar seit Monaten nicht mehr gemeinsam gesichtet wurde. Wahrscheinlich ist es einfach angenehmer für Ralf, SMS zu senden statt täglich mit Cora zu reden. Sie hingegen ist offenbar damit ausgelastet, ihre Termine zu ordnen: Nachdem Cora ihre Salzburger Boutique "Coka" nach wenigen Monaten schon wieder geschlossen hat, wartet sie auf lukrative Angebote im Bereich Schauspiel und Moderation. Das kann dauern.

Wie man die Zeit zwischen den Angeboten sinnvoll nutzt, macht einmal mehr Nadja Abd El Farrag vor. Damit ihr nicht langweilig wird, hat sich Naddel an Oberbauch und Hüfte einfach mal ein wenig Fett absaugen lassen. 6000 Euro kostete der Spaß, und der war dringend nötig: die 1,79 Meter große Naddel hatte sich schließlich von 45 auf 60 Kilo hochgefuttert! Angeblich, weil sie von den Magersucht-Gerüchten genervt war. Jetzt bekannte die Bohlen-Ex leicht angefressen: "Ich nahm an den falschen Stellen zu." Ob das vielleicht an dem ein oder anderen Gläschen Prosecco zu viel lag?

Boris Becker gewährt dem Papst eine Audienz - oder, ähm, umgekehrt

Einer geistigen Frühjahrsdiät hat sich offenbar auch Boris Becker unterzogen. Er möchte seinen kleinen Amadeus alsbald dem Papst zuführen und dem Heiligen Vater eine Audienz gewähren. Der dürfte auf diese Form des Missbrauchs gerade noch gewartet haben. Beckers Begründung für die geplante Rom-Reise klingt ungemein plausibel: "Mit dem zweiten Namen heißt unser Amadeus ja Benedict wie unser deutscher Papst." Nee, is' klar! Außer an sich glaubt Bobbele übrigens auch an den lieben Gott, wie ihm kurz vor seiner jüngsten Vaterschaft einmal mehr bewusst wurde: "In diesen Phasen zwischen Himmel und Erde, als wir auf unseren Boy gewartet haben, wurde ich sehr demütig und fast christlich", beichtete Becker sehr bildhaft seiner Boulevardbibel. Fast christlich und sehr demütig verriet er überdies, dass Amadeus per Kaiserschnitt auf die Welt kam, denn: "Lilly war bis zum Schluss unsicher, ob sie die Schmerzen einer natürlichen Geburt ertragen kann." Natürlich, Kindermachen ist eben angenehmer als Kinderkriegen. Beckers Kumpel Benedikt XVI. wird begeistert sein!

War sonst noch was? Na klar: Kurz vor dem Weltfrauentag erschüttert eine veritable Sexismus-Debatte die Werbeindustrie. In Australien wurde ein Spot mit Pamela Anderson verboten, in Brasilien erhitzt Bierwerbung mit Paris Hilton die Gemüter. Busenwunder Pam muss sich in einem goldenen Bikini lasziv verbiegen, während sich weiße Flüssigkeit über sie ergießt. Paris Hilton spielt in aufreizender Pose mit einer Dose, bevor sie das Bier vor dem Kühlschrank zischend öffnet. Der ganz normale Wahnsinn also, der den körperlichen und intellektuellen Begabungen der beiden Darstellerinnen schmeichelt und nicht mehr als ihren Alltag abbildet. Doch die Feministinnen toben hier wie dort: "Diese Werbung erniedrigt blonde Frauen." Mag ja alles sein, Mädels! Aber ist das Abarbeiten an dämlichen Männerphantasien nicht eigentlich total 80er? Selbst "Bild"-Werbeikone Alice Schwarzer ist da doch mittlerweile weiter. Jede Wahrheit braucht schließlich eine Mutige, die sie ausspricht. Und sei es für Geld.

Von Stefan Mielchen
 
 
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