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Der Schill und die Sünde

Er war Innensenator und Zweiter Bürgermeister von Hamburg. Jetzt tritt Ronald Schill in der RTL-Nacktshow "Adam sucht Eva" auf. Suche nach dem Kern eines Populisten.

Ronald Schill

Ronald Schill zieht sich für die RTL-Nacktkuppelshow "Adam sucht Eva" aus.

1,95 Meter groß ist der neue Adam und 90 Kilo schwer. Geduckt tigert Ronald Schill über den Kölner Domplatz - ausgerechnet Domplatte. Der Mann, der einmal Hamburger Innensenator und Zweiter Bürgermeister war, lebt eigentlich in einer Favela in Rio de Janeiro. Nun ist er aber in Köln, wo er PR für die RTL-Nacktkuppel-Show "Adam sucht Eva" macht. In Rücken türmen sich über 750 Jahre christliches Abendland, rußschwarz. Hoch oben im Dom leuchtet ein Gerüst. Es sieht aus wie ein anatomisches Stützkorsett.

Der Instinktpolitiker wittert einen Auftritt: "Von diesem Platz gingen Anfang des Jahres Breaking News hinaus in die Welt. In der Silvesternacht wurden zahllose Frauen von Migrantengruppen belästigt. Ich war überrascht, dass die deutschen Medien darüber fast eine Woche kein Wort verloren."

Er schaut maliziös. Man spürt: Manchmal möchte er am liebsten gleich wieder losziehen, von Platz zu Platz, Megaphon in der Hand, auf Stimmenjagd. So wie damals, 2001, als er mit seiner "Partei Rechtstaatlicher Offensive" aus dem Stand 19,4 Prozent geholt hat. , AfD - in diesen Wassern könnte er mühelos fischen. Würde er nicht gern mitmischen bei Petry & Co? "Im Ernst? Ich bin es gewöhnt, in erster Reihe zu stehen", sagt er. "Ganz oben. In einer Partei, die meinen Namen trägt."

Blaues Wildlederjackett, Jeans, ausgetretene Segelschuhe, Radkuriertasche. Federnder Schritt, müde Augen. Er steuert auf ein Lokal am Rheinufer zu, Blick auf die Hohenzollernbrücke. Früher hat er drüben im Hyatt gewohnt. Fünf Sterne, toller Blick auf Dom und Rhein. Heute, wo er selbst zahlen muss, kommt er am Stadtrand bei einem Freund unter. Schill bestellt Schweinshaxe und eine große Cola.


Vom Senat in die Nacktkuppelshow

Herr Schill, Sie waren einmal Zweiter Bürgermeister der stolzen Hansestadt Hamburg. Jetzt treten Sie bei einer Nacktkuppelshow im Trash-TV auf. Was ist passiert?

"In meinem Leben ging es immer darum, alles auszukosten", sagt er. "Viele gehen mit ihrem Leben um, als hätten sie fünf davon. Ich habe nur eins, und das ist kurz. Das Amt des Zweiten Bürgermeisters habe ich damals nicht errungen wie ein normaler Politiker, der sich hochdient - Hinterzimmer, Seilschaften, Posten-Geschacher. Ich habe die Stadt in 15 Monaten erobert. Nach 44 Jahren -Herrschaft. Aber ich war immer schon unseriös. Ich habe durch mein lasterhaftes Leben meinen Feinden in Medien und Politik zu viel Angriffsfläche geboten. Ich bin immer der gleiche geblieben. Die Leute denken immer: Wie kann sich ein Senator dazu herablassen, bei einem solchen Format mitzumachen. Aber wenn ich zu schönen Frauen ins Paradies eingeladen werde, lasse ich mich nicht lange bitten. Um etwas Vergleichbares zu erleben, müssen sich Islamisten in die Luft jagen."

Schills Leben ist ein Roman. Allerdings einer, den jeder Kritiker sofort in den Mülleimer werfen würde, so unwahrscheinlich ist der Plot. Vielleicht ist dieses Leben also eher ein Stück Boulevardtheater. Aufstieg und Fall eines Populisten; eines exemplarischen Vorläufers all jener irrlichternden Hasardeure, die gerade wieder so große Erfolge feiern.

Ronald Barnabas Schill wuchs in einem Hamburger Arbeiterviertel auf. Sein Großvater war Kommunist gewesen. 1944 wurde er vor den Augen seines Sohnes von der Gestapo verhaftet und anschließend ermordet. Schills Großmutter wurde kurz drauf ebenfalls festgenommen und verschwand bis zum Kriegsende. Schills Vater musste sich im zerbombten allein durchschlagen. Er litt ein Leben lang an der traumatischen Erfahrung und suchte Zuflucht im Alkohol. Schills Vater war Quartalstrinker mit Abstürzen, die mehrere Tage dauern. "Ich wurde Zeuge, wie mein Vater meiner Mutter immer wieder Gewalt antat", sagt Schill. "Ich konnte ihr nicht helfen. Es war schrecklich."

Er will Menschen verstehen und kontrollieren

1966 wurde der Mörder seines Großvaters begnadigt. Schill erinnert sich: "Ich war sieben Jahre. Mein Vater saß am Küchentisch, las die Meldung und sagte: 'Ich würde den gerne umbringen.' Ich bestärkte ihn darin."

Als Schill zehn war, trennten sich seine Eltern. Ronald war ein schlechter Schüler. Bis er merkte, dass man über Leistung Anerkennung bekommt. Plötzlich stürzte er sich ins Lernen. Schaffte den Numerus Clausus, begann ein Psychologie-Studium. "Menschliches Verhalten ist das Spannendste überhaupt auf der Welt", sagt er. "Insbesondere das Verhalten von Menschen in Extremsituationen."

Schill will Menschen verstehen und kontrollieren. Oder verstehen, um sie zu kontrollieren. Er kann gut zuhören, stellt interessiert Fragen. Nur über Politik darf man nicht mit ihm reden. Dann gerät er in Rage, wittert Terror-Zellen überall und sticht mit seinem Messer rhythmisch auf die krosse Kruste seiner Schweinshaxe ein. Böser Pegida-Onkel.

Ronald Schill schwor Rache

Nach zwei Semestern gab Schill sein Psychologie-Studium auf. Zu viel Statistik, zu wenig Menschen. Er studierte Jura, wurde Richter. In kurzer Zeit brachte er mit harten Urteilen die ganze Hamburger Justiz gegen sich auf. Es kam so weit, dass man Richter Gnadenlos wegen Rechtsbeugung anklagte. Schill wurde erst suspendiert, dann ins Zivilrecht versetzt. Von nun an musste er Mietsachen bearbeiten. Langweilig. Man hatte ihm seinen Traumjob genommen. Er hatte nichts mehr zu verlieren. Schill schwor Rache am ganzen Apparat.

Noch im Jahr seiner Strafversetzung gründete Schill seine "Partei Rechtsstaatlicher Offensive". Programm: Maximale innere Sicherheit. Brechmittel für Dealer. Kastration von Sexualstraftätern. Knallharte Anti-Drogen-Politik. Man hatte ihm den Gerichtsaal genommen. Also wollte er das Rathaus erobern. Mitten im Wahlkampf verlor er seinen Vater. Er erinnert sich: "Mein Vater starb mit 66 Jahren an den Folgen seiner Alkoholsucht. Er wurde zu Grabe getragen, als meine Wahlplakate die Friedhofsumgebung schmückten."

Die feine Hansestadt ließ sich verführen vom rechten Populisten. Schill erzielte bei den Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft 19,4 Prozent. CDU-Kandidat Ole von Beust sah in ihm ein willkommenes Werkzeug, nach Jahrzehnten der SPD-Herrschaft die CDU an die Macht zu bringen. Er koalierte mit dem Rechtspopulisten und machte ihn zum Innensenator und Zweiten Bürgermeister. Schill wurde Nachfolger von Olaf Scholz. "Ich habe Scholz die größte Niederlage seines Lebens zugefügt", sagt er triumphierend und lacht ein meckerndes Lachen. "Ich liebe es, Menschen in Extremsituationen zu bringen. Am liebsten Frauen im Bett. Aber zur Not auch mal Herrn Scholz."

Senator im Bett

Kaum Innensenator, stürzte Schill sich ins Nachtleben. "Gleichzeitig mit meiner Inthronisierung war meine langjährige Beziehung in die Brüche gegangen. Ich wollte wieder auf die Piste. Ich war ja auch nicht als Mönch gewählt worden. Und plötzlich hatte ich noch viel mehr Erfolg bei den Frauen. Frauen lieben Männer mit Geld. Aber Männer mit Macht sind noch unwiderstehlicher. Senator im Bett: Mir sprangen die Frauen mit gespreizten Beinen entgegen."

Schill wurde Stammgast im Promi-Club "Insel". Noch heute schwärmt er: "Ein unerschöpfliches Reservoir an willigen Frauen. Tolle Lage, Villa an der Alster. Mein Wohnzimmer. Dort schickte Michael Ammer seine Luder los. Dieter Bohlen kam, Prince und eben auch Senator Schill. Ich hatte nur eine Angst: Dass mir irgendeine Frau untergeschoben würde, die später behaupten würde, ich hätte sie vergewaltigt. So hätte man mich von heute auf morgen stürzen können. Nur die Einfallslosigkeit meiner Feinde schützte mich. Trotzdem gaben sie sich alle Mühe: Kaum war ich drei Monate im Amt, inszenierte man gegen mich eine Kokain-Kampagne. Dabei hatte ich noch nie Kokain genommen. Aber es war so geschickt gemacht, dass ich den Verdacht nur noch mit einem Haartest entkräften konnte. Wie der Trainer Daum. Für einen Innensenator natürlich desavouierend. Von dem Moment an wusste ich, dass ich als Politiker keines normalen Todes sterben würde."

Er setzte sein lasterhaftes Leben fort

Schill feierte. Kam erst um 11 ins Rathaus, ging nachmittags als Erster. Die Arbeit erledigte seine rechte Hand, Staatsrat Walter Wellinghausen. Eine wahre Wunderwaffe: "Sie konnten irgendwo im Rathaus einen Schrank aufmachen - Wellinghausen saß schon drin. Hat Tag und Nacht gearbeitet. Wahnsinn. Ich habe die großen Linien vorgegeben. Wenn man an der Spitze steht, ist das Schlimmste, sich mit Akten vollmüllen zu lassen. Nur bei einem freien Schreibtisch bewahrt man sich den Blick fürs Wesentliche. Je höher die Position, desto freier muss der Schreibtisch sein. Wellinghausen hielt mir den Rücken frei. Deswegen konnte ich es mir leisten, mein lasterhaftes Leben fortzusetzen. Ich wusste, der Laden wird straff geführt. Ohne ihn hätte ich ja selbst arbeiten müssen."

Schill blieb Fremdkörper im vornehmen Hamburger Rathaus. "Dieses hanseatische Understatement habe ich nie geschätzt. Dazu war ich zu sehr Streetfighter." Trotzdem kamen der feine Ole von Beust und der joviale Schill anfangs gut miteinander aus. Bis Innensenator Schill 2002 erstmals eine Rede im Bundestag hielt. Er missbrauchte eine Fluthilfe-Debatte, um Bundeswahlkampf für seine Partei zu machen. Von Beust tobte.

Der Eklat zwischen Ronald Schill und Ole von Beust

Ein Jahr später kam es zum Bruch zwischen Bürgermeister und Freibeuter. Staatsrat Wellinghausen hatte unerlaubte Nebeneinkünfte bezogen, von Beust wollte ihn entlassen. Doch Schill wollte die Stütze seiner Regierung mit allen Mitteln halten. Er wusste: Ohne Wellinghausen wäre sein hedonistischer Lebensstil nicht fortzuführen gewesen.

Es gibt zwei Versionen des Eklats. Von Beust sagt, Schill habe ihn damals schlicht erpresst. Sollte er Wellinghausen entlassen, wollte Schill publik machen, dass von Beust einen Studienfreund zum Justizsenator gemacht habe, von dem er, Schill, wisse, er sei auch Ole von Beusts Liebhaber. "Dreckige Homo-Erpressung", titelte die "Bild".

Schill bestätigte von Beusts Darstellung auf einer Pressekonferenz. In den tumultuösen Stunden zuvor war auf seiner Oberlippe ein Stress-Herpes erblüht, der die ganze Unappetitlichkeit der Hamburger Politik zu symbolisieren schien.

Heute stellt Schill den Eklat als Höhepunkt einer lang geplanten Intrige gegen ihn dar. Der Erpresser stilisiert sich zum Opfer von Polit-Filz. Grundhandwerkszeug eines Populisten. Schill sagt, seit seinem umstrittenen Bundestagsauftritt sei von Beust bemüht gewesen, ihn loszuwerden. Hinter seinem Rücken habe der Bürgermeister mit dem Vorsitzenden der Schill-Partei konspiriert. Von dem habe sich Ole von Beust zusichern lassen, dass die Schill-Partei die Koalition auch ohne ihren untragbaren Namensgeber weiterführen würde. Diese Zusicherung sei von Beusts heimlicher Trumpf gewesen. Es brauchte nun nur noch einen Anlass, Schill zu feuern. Also warf von Beust Schills wichtigstem Mann Wellinghausen einen Knüppel zwischen die Beine.

Schill wurde unehrenhaft entlassen

Im August 2003 wurde Schill unehrenhaft entlassen. Man nahm ihm die Glock 17, die er immer bei sich trug. "Lieblingspistole aller Attentäter", sagt er. Es amüsiert ihn, dass Ole von Beust sagt, ihm breche immer noch der Angstschweiß aus, wenn er an die geladene Glock in Schills Schulterholster denke.

"Mein Parteivorsitzender wurde als Lohn seines Verrates Zweiter Bürgermeister", sagt Schill. Später schnitt sich der Mann irgendwo in Asien die Pulsadern auf. Der Tag, als Schill davon las, ist ihm als ein guter Tag in Erinnerung. 

Nach seinem Sturz tauchte Schill in Brasilien unter. Insgesamt kassierte er ein Übergangsgeld von 175.000 Euro für seinen Senatorenposten. Irgendwann kaufte er sich ein Häuschen in der Favela Pavão-Pavãozinho. Heute lebt er von einer Richterpension von 1400 Euro. Als Sozialschmarotzer, gegen die er als Politiker immer gewettert hat, fühlt er sich nicht. Schließlich habe er die Gesetze ja nicht gemacht, die ihm seine Pension sichern. Das seien ja die Sozis gewesen. Selber Schuld. Wäre er wieder Richter geworden, hätte man ihn doch nur erniedrigt. Und er hätte das Recht auf Pension verschenkt. Schill verschenkt nichts.

Der Law-and-Order-Hardliner lebt im Verbrechersumpf. In seiner Nachbarschaft stehen junge Männer Schmiere und schlagen Alarm, wenn die Polizei kommt. Nicht unweit seines Hauses liegt der Erschießungsplatz eines Drogenkartells. "Ich war immer fasziniert von der Favela", sagt Schill. "Hier muss man lernen, mit den Kartellen umzugehen, um nicht umgebracht zu werden. Einbrüche und Raubüberfälle werden immer außerhalb der Favela begangen. Erstens ist dort mehr zu holen. Zweitens herrscht in allen 300 Favelas von Rio ein ehernes Gesetz: Wer die Mitglieder der Favela-Gemeinschaft schädigt, wird am nächsten Tag erschossen. Das Kartell übernimmt die Ordnungsfunktion von Gericht und Polizei."

Schill fühlt sich wohl in diesem archaischen Rechtssystem. Hier studiert er jetzt wieder Psychologie. Seine eigene. Und die seiner Mitmenschen. Extremsituationen beflügeln ihn immer noch. Er liebt es, sich und andere in Gefahr zu bringen. Nur dann offenbart sich der wahre Charakter eines Menschen. "Jeden Morgen schwimme ich einen Kilometer hinaus aufs Meer", sagt er. "Wenn ich einen Krampf kriege oder ein Hai auftaucht, bin ich erledigt. Danach erscheinen mir alle Sorgen zweitrangig."

Lebenslust und Arbeitsunlust an der Copacabana

An der Copacabana trifft er immer wieder deutsche Auswanderer, die den ehemaligen Strafverteidiger um Rat fragen. Zwielichtige Typen mit krimineller Vergangenheit. "Ein Milieu, in dem pralle Lebenslust und schlaffe Arbeitsunlust aufeinander treffen." Unterhaltsame Gestalten, die ihm von Drogentransporten über die bolivianische Grenze erzählen; von Gefängnissen, in denen sich Dutzende eine Zelle teilen müssen, in der Mitte ein Loch für die Notdurft. Die Mächtigen sitzen am Zellenrand, die Underdogs hocken fast über dem Loch. Faszinierend. Wieder eine Extremsituation. Wieder eine archaische Gesellschaftsordnung.

Seinen 48. Geburtstag feierte Schill mit einem dieser zwielichtigen Bekannten aus der deutschen Community. Mit dabei: Seine damalige Partnerin Corinna, Ex-Frau von Udo Jürgens. Das Casting in Schills Leben muss ein angetrunkener Pokémon übernommen haben.

Man speiste vornehm, trank ausgiebig. Irgendwann erbot sich der deutsche Bekannte, die Festgesellschaft in die Favela zu führen. Er kenne dort den allmächtigen Drogenbaron. Man zog los, und Schill wurde "Balla" vorgestellt. "Balla" bedeutet "Kugel". So hieß der Kartell-Chef, weil er schon 88 Menschen umgebracht hatte. Balla lehnte an einem Tischfußball. Seine Body-Guards hatten ihre Kalaschnikoffs abgelegt und kickerten. Balla ließ vier Koks-Linien auslegen, das Fest nahm seinen Lauf.

Schill fragte feixend, was wohl ein Foto von der Koks-Sause wert wäre: Ronald Schill mit Udo Jürgens Ex-Frau koksend in der Villa des Massenmörder Balla. Mit diesem Scherz habe er den Deutschen wohl damals auf eine dumme Idee gebracht, sagt Schill. Denn bei der nächsten Koksparty filmte der Deutsche Schill und Corinna Jürgens und forderte anschließend 600.000 Euro von ihnen. Schill ging nicht darauf ein. Die "Bild" kaufte einen Ausschnitt des Videos und stellte ihn ins Netz.

Koksvideo und "Adam sucht Eva"

Das Koksvideo hat Schill nicht geschadet. Er hat sich damit endgültig als Provokateur und Hasardeur positioniert. Das sichert ihm hin und wieder einen Platz in Reality-Shows. So kam es, dass ihm der angetrunkene Casting-Pokémon für die nächste Staffel "Adam sucht Eva" Janina Youssefian in die Vita geworfen hat.

Herr Schill, sind Sie ein unmoralischer Mann, der sein Leben vergeigt hat?

"Mit Moral, Gewissen und Anstand kann ich nichts anfangen", sagt der neue Adam nach einem Leben voller Lust und Sünde. "Das alles hat für mich einen muffigen Beigeschmack. Ich kann nur etwas anfangen mit Recht." Die öffentliche Meinung ist ihm heute egal. Natürlich, nach seinem Rauswurf sei es hart gewesen. In Blankenese ließ man ihn nicht mal mehr auf den Tennisplatz. Doch Schill sieht seinen Fall philosophisch: "Um einen guten Ruf muss man kämpfen. Das ist mit dem Verlust der Freiheit verbunden. Und meine Freiheit ist mir derartig wichtig, dass ich auf den guten Ruf lieber verzichte. Mit meinen Provokationen demonstriere ich den Leuten, dass mir ihr Urteil vollkommen gleichgültig ist."

Nur Nahestehende, die möchte er nicht verletzen. Seine Mutter zum Beispiel. Jene Frau, die er nicht vor ihrem alkoholabhängigen Mann schützen konnte. "Meine Mutter wird mich immer lieben", sagt er. "Egal, was ich mache. Wichtig ist nur, dass ich ihr nicht wehtue. Ich glaube, 'Adam sucht Eva' ist okay für sie. Ich überschreite damit keine Grenze. Das wäre etwas anders, wenn ich Pornofilme drehen würde."

Der ewig geile Sex-Senator

Schill ist mit sich im Reinen. "Ich kenne sogar die Quelle zum Glück", sagt er. "Seine Bedürfnisse erkennen und sie optimal befriedigen. Meine Bedürfnisse lauten: Abenteuer erleben, die Welt kennen lernen, mit Frauen schlafen." Ach, Herr Schill, der ewig geile Sex-Senator, das ist doch eine Masche! Schill schüttelt ernst den Kopf und sagt: "Ich kann über die größte Niederlage hinweg sehen, wenn ich richtig geilen Sex habe. Darüber kann ich sogar vergessen, dass Ole mich gefeuert hat. Der Kontrollverlust der Frau im Moment des Orgasmus ist für mich das Größte. Eine Theorie besagt, dass Alphatiere ihre Kraft aus dem weiblichen Orgasmus schöpfen. Dem kann ich nicht widersprechen. Frauen bereiten mir mehr Freude als alles andere im Leben. Vor allem solche, die fähig zu multiplen Orgasmen sind. Auf denen spiele ich wie ein Geigenvirtuose auf einer Stradivari. Ich versuche, ihnen ganz besondere Klänge zu entlocken."

Ronald Barnabas Schill ist heute 58 Jahre alt. Er glaubt, ihm bleiben nicht mehr als zwölf Jahre. Zwölf Jahre für ein Leben, das seinen wahren Bedürfnissen entspricht. Und dann? Behalte er sich vor, dieses Leben zu beenden. Länger reiche das Geld auch nicht.

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