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18. Dezember 2007, 10:44 Uhr

Der Untergang eines Nobelpuffs

Amsterdam schließt eines der bekanntesten Bordelle Europas: Yab Yum, in den 70er Jahren Treffpunkt der Hautevolee, war einst das Vorzeigeetablissement in Holland. Den Behörden scheint die lange Tradition des Hauses jedoch egal zu sein. Von Albert Eikenaar, Amsterdam

Von außen unscheinbar: Yab Yum in Amsterdam© Peter Dejong/AP

Eine schönen Blondine gießt sich mit laszivem Blick langsam ein Gläschen Champagner ein. Dann trinkt sie einen Schluck. Die Kamera zoomt auf ihre vollen roten Lippen. Hier geht's nicht um eine Getränkewerbung, sondern um Sex. Millionen von Niederländern lernten durch diesen sexuell angehauchten Fernsehspot das beste, feinste, teuerste Bordell des Landes kennen: Yab Yum, an der Singel, mitten im sogenannten Grachtengürtel von Amsterdam. Das Traditionshaus steht kurz vor der Schließung. Grund sind zwielichtige Geschäfte der neuen Besitzer.

Die Blütezeit des Yab Yum begann 1976, als Puffs noch offiziell verboten waren, ganz zu schweigen von Werbespots für ein Etablissement. Trickreich hat Yab Yum sein 15-Sekunden-Filmchen so gestaltet, dass jeder den Wink mit dem Zaunpfahl verstand, obwohl nichts gezeigt wurde. Zeitungen, Magazine, Fernsehnachrichten und Radioprogramme berichteten bald über die Nobelchampagnermarke, die man(n) ausschließlich im Yab Yum Club erwerben konnte. Basispreis: 600 Deutsche Mark, Lady inlusive. Sogar aus Japan und den USA reisten Reporter an, um das Konzept hautnah zu erleben. Yab Yum galt schnell als das beste Bordell der Branche - in ganz Europa.

Kesse Studentinnen gesucht

Seinen Aufstieg zum ersten Haus am Platz hatte das Borell vor allem seinem Besitzer zu verdanken: Theo Heuft. Der ehemalige Perückenverkäufer verstand es besser als kein anderer, seinen "Sexladen" an den Mann zu bringen. Im Leidener Universitätsblatt warb er Studentinnen für den bezahlten Sex in nobler Umgebung an. Ein betriebswirtschaftlicher Volltreffer. Yab Yums Personalanzeige kostete fast nichts, der Aufschrei in den Medien war jedoch riesig. "Schande über ihn", zeterten die Moralritter in den Schlagzeilen der Zeitungen. Und tatsächlich meldeten sich bereitwillige Studentinnen in Scharen.

Innen plüschig: die Lobby des Yab Yum© Screenshot

Und auch zahlungskräftige Kundschaft kam. Immobilienmakler, Aktienhändler, Finanziers und Investoren schlossen tagsüber Millionendeals und begossen sie abends im Yab Yum. Das "Entspannungszentrum" bot alles für den gehobenen Gentleman und versprühte einen Hauch von Luxus - mit reichlich Blattgold, Marmor und schickem Design. Die Herren der Superklasse sollten sich in diesem Ambiente wohlfühlen und genießen. Die schönen Ladys gehörten selbstverständlich dazu.

Aids und kriminelle Gestalten verhagelten das Geschäft

Die ersten Probleme tauchten Anfang der 80er Jahre auf. Angezogen von viel Geld, tauchte zwielichtiges Publikum auf, das aus dem Nobellkokal eine Art "Klubhaus" der Amsterdamer Unterwelt machte. Ganz allmählich verschwand dadurch die feine Kundschaft der ersten Garnitur. Heuft hatte größte Mühe, sein ursprüngliches Konzept umzusetzen. Außerdem nahm die Gefahr von Aids vielen Männern die Lust auf Sex mit unbekannten Mädels, auch wenn diese noch so strahlend, sauber, nett und elegant aussahen.

Um die gut betuchten Geschäftsmänner nicht zu verlieren, erhöhte Heuft das Niveau. Er richtete im Haus eine eigene Klinik ein mit Ärzten, die alle seine Damen ständig auf Geschlechtskrankheiten kontrollierten. Kondome waren ab sofort Pflicht - vor 25 Jahren ein absolutes Novum. Außerdem setzte Heuft auf echte Damen, die professionell arbeiteten und nicht im Entferntesten nuttig aussahen. Das Honorar war entsprechend hoch. Es gab Frauen, die an einem Abend ein gutes Monatsgehalt verdienten.

Theo Heuft träumte davon, Sex in seinem Etablissement in den Hintergrund zu stellen. Seine Idee: der Kaviarclub. Dort konnten Männer ganz entspannt mit einer Klassefrau nach Wahl leckere Häppchen schlemmen. Der Höhepunkt war dann kulinarischer Art: Beluga-Kaviar. Der Sex war nicht inbegriffen. Die Idee scheiterte. Denn als die Herren der Schöpfung für die kulinarischen Leckereien Tausende Gulden hinblättern mussten, begehrten sie mehr: "een wipje" - und zwar gratis.

Verkauf zum Spottpreis ruft Steuerfahnder auf den Plan

In den 90er Jahren gewann die Unterwelt dann doch die Oberhand. Fast jeden Abend organisierten zwielichte Gestalten feuchtfröhliche Feste. Gewinne aus dem Drogenhandel und anderen krummen Geschäften sprudelten. Geld spielte keine Rolle. Heufts Kasse stimmte zwar - er war längst Millionär - aber ihm verging die Lust, noch länger als der "gesellschaftlich akzeptierte Zuhälter" gefeiert zu werden. Er hatte die Nase voll. 1999 verkaufte er Yab Yum - viel zu billig, wie die Branche munkelte - für einen Spottpreis an einen Kollegen, der einen Swingerklub betrieb und der in die professionelle Welt der Prostitution einsteigen wollte.

Genau diese Transaktion rief jetzt die Amsterdamer Justiz auf den Plan. Der Kaufpreis sei so niedrig gewesen, dass die Fahnder Geldwäsche vermuten. Die Differenz zwischen dem wirklichen Wert und der bezahlten Summe soll schwarz abgerechnet worden sein, lautet der Vorwurf der Finanzbehörden. Heuft verneint das. Ob Schwarzgeld mit im Spiel war, klärt jetzt ein Gerichtsverfahren.

Das Bordell selbst steht vor dem Aus. Die Behörden weigern sich, eine neue Getränke- und Gastwirkschaftskonzession zu erteilen. Ermittlungen hätten ergeben, dass die Gefahr bestünde, dass die Lizenzen für das "Begehen von Straftaten" und "illegale Praktiken" verwendet werden. Die Kripo vermutet, dass Yab Yum das Bindeglied einer Geldwäschekette ist. Heufts Nachfolger legte gegen den amtlichen Beschluss zur Schließung Berufung ein. Solange die zuständigen Richter kein Urteil gefällt haben, bieten die Mädels von Yab Yum noch ihre teure Liebe an.

Von Albert Eikenaar, Amsterdam
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
TaraHamburg (20.12.2007, 10:24 Uhr)
Krank?
Sehr geeherte/r senf-dazu-geben,
ich freue mich natürlich sehr, dass Sie mir keine Rechts - oder Links gerichteten Parolen unterstellen! Die haben in meinem Posting auch nichts zu suchen- außer Jemand möchte die reininterpretieren?
Auch politische Ziele verfolge ich mit meinen Worten nicht- für mich persönlich ist Toleranz kein Wort welches ich nur fordere- sondern sogar bereit bin zu leben. Das zeigt sich gerade in Antwort auf Ihr Statement, dass ich die Toleranz aufbringen kann, Ihnen ein paar der „guten alten Vorurteile“ wieder abzunehmen.
Es hat nichts mit „Machtpositionen“, geschweige denn mit "Herrenmenschen" zu tun, wenn ein Mann die Freude an seiner Sexualität in einem Bordell lebt und sich dadurch auch erlebt.
Es hat in der heutigen Zeit nicht einmal etwas mit „besonders viel Geld“ haben zu tun.
Für jeden Geldbeutel gibt es ein Etablissement welches seine Erlebnisse durchaus mit nicht minder attraktiven Damen als in einem Hautevolle Bordell zu erfüllen gilt.
Natürlich gibt es diese Männer von denen Sie in Ihrem Posting sprechen- die sich die „Edelsexworkerinnen“ und Edelpuffs leisten können- aber es gibt genauso den Handwerker- den Angestellten- oder den Verkäufer die sich dieses Vergnügen erlauben.
Junge- attraktive Damen die für Geld „die Schenkel spreizen“, (was manN durchaus charmanter ausdrücken könnte- so man dessen fähig wäre!), die die vermeintlich fehlgeleiteten sexuellen Triebe eines Mannes (vielleicht sogar älteren Mannes der keine Partnerin mehr hat, geschweige denn eines unattraktiven Mannes- wobei sich mir die Frage stellt: Wer bestimmt Attraktivität?) befriedigen - und das ganze sogar unter Umständen nicht nur des Geldes wegen, sondern tatsächlich auch des Spaßes an der Sache tun, durch Ihre Worte so zu diffamieren, zeugt für mich weiterhin dafür, dass SIE nicht in der Lage sind, die Dinge aus freundlichen Gesichtspunkten betrachten zu wollen/können.
Natürlich gibt es die Damen die das nicht freiwillig tun(Prostitution von Deutschen und Ausländerinnen die verschleppt und gezwungen wurden und werden- ist ein Thema welches NICHT aus den Augen verloren werden darf!)- oder aus Geldsorgen sich diesem Beruf zuwenden.
Der Großteil der Frauen jedoch ist heute durchaus in der Lage das für sich selbstbestimmend als Beruf zu wählen. Und das ist kein schlechterer Beruf als irgend ein anderer Dienstleistungberuf.
Fragen Sie doch einmal eine Verkäuferin ob es Ihr gefällt, wenn ein Mann sich mit seinem Anliegen eine Ware zu kaufen, dabei übel nach Knoblauch riecht und penetrant nervende Fragen stellt- ob Sie diesen Kunden nicht nur freundlich behandelt, weil es Ihrem Berufsbild entspricht?
Für Sie jedoch ist Prostitution und das Nutzen dessen schmutzig und mit Vorurteilen behaftet. Weitergehend wagen Sie es sogar Menschen be- UND zu verurteilen, die nicht IHRER NORM von „NORMAL“ entsprechen!
Einen Bordellgänger als psychisch kranken Menschen hinzustellen, der nicht in der Lage sein sollte Beziehungen zu führen, oder sich einer Frau in freundlicher Absicht zu nähern, nur weil er sich dieses „Vergnügen“ leistet ist meiner Sicht nach mehr als Kurzsichtig und dumm.
Es zeugt davon, dass Sie sich mit dem Thema nicht auseinander gesetzt haben- aber glauben durch Ihre Sicht diese Menschen in den Dreck ziehen zu dürfen- sogar als „krank“ hinstellen zu dürfen. Mit welchem Recht eigentlich?
Das Spiel um Liebe und Sexualität ist sicher so alt wie der Mensch an sich- aber es als „Druckventil“ zu bezeichnen, zeigt mir das Ihre Sicht an der „schönsten Nebensache der Welt“ wohl von schlimmeren persönlichen Erfahrungen her rühren, und SIE mit dem Thema mehr Probleme haben- als Sie sich je zugestehen werden.
Da ist mir jeder Puffgänger als Mann willkommener als so ein verkappter Moralist, der nie den Spaß und die Leidenschaft in freier und selbstbestimmter Sexualität erleben wird- da er mehr Zeit damit zubringen muss – Menschen zu verurteilen die sich die Freiheit nehmen genau das zu leben.
Freundliche Grüße TaraHamburg (die weiblich ist und keine Frau der französischen Liegewiese!)
senf-dazu-geben (19.12.2007, 23:10 Uhr)
"Toleranz und Selbstbestimmung" für Herrenmenschen
Liebe/r/s TaraHamburg: es liest sich natürlich sehr nett, dieses "Toleranz und Selbstbestimmung". Eine solche, scheinbar menschenfreundliche Überschrift erinnert mich zunächst an die aktuelle politische Strategie von Rechtsradikalen, wohlmeinende Parolen von Linksradikalen zu übernehmen (wobei ich Ihnen keinen Rechtsradikalismus unterstellen möchte, doch aber die wohlfeile Interpretation hübscher Slogans).
In zweiter Linie haben Sie in Ihrer Weltsicht mit großer Leichtigkeit mal eben schnell übersprungen, dass es gute Gründe dafür gibt, dass (vorwiegend junge und mehr oder weniger attraktive) Frauen entgeltlich das uralte Rein-Raus-Spiel mit (häufig älteren, mehr oder weniger attraktiven, immer aber zahlungsfähigen) Männern vollziehen: es geht ums Geld. Punkt. Und nochmal: Punkt. Plus Mehrwertsteuer. Und es geht um die finanzielle Macht, sich "käufliche Liebe" leisten zu können. Die wiederum etwas damit zu tun hat, dass Männer in der BRD üblicherweise in gut bezahlten Machtpositionen sitzen, Frauen sich gemittelt aber eher über das Spreizen der Schenkel etwas dazu verdienen.
Die Stammtische dieses Deutschlands, das ich heute erleben darf und gestern auch schon erleben durfte, liegen mir äußerst fern. Im Gegenteil sind es meiner äußerst subjektiven Weltsicht gemäß vor allem Stammtischbrüder und Vorstandsvorsitzende, die Puffs besuchen. Ich besuche keine Puffs und vermisse dabei nichts. Statt dessen frage mich: was, außer einem Gramm abgesonderten Spermas und unwägbar wenig Verbindlichkeit suchen die Kunden im Poppensupermarkt "Bordell"?. Antwort: eine Psychotherapie für ihre persönliche Unfähigkeit, Verbindlichkeit mit Frauen (und wahrscheinlich auch anderen Menschen in ihrem Umfeld) im echten Leben herzustellen.
Puffs sind Bedürfnisanstalten. Bitte keine Glorifizierung von Druckventilen einer fehlentwickelten Sexualität.
Vincent_Vega (19.12.2007, 09:28 Uhr)
Noble Edelpuffs mit "hohem Niveau"
bieten den "Damen" wenigstens mehr Sicherheit vor dem Freier als der Straßenstrich, wo sie denn sonst anschaffen müssten.
TaraHamburg (19.12.2007, 09:08 Uhr)
Toleranz und Selbstbestimmung
Ich glaube es ist vermessen zu sagen, dass jeder "frei werdende Puff" zu einer Sozialen Einrichtung umfunktioniert werden sollte...leer stehende Immobilien gibt es ausreichend!
Wenn man denn gerne mehr soziale oder kulturelle Einrichtungen für sich wünscht, sollte man diesen Leer Stand nutzen- anstatt sich darüber aufzuregen, dass es „so etwas wie einen Puff“ gibt.
Wenn auch Ihnen Herr senf-dazu-geben ein Puff Besuch abwegig erscheint, für sehr viele liberal und tolerant denkende Menschen ist es ein Normales Thema.
Ihre persönliche Armut zeigen Sie durch Ihre "schmierige Fantasie" die nicht zulassen können, dass nicht alles an käuflicher Liebe schlecht ist.
Das eine gut aussehende Dame „Sie mit dem A****“ nicht ansehen würde, muss dann doch wohl eher an Ihrer Person und Ihrem sprühenden Charme liegen, den Sie durch Ihr Statement deutlich erkennen lassen.
Menschen zu verurteilen, weil Sie sich und Ihre Sexualität mit einem selbstbestimmten Recht ausüben,(welches Sie sich offensichtlich nicht eingestehen können und wollen), als "verwerflich" hinzustellen zeugt eher von einer sehr begrenzten Sichtweise.
Nicht alles was Sie nicht verstehen können ist falsch.
Toleranz und soziale Kompetenz beginnt mit der Freiheit die wir Anderen aus unseren Sichtweisen heraus zu gestehen können. Bei Ihnen scheint beides nicht über „Stammtischparolen“ und „doppelte Moral“ hinaus zu gehen.
senf-dazu-geben (18.12.2007, 19:24 Uhr)
Rohr verlegen
Der Artikel beschreibt schon ganz richtig das, worum es beim Poppen im Puff geht: Geld bezahlen dafür, mit einer aufgedengelten Tante, die das Geld dringend braucht und Dich sonst nicht mit dem A*** anschauen würde, in einer kühl kalkulierten Scheinwelt ein Rohr zu verlegen. Dieses Prinzip ist ja schon recht alt und wird dadurch, dass, wie hier, einst die "Hautevolee" ihre Rohre verlegte, kein bisschen weniger schmierig. Ich persönlich kann an Prostitution nichts glamouröses Erkennen, so sehr ich es versuche.
Meine Meinung: Arm vorher und nachher sind die, die für Sexualität bezahlen (wollen). Jeder Puff, der dicht macht, bietet eine leere Immobilie als Grundlage für eine psychologische Beratungsstätte, ein Theater, eine Kindertagesstätte oder ein schickes Kulturzentrum.
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