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Der weibliche Pete Doherty

Tattoos, Hotpants und exzessiver Drogenkonsum - damit macht Englands größtes Gesangstalent Amy Winehouse derzeit Schlagzeilen. Doch der Versuch, das Leben einer Rock-Legende zu führen, ist für die Sängerin erstmal gescheitert.

Von Shila Behjat, London

Es ist der Soundtrack zum wilden Partyleben einer Londoner Göre: "They try to make me go to rehab" ("Sie versuchten mich in den Entzug zu bringen"), groovt Englands Skandal-Popstar Amy Winehouse auf ihrer Single "Rehab". Sie spritzte, schluckte Pillen, trank sich ins Koma - und sang sich mit einem vehementen "I say no, no, no" ("Ich sage nein, nein, nein…") in die Herzen der Briten. Nein zu was? Zum Drogenentzug!

Amy Winhouse ist nicht der einzige Star, der Drogenprobleme hat. An Vorbildern mangelt es nicht: Pete Doherty oder Lindsay Lohan zum Beispiel. Doch keiner hatte die Chuzpe sein "Nein" zum Entzug auch noch in Liedform zu präsentieren. Aus dem vorlauten "No" wurde allerdings innerhalb weniger Tage ein kleinlautes "Yes", nachdem sie sich sich selbst in die Entzugsklinik "The Causeway" in Essex einwies. Der Grund: ein Komplettzusammenbruch.

Boulevard-Presse stürzt sich auf Winehouse

Sobald die Nachricht von Amys Zusammenbruch kam, sprühten die Klatschseiten der englischen Boulevardpresse vor Schadenfreude, schilderten in bunten Farben die Heroin- und Haschexzesse der Sängerin. "Wino Watch" heißt die Kolumne der "Sun", die einzig dem wilden Leben der Winehouse gewidmet ist: "Wie lange kannst du noch, Amy?", "Amy im Drogen Kollaps", "Amy Winehouse: Ich bin selbstmordgefährdet", titelte das Blatt.

Noch höher schlugen die Klatschwellen freilich, als Amy ihren Entzug vorzeitig abbrach. Nicht irgendwie, sondern per Hubschrauber floh sie aus der Entzugsklinik, um dann mit Ehemann Blake Fielder-Civil um die Häuser zu ziehen. Die Eltern, er Taxifahrer, sie Apothekerin, sind in Sorge. Sie beschuldigen Ehemann Blake, der Amy in einer Blitzhochzeit im März in den USA heiratete. Er würde die Tochter verderben, klagte Vater Mitch, sie immer tiefer in den Sumpf ziehen.

Hinter der Fassade ein ganz normales Mädchen

Hinter dem ganzen Trubel steht streichholzartig eine staksige Gestalt in Hotpants, ein 23-jähriges Mädchen mit altbackenen Tattoos und aufgetürmter Frisur, deren Erscheinung sich als Comicfigur eignen würde. Ihre Stimme, ihr Sinn für Musik und ihre Bühnenpräsenz sind das, was an Amy Winehouse begeistert. Endlich mal wieder eine Sängerin mit Format. Was nervt, ist ihr verzweifelter Versuch, das Leben einer Rock-Legende zu leben. Natürlich bespuckt sie Fans, sie übergibt sich auf der Bünhe, gibt zu, Drogenprobleme zu haben und magersüchtig zu sein - mittlerweile soll sie sogar ihrer Schwiegermutter von ihrer Heroinsucht und Bulimie erzählt haben.

Doch so ganz passt ihr Images nun doch nicht zu ihrem eigentlichen Leben. Statt sich in den rauhen Osten der Stadt zurückzuziehen, nach Hackney etwa, wo sich Pete Doherty vergnügt, schlendert Amy lieber durch Camden, einen Stadtteil, der eher als einer der besseren bekannt ist. Der Regents Park liegt hier, es ist sauber, teuer und friedlich. Und auch wer sich unter Amy Winehouse' Stammkneipe eine Spelunke vorstellt, wird enttäuscht sein. "The Hawley Arms" liegt ebenfalls in Camden an einem Kanal, wenn die Sonne scheint, sitzen ganz normale Menschen draußen. Das Innere ist lichtdurchflutet, helles Holz, Ledersessel und neue Möbel, es ist luftig und freundlich. Nett. So wie Amy Winehouse vermutlich im wirklichen Leben auch ist. Und was ihre Musik nicht schlechter machen würde.

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