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20. Juli 2007, 15:39 Uhr

Soul-Göre bespuckt ihre Fans

Talentiert, frech, unangepasst, auffällig: Das ist Amy Winehouse. Mit ihrer Mischung aus Motown-Soul und Doo Wop zieht sie die Fans in ihren Bann. Sie selber scheint allerdings eher im Bann des Alkohols und muss aufpassen, dass ihr größter Hit nicht doch mit einem "And I said yes" endet. Von Frank Diebel

Ein wandelnder Bienenstock: Während ihrer Karriere wurden die Haare von Amy immer höher und höher...© Leon Neal/AFP

Amy Winehouse, 23, Großbritanniens talentierteste und frechste Soul-Göre, machte ihrem Namen (zu Deutsch "Weinhaus") wieder alle Ehre: Inzwischen übertrifft sie den ähnlich durchgeknallten Sangeskollegen Pete Doherty, Frontman der britischen Band Babyshambles, nicht nur in Sachen Talent und Erfolg, sondern auch was den "Rock-'n'-Roll-Lifestyle" betrifft.

Bei einem Konzert auf der Anlage des Eden Projects (ein botanischer Garten der im Südwesten gelegenen Grafschaft Cornwall) soll sie die Fans sogar angespuckt haben. Den ganzen Abend lang war ihr Verhalten äußerst bizarr: Zeitweise standen ihr die Tränen in den Augen, sie schlug sich selbst mit dem Mikrofon, weil sie ab und zu die Texte ihrer eigenen Songs vergessen hatte, und brabbelte Schimpfwörter ins Mikrofon.

"Verpisst euch"

Während des letzten Songs "Valerie" stürmte sie plötzlich von der Bühne - das Konzert war damit zu Ende. Ein Augenzeuge berichtete: "Der Gig war total grauenhaft. Einige ihrer Roadies kamen auf die Bühne, offensichtlich weil sie dachten Amy könnte nicht weitermachen, und sie schrie nur 'verpisst euch'. Sie tat uns allen Leid."

Dabei konnten die Fans froh sein, dass die spindeldürre Winehouse überhaupt aufgetaucht war. Laut Medienberichten hat die Soul-Röhre eine Reihe von Konzerten auf der Insel kurzfristig wegen Erschöpfung abgesagt. Leider wurde sie anschließend von Fans und/oder Paparazzi bei Trinkgelagen in ihrem Lieblingspub "The Hawley Arms" in Nord-London gesehen.

Winehouse beim "Wino Watch"

Der ungezügelte Lebensstil der Sängerin stieß auch der Presse auf. Die britische Boulevardzeitung "The Sun" titelte vor kurzem provozierend: "Wie tief kannst du sinken, Amy?" Dort wurde inzwischen auch die Kolumne "Wino Watch" eingerichtet ("Wino" engl. für Penner): Wer die wilde Rockerbraut in der Kneipe statt auf der Bühne erblickt, der soll bitte sofort die Zeitung verständigen, die dann prompt eine entsprechende Meldung veröffentlichen will.

Die englische Tageszeitung "The Mirror" fragte dagegen sorgenvoll: "Was passiert mit unserem 'Lieblings-Jazzbabe' Amy Winehouse? Wir machen uns wirklich Gedanken." Von offizieller Seite versuchte man die Angelegenheit herunterzuspielen: "Amy Winehouse ist Rock 'n' Roll. Sie kommt nicht auf die Bühne und schwingt schöne Reden", sagte ein Mitarbeiter des Eden Projects.

Seit Mai 2007 ist Amy Winehouse mit Blake Fielder-Civil verheiratet© Dave Hogan/Getty Images

Soul-Göre in der Lebenskrise?

Amys Sprecher sah das ähnlich: "Amy war sauer auf sich selbst. Sie ist ein bisschen eingerostet, nachdem sie eine Weile nicht aufgetreten ist und hat sich dann sehr aufgeregt, weil sie einige Fehler gemacht hat."

Was genau der Grund von Winehouse' vermeintlicher Lebenskrise ist weiß niemand. An mangelndem Erfolg kann es nicht liegen, denn gerade hat es ihr Album "Back to Black" unter die Top 10 der US Billboard Album Charts geschafft, sie hat inzwischen vier Brit Awards gewonnen und wurde gerade - gemeinsam mit der neuen britischen Kultband Arctic Monkeys und dem UK-Rapper Dizzee Rascal - für den angesehenen Mercury Music Price nominiert.

Ab in die "Rehab"

Im Herbst kommt die Soul-Nudel auf Deutschland-Tournee. Fans in Düsseldorf (13.8.), Hamburg (15.8.), Berlin (15.10), München (24.10.) und Köln (28.10.) will die Londonerin mit ihrer genialen Mischung aus Motown-Soul und Doo Wop erfreuen - wenn sie nicht vorher in der "Rehab" landet, wie es ihr ehemaliges Management ihr bereits ans Herz gelegt hatte: "They tried to make me go to rehab but I said no, no, no", singt die Rockröhre in ihrem größten Hit "Rehab". Mal sehen, wann es soweit ist.

Von Frank Diebel
 
 
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