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15. Juni 2007, 10:19 Uhr

Auf die Fresse, Presse

Sie sagt, was sie denkt. In der Öffentlichkeit nimmt Schauspielerin Angelina Jolie nie ein Blatt vor den Mund und kritisiert alles, was sie nicht gut findet. Wenn es jedoch um ihre eigene Person geht, versteht die 32-Jährige keinen Spaß. Von Frank Siering, Los Angeles

Wie Hollywood-Superstar Angelina Jolie durch Doppelzüngigkeit und Zensur der Meinungsfreiheit auf sich aufmerksam macht

Angelina Jolie und Brad Pitt bei der Premiere ihres neuen Films "A Mighty Heart" in New York© Lucas Jackson/Reuters

Angelina Jolie ist ein grosser Freund der Pressefreiheit und des amerikanischen Urrechts auf "free speech". Das hat der Hollywood-Star mit humanitärer Adoptionsader in der Vergangenheit immer wieder beteuert. Was sie aber ganz gerne verheimlicht: Bei der freien Meinungsäußerung über ihre Person möchte sie dann doch gerne ein Wörrtchen mitreden und wenn es geht, ist auch ein bisschen Zensur der Presse in diesem Fall durchaus genehm. So geschehen bei der jüngsten Premiere ihres neuen Films "A Mighty Heart", in dem es paradoxerweise um die Botschaft von der Wichtigkeit freier Meinungsäußerung in den Medien geht. Jolie spielt die Witwe des in Pakistan getöteten Reporters David Pearl.

Bevor Mrs. Jolie auch nur einen Fuß auf den Red Carpet in New York setzte, ließ sie über ihren Anwalt Robert Offer ein dubioses Schreiben an die Medienvertreter verteilen. Darin stand, dass Reporter keine persönlichen Fragen in Bezug auf die Beziehung von Frau Jolie stellen dürfen. Und weiter: Die Interviews dürfen nur zur Promotion des Films und nicht für andere Geschichten um und mit Jolie benutzt werden. Sollten sich die Medienvertreter nicht an diese Abmachung halten, so heißt es weiter in dem Papier, habe Jolie das Recht das Gespräch sofort abzubrechen und den Journalist persönlich wegen Missachtung und "nicht wiedergutzumachender persönlicher Schäden" zu verklagen. Im Falle von TV-Interviews dürfe den Reportern die Herausgabe des Tapes verweigert werden. Jolie ließ über ihren Anwalt auch das Recht einräumen, eine "Restraining Order", also eine Mindestabstand-Anordnung gegen verbal zu aufdringliche Reporter von einem Richter einzuklagen.

USA Today und Associated Press zogen als erste Konsequenzen und verweigerten die Unterschrift unter das Pamphlet. Sie zogen ihre Reporter vom Red Carpet und sagten Interviews mit Jolie sofort ab. Andere Medienvertreter waren weniger mutig und plapperten mit Jolie ueber ihr Billigkleid, das sie für 26 Dollar in einer Second Hand Boutique auf der Melrose Avenue in Los Angeles gekauft hatte. Dennoch: Jolie hat mit diesem persönlichen Angriff auf die von ihr so gepriesene Pressefreiheit in Amerika eine Diskussion vom Zaun gebrochen, die sie sicherlich gerne vermieden hätte.

So kochten nur wenige Stunden nach dem Bekanntwerden der Jolie-Zensur der Presse Geschichten auf, die mit spitzem Fingerzeig darauf verwiesen, dass es doch Lara Croft war, eigentlich ein Liebling der Medien in den USA, die seit vielen Jahren schon eine "Geschäftsbeziehung" zum People Magazin habe und auch nicht davor zurückschreckt, ihre Kinder für weltweite Fotoproduktionen "zur Verfügung" zu stellen. "Das ist doch ein klarer Fall von Doppelmoral", sagt der Erfinder von Hollywood-Website TMZ.com, Harvey Levin. Und weiter: "Jolie und Gefolgschaft erfinden ihre eigene Wahrheit. Getreu dem Motto: Nur meine Definition von Meinungsfreiheit hat Gültigkeit."

Und Klatschkolumnis Perez Hilton erinnert in diesem Zusammenhang süffisant daran, dass es die Weltverbesserer Jolie und Pitt waren, die im Juni vergangenen Jahres dafür verantwortlich waren, dass Journalisten aus Namibia ausgewiesen wurden, weil Jolie dort in aller Ruhe ihre Tochter Shiloh gebähren wollte. Kurz nach der Geburt von Shiloh war die Presse dann aber wieder von Nutzen. Zumindest ein Teil. Jolie entschied sich kurzfristig, nur namibische Reporter zu einer Pressekonferenz zuzulassen. Das nennt man dann wohl Pressefreiheit à la Hollywood.

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
ElPrimo (15.06.2007, 14:53 Uhr)
@ Dohnanyi
also entweder wurde es nachträglich geändert oder sie haben sich verlesen. im bericht steht nämlich pakistan drin und nicht der irak.
bernie-abg (15.06.2007, 14:35 Uhr)
Jolie hat schon recht...
...wenn sie sich gegen Fragen wie:
"Na, wie ist Brad Pitt denn so beim Ficken ?" wehrt.
kauri92 (15.06.2007, 14:22 Uhr)
Mrs. Jolie...
...ist allenfalls Angelinas Mutter. Sie ist Ms Jolie oder Miss Jolie. Ich dachte Frank Siering lebt in Los Angeles, da sollte er doch diese Feinheiten kennen.
Obstler (15.06.2007, 13:44 Uhr)
Dann sollte der Stern auch die Konsequenz ziehen
und Frau Jolie nicht mehr auf die Titelseite nehmen, wenn mal wieder ein Film ansteht.
Man suche einmal mit Google nach "Angelina+Jolie+Stern" und schaue sich an, wie oft diese Zeitschrift über diese Person berichtet hat.
Verweigert ihr die Berichte, außer solchen wie diesen hier, alles andere wäre verlogen, ähnlich wie die Stern-Berichte über Scientology-Tom-Cruise und die späteren Artikel über MissionImpossible ("tolles ActionKino").
Von A Jolie waren eh nur 2 Filme einigermaßen anschaubar.
Ich habe aus der Geburtenfarce in Afrika jedenfalls meine Konsequenz gezogen und meide sämtliche Brad Pitt Filme, darunter den neuen Oceans13.
So langsam wird die Liste immer länger, welche Schauspieler von mir gemieden werden, Spitzenreiter immer noch Tom Cruise.
Hinterher heißt es bestimmt wieder: Die Leute gehen nicht ins Kino und kaufen keine DVDs....das waren wieder diese Raubkopierer.
Nein, Schauspieler die ich privat für %&#*$§ halte, schaue ich nie wieder im Kino/auf DVD oder im Fernsehen.
weda_kong (15.06.2007, 12:54 Uhr)
LOL - was für eine Scheinheiligkeit
... sich für die Pressefreiheit einsetzen, aber jedes kritische Wort über die eigene Person restriktiv verbieten - wobei über die Weltverbesserungsaktionen natürlich jedes Wort berichtet werden darf. Da am besten mit einem großen Kameratross im Schlepptau ... damit auch die ganze Welt die eigenen Bemühungen mitbekommt!
Na so was aber auch ;-) So eine böse Presse - traut die sich doch, auch negatives zu Berichten. Na das darf nun gar nicht geduldet werden -WIR sind ja SOOOOOOOOO gut :)))
Dohnanyi (15.06.2007, 12:35 Uhr)
kleine Korrektur
Dany Pearl starb nicht im Irak, sondern in Pakistan. Er wurde aus seinem Hotel gelockt, entführt und dann vor laufender Kamera enthauptet.
iovialis (15.06.2007, 11:42 Uhr)
Ja und....?
Die Welt zu verbessern bedarf der Medien; dabei sollte die Welt im Vordergrund stehen, die verbessert werden soll und nicht die Person, die sie zu verbessern sucht. Ich denke, daß Mrs. Jolie durchaus richtig handelt und die Medien ihr Verhalten nicht nachvollziehen können, weil diese nicht daran interessiert sind, die Welt zu verbessern, sondern Geld zu verdienen. Informationsfreiheit lautet demnach: "welche Information bringt das meiste Geld." Und scheinbar ist die Information über Mrs. Jolie mehr wert, als ihr Tun und Handeln. Die Medien sollten sich dann mal an der eigenen Nase packen und überlegen, was diese Frau eigentlich will - ich habe Respekt vor ihr, denn sie stellt sich nicht (wie viele andere) in den Mittelpunkt, sondern versucht im Gegenteil das in den Vordergrund zu stellen, für was sie sich einsetzt. Ich halte es legitim, daß sie dafür ihre Prominenz nutzt und den Wirbel über ihre Person heraushaben will. Kein Medienvertreter kann sich in die Lage von Mrs. Jolie versetzen - so scheint es jedenfalls...
weda_kong (15.06.2007, 11:35 Uhr)
Warum so viel Gewese um diese Person
Eine solche Doppelmoral ist doch schon aussagekräftig genug. Sie verdient mit harten Action-Filmen ihr Geld und ihre KInder sollen nicht mal eine Plastikwaffe sehen dürfen ... andere Kinder und Jugendliche können sich ja mit ihren Filmen berieseln lassen - an diesen Kindern und Jugendlichen verdient Madame doch gut, oder nicht? Das ist doch scheinheilig.
Aber wahrscheinlich verändert das Filmgeschäft sowieso die meisten Leute. Im übrigen ist es gleichgültig, wieviele Kinder diese Frau noch adoptiert - fast bin ich versucht zu schreiben: Frau Jolie fährt zum Children-Shopping - aber das darf man natürlich nicht schreiben, deshalb schreibe ich: FAST bin ich versucht ...
Eines jedoch steht fest: Die Doppelmoral dieser Leute ist Teil ihres Charakters geworden.
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