"Ich bin ein totaler Putzfreak"

14. Februar 2013, 15:17 Uhr

Anna Loos ist heute Abend im ARD-Film "Nacht über Berlin" zu sehen. Mit stern.de sprach sie über Mut, Diäten und ihren Mann Jan Josef Liefers. Von Oliver Noffke

Die rund 2500 Beschäftigten im Amazon-Logistikzentrum Graben bei Augsburg haben erstmals einen Betriebsrat gewählt. Der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck sagte am Freitag: "Das war mehr als überfällig und ist ein großer Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen bei Amazon." Die jüngste Berichterstattung über die Arbeitsbedingungen bei dem Internet-Versandhändler habe der Wahl einen Schub gegeben. Obwohl viele Beschäftigte den Druck ihrer Vorgesetzten fürchteten, sei eine Wahlbeteiligung von 60 Prozent erreicht worden. "Der Betriebsrat und wir werden Amazon beim Wort nehmen, um bei Verbesserungen der konkreten Arbeitssituation voran zu kommen", sagte der Gewerkschafter.

Die ARD hatte am späten Mittwochabend eine Dokumentation ausgestrahlt, in der über den Umgang mit Leiharbeitern und über die bedenklichen Arbeitsbedingungen in den Amazon-Logistikzentren berichtet wird. Der Fernsehfilm zeigt unter anderem, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die oft aus dem Ausland stammenden Leiharbeiter und das Film-Team bedrängen. Auch die Gewerkschaft Verdi wirft dem Konzern seit längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Amazon selbst will die Vorwürfe prüfen.

Der Online-Riese beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 7.700 festangestellte Mitarbeiter in den Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. "In der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein", teilte Amazon am Donnerstag in München mit. In Spitzenzeiten arbeite Amazon mit Zeitarbeitsfirmen zusammen. Im ersten Jahr verdienten Mitarbeiter einen Bruttostundenlohn von mehr als 9,30 Euro. Danach steige der Bruttolohn auf über 10 Euro.

Sicherheitsfirmen würden Arbeiter überwachen

Der Amazon-Experte der Gewerkschaft Verdi, Heiner Reimann, sagte, das Unternehmen werbe viele Zeitarbeiter mittlerweile im Ausland an, da in der Umgebung der Logistikzentren viele Arbeitskräfte bereits schlechte Erfahrungen gemacht hätten und nicht mehr dort arbeiten wollten. Seinen Angaben zufolge setze Amazon in der Weihnachtszeit mehrere tausend Zeitarbeiter ein, die oft in der Umgebung in im Winter leerstehenden Ferienparks untergebracht würden. Manchmal seien kleine Bungalows mit bis zu sechs Menschen belegt. In den Anlagen würden die Arbeiter zudem von Sicherheitsfirmen überwacht.

Im Film wird berichtet, dass Sicherheitsleute zum Beispiel Unterkünfte von Zeitarbeitern durchsucht hätten. "Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten", heißt es in der Stellungnahme von Amazon dazu. Man dulde "keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung".

Auch überprüfe Amazon Dienstleister, "die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig". Reimann sagte, die Zustände bei Amazon seien ein "Dauerproblem", auch im Branchenvergleich. Es gebe in anderen Versandfirmen ebenfalls Missstände, aber nicht in diesem Ausmaß. Dennoch habe Amazon durchaus auch auf Beschwerden reagiert und Mängel abgestellt. Allerdings bleibe angesichts des Geschäftsmodells dem Konzern kaum etwas anderes übrig, als befriste Mitarbeiter oder Zeitarbeiter einzusetzen.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Anna Loos Berlin
Lifestyle
Extras und Ratgeber
Land, Leute und Genuss: Die stern-Weinschule Bordeaux Land, Leute und Genuss Die stern-Weinschule Bordeaux
Wissenstests Wissenstests Wie gut kennen Sie sich aus mit Promis und Royals? Stellen Sie Ihr Wissen auf die Probe! Zu den Wissenstests