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11. März 2008, 08:13 Uhr

Mafiamethoden in Hollywood

Es wird bestochen, belogen und betrogen in Hollywood - und das nicht nur in aufwendig inszenierten Filmen. Einer, der diese Masche mit Perfektion betrieb, ist der Privatdetektiv Anthony Pellicano, der sich nun vor Gericht verantworten muss. Aber Pellicano hat keine Angst vor dem Gefängnis. Er zählt auf seine einflussreichen Freunde. Von Frank Siering, Los Angeles

Die Methoden, mit denen sich Privatdetektiv Anthony Pellicano Informationen beschaffte, waren nicht immer ganz legal© Michael Ochs Archives/Getty Images

Als "Los Angeles Times"-Reporter Anita Busch am 20. Juni 2002 zu ihrem Auto ging, fand sie eine zerbrochene Windschutzscheibe vor. Auf dem Beifahrersitz lag ein toter Fisch. Daneben eine Notiz. "Stop" stand drauf. Die Reporterin erzählte der Polizei später, dass sie der festen Überzeugung sei, die Drohung resultierte aus ihren Recherchen in Zusammenhang mit Action-Star Steven Seagal. Der war in New York von seinem ehemaligen Produktionspartner Julius Nasso mit mutmaßlichen Mafia-Mitgliedern erpresst worden. Einen Tag nach dem toten Fisch hörte Busch ihren Anrufbeantworter im Büro ab. Sechs Nachrichten waren da abgespeichert. Alle von einem Mann, der mit ihr über die Seagal-Berichterstattung in der "LA Times" sprechen wollte. Der Anrufer, das stellte sich sehr schnell heraus, war ein Undercover FBI-Informant, der unlängst von einem Detektiv-Büro angeheuert worden war. Der Auftrag der Detektei: Schüchtern Sie Frau Busch ein, damit die Berichte aufhören. Der Mann hinter den Aufträgen: Anthony Pellicano.

Schauspieler Sylvester Stallone zählt zu Pellicanos Opfern© Daniel Ochoa de Olza/AP

Genau dieser Pellicano steht jetzt in Los Angeles vor Gericht. Kein Unbekannter in Tinseltown, galt er doch jahrelang als Promi-Detektiv, als "Private Eye for the Stars". Nun aber stellt sich nach einer monatelangen Untersuchung heraus, dass Pellicano keine Methoden gescheut haben soll, um an Informationen zu kommen. Illegales Abhören, Erpressung. Alle Mittel waren scheinbar recht. Zu den Opfern von Pellicano zählen unter anderem Stars wie Sylvester Stallone, Keith Carradine, Super-Agent Mike Ovitz und die Studio-Bosse Brad Grey und Ron Meyer. Die "LA Times" schreibt, dass der Fall Pellicano als einer der "größten Skandale in der Entertainment-Industrie" in die Geschichte eingehen könnte. Pellicanos Methoden waren mehr als zwei Jahrzehnte berüchtigt und gefragt in Hollywood. Er arbeitete für Michael Jackson, Elizabeth Taylor und Tom Cruise. Er selbst nannte sich einen "Fixer", einer der Probleme löst. Sein Mantra nach der Vertragsunterzeichnung mit einem Kunden: "Ihr Problem ist jetzt mein Problem."

Egal, ob es nun darum ging, in einem Scheidungskrieg schmutzige Wäsche der Gegenseite zu waschen, bei einem Geschäftsstreit Munition für die Verhandlungen um Millionenbeträge zu sammeln oder - wie im Falle von Chris Rock - zu beweisen, dass der Komiker nicht der leibliche Vater eines Kindes von einem Model aus Ungarn ist, Pellicano und sein Team fand fast immer einen Weg, das Problem für den Klienten zu beseitigen.

Pellicano hat seine Gegner bedroht, zum Teil erpresst

Heute ist bekannt, dass das "Private Eye" sich dabei fast immer außerhalb des Gesetzes bewegte. Da wurden Stars wie Stallone illegal abgehört, Gegner eingeschüchtert, zum Teil bedroht und erpresst. Pellicano scheute auch davor nicht zurück, Identitäten zu fälschen. "Die ganze Geschichte ist längst noch nicht erzählt, vor Gericht werden noch viele weitere Details zutage kommen", glaubt Laurie Levenson, Juraprofessor an der Loyola Universität in Los Angeles.

Und so zittern derzeit viele wichtige ehemalige Klienten von Pellicano in ihren Bel-Air-Villen. Stallone, Ovitz und Carradine stehen schon jetzt als potentielle Zeugen auf der Vernehmungsliste. Andere Promis ließen über ihre Anwälte vor dem ersten Verhandlungstag mitteilen, dass sie nicht gewusst hätten, dass Pellicano seine Informationen offensichtlich über illegale Quellen bezogen hatte. Die große Frage in Lala-Land ist dieser Tage: Wussten die Promis tatsächlich nichts von den illegalen Pellicano-Methoden? Promi-Anwalt Terri Christensen jedenfalls hat es gewusst. Er beauftragte Pellicano, so berichtet die "LA Times", die Ex-Frau seines Klienten, Milliardär Kirk Kerkorian, illegal abzuhören. Für diese "Dienstleistung" überwies er dem Detektiv 100.000 Dollar. Ein folgenschwerer Fehler. Denn Christensen muss sich nun selbst vor Gericht verteidigen.

Und Pellicano? Der zeigt sich überraschend cool und entspannt vor Gericht. Vielleicht auch deshalb, weil er weiß, dass er noch viele berühmte Freunde in der Stadt hat, die ihm den einen oder anderen Gefallen schulden und keineswegs Interesse daran haben, dass Hollywoods berühmtestes "Private Eye" aus dem Nähkästchen plaudert.

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
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