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24. Januar 2006, 15:54 Uhr

Spezialitäten aus Fernost

Sie können nicht nur Kung-Fu: Asiatische Schauspieler haben in Hollywood immer mehr Erfolg. Vorläufiger Höhepunkt: die US-Bestseller-Verfilmung "Die Geisha".

Der eiserne Engel: Zhang Ziyi, 26, gilt seit ihrem Debüt 1999 in Zhang Yimous rührendem Drama "Heimweg" als größte Entdeckung des asiatischen Kinos. Nun ist sie "Die Geisha"© David James/Columbia Pictures

Mal ordentlich Rassismus zum Anfang. Sehen doch alle gleich aus mit den schmalen Augen. Egal ob Koreaner, Chinesen, Taiwanesen, Japaner: Diese Asiaten kann sowieso kein Westler auseinander halten. So ähnlich dachte man wohl auch in Hollywood, als man auf die Idee kam, den Roman "Die Geisha" zu verfilmen. Der internationale Bestseller von Arthur Golden, einem ehemaligen Harvard-Studenten aus Tennessee, erzählt auf 573 Seiten über ein einfaches Fischermädchen, das im Japan der 30er Jahre zur begehrtesten der hochgebildeten Gesellschaftsdamen aufsteigt.

In Japan wohlgemerkt. Denn im Kino (Deutschland-Start: 19. Januar) liegen die weiblichen Hauptrollen fest in den zarten Händen von Zhang Ziyi, chinesisch, Gong Li, chinesisch, und Michelle Yeoh, malaysisch-chinesisch. Was in beiden Nationen Empörung auslöste. Ziyi habe ihre Seele an die ehemaligen Besatzer verkauft und ihr Land verraten, wetterte man auf der einen Seite. Ein Film über japanische Kultur sollte gefälligst eine japanische Hauptdarstellerin haben, schimpfte die andere.

Doch auch ohne solch patriotisches Scharmützel darf die "Geisha" als Höhepunkt einer neuen Glamour-Offensive aus Fernost gelten. Zum ersten Mal sind in einem großen Hollywoodfilm alle Hauptrollen mit Asiaten besetzt. Und mit was für welchen...

Da wäre beispielsweise in der Titelrolle Zhang Ziyi, 26. Die "Audrey Hepburn Asiens" ist im Westen vor allem wegen ihrer eleganten Einlagen in Kampfkunstspektakeln wie "Tiger & Dragon" und "Hero" bekannt. "Chinas Geschenk an Hollywood" ("Time") landete schon zweimal auf der Liste der 50 schönsten Menschen des Promi-Blatts "People" und macht inzwischen Werbung für Kosmetik, Shampoo und ein Erfrischungsgetränk.

Die "Geisha" ist ihre erste US-Hauptrolle: "Nun kann ich aller Welt die Fähigkeiten asiatischer Schauspieler demonstrieren. Wir können so viel mehr, als die Leute glauben." Vorher habe sie aus den USA nur unbefriedigende Angebote bekommen: Prostituierte oder arme Mädchen, die nach Amerika verkauft werden. Trotz des frischen Ruhms wohnt Zhang immer noch in Peking bei ihren Eltern: einer Kindergärtnerin und einem Volkswirt.

Gong Li, im Film Zhangs hinterhältige Widersacherin, zählt in China schon seit Jahren zu den Superstars und hält für einen französischen Kosmetikkonzern ihren Teint hin. Die Tochter eines Wirtschaftsprofessors wollte eigentlich Tänzerin oder Sängerin werden, scheiterte aber bei der Aufnahmeprüfung der Musikschule. Noch als Schauspielstudentin wurde sie vom Regisseur Zhang Yimou, später auch ihr Liebhaber, für seinen Film "Das rote Kornfeld" entdeckt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 3/2006

"Die Geisha": Nur wunderschön

"Die Geisha": Nur wunderschön Nach siebenjährigem Hin und Her ist er also da: der Film nach Arthur Goldens Welthit über den Aufstieg einer Fischertochter zu Japans Top-Kurtisane. Statt Steven Spielberg heißt der Regisseur Rob Marshall, und der veranstaltet mit Asiens Star-Trio Zhang Ziyi (Foto), Gong Li und Michelle Yeoh einen augenbetäubenden Dekorrausch. Man könnte sich jedes der Bilder an die Wand hängen. Der Film aber erreicht nur selten das Herz, dafür ist er zu glatt und distanziert.

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