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21. November 2007, 09:28 Uhr

Jetzt geht's ans Eingemachte

Eva Longoria ist arbeitslos. Nicht nur sie und ihre Kolleginnen von "Desperate Houswives" sind vom Autorenstreik in Hollywood betroffen. Auch Stars wie Tom Hanks und Bruce Willis müssen um ihre geplanten großen Filme bangen. Den Regisseuren gehen langsam die Stoffe aus. Von Frank Siering, L.A.

Sängerin Alicia Keys gab am Dienstag ein spontanes Konzert für die Streikenden auf dem "Hollywood Walk of Fame"© Mario Anzuon/Reuters

David Letterman zahlt seine Angestellten mittlerweile aus der eigenen Tasche. Jay Leno macht Ferien, und die CBS-Nachrichtensprecherin Katie Couric muss wohl demnächst selbst ran. Der Autorenstreik in den USA zieht immer weitere Kreise. Seit dem 5. November streiken die Schreiberlinge in Hollywood. Sie wollen mehr Geld vom Verkauf der DVDs und aus dem Erlös von Videos, die im Internet laufen, die Motion Picture and Television Gilde bleibt weiterhin hart und sagt Nein. Die Situation scheint festgefahren.

Und dieser Streik hat es in sich. Trifft es doch die Fernseh-Fans mitten ins Mark. Bei Shows wie "Desperate Housewives", "Prison Break" und "House" ist die Produktion zum Teil schon eingestellt worden, weil den Schauspielern keine neuen Manuskripte mehr geliefert werden. Und auch die nächtlichen Talk-Shows von David Letterman und Jay Leno strahlen schon seit zehn Tagen meist Wiederholungen aus. Keine Schreiber, keine Witze mehr in Hollywood. Und jetzt kommt es ganz dicke, denn auch die Produktion der Kinofilme ist jetzt gefährdet. Warner Brothers gab bekannt, dass die Dreharbeiten für "Shantaram", ein neuer Film mit Johnny Depp, auf unbekannte Zeit verschoben werden mussten, weil keiner am Skript arbeitet. Tom Hanks ("Angels & Demons") und Bruce Willis ("Pinkville") dürfen sich ebenfalls schon in die ungewollten Weihnachtsferien verabschieden. Ihre Filme sind ebenfalls gecancelt.

Und auch die Nachrichtensendungen bleiben nicht mehr verschont. 300 CBS-Mitarbeiter, die meisten von ihnen arbeiten in der News-Division, haben sich ihrer Gewerkschaft, der WGA (Writers Guild of America) angechlossen und werden ab sofort die Arbeit niederlegen. Das kann bedeuten, dass die Hauptnachrichten demnächst ausfallen müssen. Dieser Streik legt den Finger auf die Wunden in Hollywood. Vor allem in der hauptsächlich betroffenen Entertainment-Industrie werden viele Serien mit heißer Nadel gestrickt. Heißt: Oftmals kommen die Stars wie Teri Hatcher, Marcia Cross oder Eva Langoria ans Set und wissen an dem Tag noch nicht, was mit ihren Charakteren passiert. Ein Schreiberling zu stern.de: "Wir arbeiten Tag und Nacht. Manchmal ändern wir in allerletzter Minute noch eine Szene oder eine Einstellung. Die Schauspieler müssen unheimlich felixbel sein und schnell lernen können."

Die großen Gewinner des Streiks?­ Das von vielen Schauspielern gescholtene Reality-TV. Schon jetzt überschwemmen immer mehr Reality-Sendungen die US-Sender. Von Super-Nanny über Survivor bis hin zu Dancing with the Stars. Billig produzierte Shows mit hoher Rendite. Ein gefundenes Fressen für viele Studio-Executives. Aber auch eine lauernde Gefahrenquelle. Zu häufige Wiederholungen und langweilige Reality-Shows lassen viele Zuschauer abschalten. Ein Quotenchaos, dass das ohnehin schon leidende US-Fernsehen in den Abgrund stürzen könnte. Und das würde weder Schreibern noch Studiobossen wirklich weiterhelfen.

Von Frank Siering, L.A.
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
anuhea (21.11.2007, 23:28 Uhr)
Schreiben geht ja so leicht...
... aber (Nach-)denken wohl eher nicht. (=>@JuliusKrause)
Die Forderungen der streikenden Autoren sind ziemlich bescheiden: statt 4 US cents pro verkaufter DVD möchten sie dafür in Zukunft 8 US cents erhalten. Wenn man bedenkt, dass eine DVD-Verpackung etwa 10 US cents kostet, ist das nicht überzogen. Wenn man ausserdem noch weiß, dass es Schauspieler gibt, für deren Händchenhalter - wie eigene Friseure, Köche, Trainer - am Filmset hunderttausende von Dollars von den Studios bezahlt werden, gäbe es da und an anderen Stellen sicherlich Einsparpotential. Gute Autoren sind selten, viele Schauspieler sind leider austauschbar.
JuliusKrause (21.11.2007, 14:10 Uhr)
ich biete meine dienste als streikbrecher an=)
im ausland gibt es doch genug schreiberlinge,die einspringen könnten
kralli19 (21.11.2007, 12:41 Uhr)
Geil !
Sowas bräuchten wir hier auch noch. Dann bitte nicht nur die Autoren, sondern auch die Musiker (echte, nicht Retortenbabys), damit die endlich auch mit ihrer Musik Geld verdienen können und nicht nur die MI und die GEMA....
damit wenigstens da sich Leitung wieder lohnt.
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