Wie Kate Middleton zur Schaufensterpuppe wurde

20. Februar 2013, 13:57 Uhr

Mit der Kritik an Herzogin Catherine hat die Britin Hilary Mantel einen Sturm der Entrüstung entfacht. Selbst Premierminister Cameron nahm Kate in Schutz. Dabei verfolgte Mantel ganz andere Absichten. Von Julia Kepenek

Herzogin Catherine, Hilary Mantek, Schaufesterpuppe

Mantels Kritik an Catherine ist hart: unglaublich dünn, ohne Persönlichkeit, ohne Besonderheiten.©

Eigentlich war es eine harmlose Rede. Die Rede einer mehrfach preisgekrönten Autorin, die sich mit der öffentlichen Rolle von Frauen in Königshäusern beschäftigte. Doch jetzt ist Hilary Mantel eine der umstrittensten Frauen Großbritanniens. Was ist passiert? Anfang Februar hielt Mantel im British Museum in London ihren rund einstündigen Vortrag. Die französische Königin Marie Antoinette kam darin vor, Lady Diana und eben auch Herzogin Catherine. Die Frau von Prinz William sei eine "Schaufensterpuppe ohne Persönlichkeit", sagte Mantel. Ihre einzige Daseinsberechtigung sei es, Kinder zu gebären, um den Fortbestand der Monarchie zu sichern. Und weiter: "Kate scheint für ihre Rolle als Prinzessin ausgewählt worden zu sein, weil sie tadellos ist: unglaublich dünn, ohne Eigenarten, ohne Kuriositäten, ohne das Risiko, dass sie Charakter zeigt."

Boshafte Attacke

Öffentlich wurden die Passagen durch das britische Boulevardblatt "Daily Mail". Die Zeitung, selbst nicht gerade für einen feinfühligen Ton bekannt, kritisierte Mantels Aussagen als "boshafte Attacke auf Kate". Die "Sun" nannte Mantels Kommentar eine "groteske Hasstirade" und bezeichnete die 60-Jährige als "hochnäsige Autorin". Sogar der britische Premierminister David Cameron - zurzeit auf Auslandsreise in Indien - kommentierte die Vorfälle. Mantels Äußerungen seien ""unangebracht und falsch", sagte Cameron der BBC. Gleichzeitig musste er einräumen, dass er nicht die Zeit gehabt habe, Mantels komplette Rede zu lesen. Ein Fehler.

Mantels Ziel waren die Medien

Denn das Ziel von Mantels Kritik war nicht Kate Middleton. Nein, die Schriftstellerin nahm sich die britischen Medien zur Brust. Sie seien es, die die 31-Jährige auf ihr Äußeres und ihre Rolle als Mutter des zukünftigen Thronfolgers reduzierten. Die Berichterstattung von Boulevardblättern wie "Daily Mail" oder "Sun" beschränke sich oft auf die Kleiderwahl, die Frisur und den Gesichtsausdruck der Herzogin. Unvergessen bleibt ein altes Fotos von Kate Middleton, auf dem die damalige Studentin leicht bekleidet bei einer Modenschau ihrer Universität zu sehen war. Es gibt wohl kaum eine britische Zeitung, die dieses Foto nicht abgedruckt hat. Die zukünftige Königin von England wurde zum royalen Bikinigirl. Schwer vorstellbar, dass solche Bilder in einer anderen europäischen Monarchie veröffentlicht würden. Und es war nicht Mantel, die Kate auf eine "Gebärmaschine" reduzierte. Nein, es waren die britischen Medien. Seit ihrer Hochzeit mit Prinz William im April 2011 starrte ganz Großbritannien auf Kates Bauch. Immer in der Hoffnung, dass sich endlich eine Wölbung abzeichnen würde. Nun ist Kate schwanger. Die Berichterstattung ist deshalb nicht abgeebbt. Im Gegenteil. Die Herzogin steht mehr denn je im Fokus des Interesses.

Dass nun ausgerechnet das Boulevardblatt "Daily Mail" Mantels Rede missbrauchte, um daraus eine böswillige Attacke auf Herzogin Catherine zu konstruieren, spricht Bände. Seriösere Blätter wie etwa der "Guardian" geißelten die Diskussion als "Heuchelei".

Mit ihrem Vortrag kritisierte Mantel nicht nur die britischen Medien, sondern auch ihre Landsleute, die sie jetzt für ihre vermeintliche Majestästbeleidigung schelten. Die Briten lechzen nach Informationen über Kate Middleton, das bürgerliche Mädchen das qua Heirat in den Adelsstand erhoben wurde. Jedes noch so kleine Detail scheint von Interesse. Und dabei geht es nicht in erster Linie um Kates Worte und Taten. Sondern um ihre Kleider, ihre öffentlichen Auftritte, ihre Schwangerschaft. Das Volk ist stolz auf seine schöne Prinzessin. Ihr Stilbewusstsein wurde bisher immer lobend erwähnt. Die Geburt von Kates Baby im Sommer wird sehnsüchtig erwartet.

Genau das hat Hilary Mantel in ihrer Rede auf den Punkt gebracht. Ihre Wortwahl war dabei vielleicht etwas unglücklich.

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