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4. November 2004, 08:48 Uhr

Musizieren für Versöhnung

Eine offizielle Entschuldigung für die britische Bombardierung deutscher Städte während des Zweiten Weltkrieges hat es von Königin Elizabeth II nicht gegeben. Dafür schlug diese mit einem Benefizkonzert versöhnliche Töne an.

Immer das passende Abendkleid dabei: Königin Elisabeth II. vor dem Benefizkonzert in der Berliner Philharmonie© Johannes Eisele/AP

Mit einem Benefizkonzert eines britischen Orchesters hat Königin Elisabeth II. in der Berliner Philharmonie ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Geladen waren rund 2.000 Gäste. Ihre Spenden sollen der Dresdner Frauenkirche zu Gute kommen, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs im britischen Bombenhagel zerstört worden war. Zum Abschluss ihres dreitägigen Staatsbesuchs in Deutschland reist die Queen nach Düsseldorf weiter.

Britten, Bach und Beethoven auf dem Programm

Bei dem Konzert spielte das Kammerorchester Northern Sinfonia unter Leitung von Thomas Zehetmair. Auf dem Programm standen Werke von Benjamin Britten, Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven. Die Königin war mit ihrem Gemahl Prinz Philip erschienen, Bundespräsident Horst Köhler nahm zusammen mit seiner Frau Eva teil. Unter den Gästen waren auch mehrere Bundesminister sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

Bei einem Aufenthalt in Potsdam betonte die 78-jährige Monarchin die Notwendigkeit weiterer Reformen in Deutschland und Großbritannien. "Unsere beiden Länder stehen vor der Notwendigkeit, den Prozess der Wirtschaftsreform fortzuführen, was nie einfach ist", sagte sie in ihrer Tischrede im Schloss Cecilienhof, wo Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck zum Mittagessen geladen hatte.

Queen lobt Demokratie in Deutschland

Darüber hinaus lobte sie die Aufbauleistung der neuen Bundesländer. Zugleich erklärte sie aber, dass es immer noch Herausforderungen gebe. Nach ihrem ersten Besuch in Potsdam 1992 wolle sie den Menschen jetzt Anerkennung für das Erreichte aussprechen. "Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit sind wieder fest verankert, ebenso die freie Marktwirtschaft."

Die Tischrede war der zweite Höhepunkt des vierten Staatsbesuchs in Deutschland. Bei einem Staatsbankett im Berliner Zeughaus bescheinigte die Monarchin Deutschland und Großbritannien eine "reife und dauerhafte Freundschaft".

Eröffnung einer Klimaschutzkonferenz

In der britischen Botschaft in Berlin eröffnete die Königin eine Klimaschutzkonferenz. Diese soll Empfehlungen für Premierminister Tony Blair ausarbeiten, der den Klimawandel zum Hauptthema des britischen G-8-Vorsitzes nächstes Jahr machen will. Danach besuchte die Monarchin die Berliner Museumsinsel, wo sie von Wowereit empfangen wurde.

Wowereit äußerte sich vorher verwundert über die Debatte, ob sich die Queen für die britischen Bombenangriffe auf deutsche Städte entschuldigen müsse. Das Verhältnis beider Staaten sei hervorragend, betonte Wowereit.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die von britischen Boulevardmedien losgetretene Diskussion als "absurd" bezeichnet. Die Königin ging in ihren Reden nicht darauf ein. Im Zeughaus rief sie beide Seiten dazu auf, über Klischees hinauszublicken: "Stereotypen verblühen, wenn menschliche Kontakte aufblühen."

Ein weiterer Programmpunkt des Aufenthaltes voin Königin Elisabeth II. in Berlin war eine Fahrt mit dem Panoramazug der Berliner S-Bahn nach Potsdam. Vor Schloss Cecilienhof wurden sie - wie schon in Berlin - von mehreren hundert Schaulustigen begeistert empfangen. Die Queen, die einen königsblauen Mantel und einen passenden Hut trug, gab sich aber sehr zurückhaltend. Fans, die auf einen Händedruck gehofft hatten, reagierten enttäuscht.

Auf dem Krongut Bornstedt traf Elisabeth II. Mitarbeiter des Triebwerksherstellers Rolls-Royce. Danach besuchte sie den britischen Militärfriedhof Stahnsdorf.

AP
 
 
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