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31. März 2007, 10:09 Uhr

Grüner wird's nicht

Elektroautos, Jutetaschen und Solarenergie: Ganz Hollywood besteht plötzlich aus berühmten Öko-Aktivisten. Umweltbewusstsein gilt als neues Statussymbol. Von Christine Kruttschnitt

Julia Roberts: Das Blumenkind heizt mit Solarenergie und kauft im Biosupermarkt ein© action press; RAMEY PHOTO / BULLS; Matthew Simmons/Getty Images

Anna Nicole Smith hat es natürlich, selbst auf ihrem letzten Gang, vermasselt. Rein ökologisch gesehen. Ein Sarg! Aus Holz! Da würde ein wahrer Grüner lieber sterben, als dass er sichÉ - okay, wenn also ein wahrer Grüner gestorben ist, dann findet er seine letzte Ruhe dort, wo auch seine Gedanken kreisten: irgendwie tiefer. Viel tiefer. Sagen wir: 15 Meter tief. Und zwar unter dem Meeresspiegel, wo seine Überreste den Bewohnern der Ozeane noch nachhaltig Heim und Höhle spenden. Die Schauspielerin Rachel McAdams, 30, die Klamotten aus Soja trägt und an Freunde und Familie gern Kompostieranlagen verschenkt, hat jedenfalls vor, ihr bislang vorbildlich grün gelebtes Dasein dereinst auf dem Öko-Wege zu beschließen. "Ich will keinen Grabstein!", erklärte der Hollywood-Jungstar ("Red Eye"). "Man kann heutzutage in ein Riff verwandelt werden! Dann wird man im Meer versenkt, und die Fische haben auch etwas davon."

"Eternal Reef", "ewiges Riff", nennt sich die ultimative Recycel-Organisation, die menschliche Asche mit Zement vermischt, plump-glockenähnliche Gebilde daraus formt und tatsächlich zu künstlichen Meeresbänken vor den Küsten von Florida und Carolina häuft. "Ich möchte wieder Teil der Erde werden", schwärmt Rachel McAdams, die in ihrer Wahlheimat Los Angeles des Öfteren auf dem Fahrrad gesehen wird - was sie, in einer der berüchtigtsten Auto-Metropolen der Welt, schneller an ihr Ziel bringen könnte, als ihr lieb ist.

Ausgerechnet in Los Angeles, wo Nachbarn sich beschweren, wenn im Freien Wäsche aufgehängt wird (sind wir hier in der Dritten Welt?! Wozu gibt es denn Trockner?!), und wo an Supermarktkassen stumpf jede Milchtüte in eine Plastiktüte gepackt wird - ausgerechnet hier, im Paradies für Hummer-Fahrer, Privatjet-Flieger und überhaupt alle Umweltverpester: Hier zeigt der grüne Gedanke sein schönstes Gesicht.

Tom Hanks steigt bei einer Filmpremiere aus einem Toyota Prius© Reuters

Grün muss man sein

Es ist das Gesicht von Julia Roberts, Biosupermarktkundin und Solarzellen-Heizerin. Es ist das Gesicht von Leonardo DiCaprio, Elektroautofahrer und Umweltfilmaktivist. Von Daryl Hannah, die zur Rettung eines Gemeindegartens auf einen Baum stieg und sich nach Abseilung verhaften ließ, der Umwelt zuliebe. Von Cameron Diaz, deren Haus allein von Sonnen- und Windkraft elektrifiziert wird; von Pierce Brosnan, der die Gewässer vor Malibu schützen will; von Salma Hayek, der heißesten aller Latino-Diven, die vor den Gefahren der globalen Erwärmung warnt.

Seit Kaliforniens konservativer Gouverneur Arnold Schwarzenegger, neuerdings Bio-Terminator, einige scharfe Gesetzesvorlagen zur Reduzierung von Abgasen unterschrieben hat, scheint Blau oder Rot völlig wurscht im politisch gespaltenen Amerika - grün muss man sein. Da war es nur logisch, dass der Politiker Al Gore Ende Februar mit Hollywoods höchster Weihe, dem Oscar, ausgezeichnet wurde für seinen Dokumentarfilm über den Klimawandel: Gibt es ein schöneres Symbol für den Glamour einer einst so ungeliebten Idee?

Zeit der Protz-Limousinen vorbei

Vor Kurzem noch galt Hollywood als Inbegriff und Apotheose der Verschwendung; die dicksten Autos mussten her, die dicksten Klunker, und wer von seinem Filmstudio nicht im Lear-Jet zu Premieren geflogen wurde, galt als Loser. Die Unternehmerin Yvette Fray, die vor drei Jahren einen Limousinen-Service mit umweltfreundlichen Autos startete, erinnert sich, dass sie noch im vergangenen Jahr mit einem Gast im Fond zu einer Preisverleihung nicht vorgelassen wurde: Der Wagen, so beschied sie ein Uniformierter an der Auffahrt zur Gala, sei ja wohl "keine Limo". Aber ja, beharrte die Chauffeurin Fray. "Dies", wiederholte der Sicherheitspolizist mit kaltem Blick auf den Toyota Prius, "ist keine Limo." Da beugte sich Frays Kundin, die Schauspielerin Charlize Theron, vor und fauchte: "Ist es wohl!" Der Mann ließ den Wagen passieren. Undenkbare Situation im Jahre 2007: Da purzelten Leonardo und Scarlett Johansson und George Clooney und Steven Spielberg und jeder noch so reiche und berühmte Star aus einem Elektroauto - Umweltbewusstsein ist Statussymbol.

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